Reichenschwander Schlepperfreunde

Liebe zu „Töff töff brumm brumm“

Die Reichenschwander Schlepperfreunde Benjamin Pirner, Lisa Stengl, Matthias Ertel, Peter Meer, Philip und Stephan Müller zeigen einen ihrer rund 30 alten Traktoren, einen Hanomag. | Foto: A. Pitsch2017/08/8348020.jpeg

REICHENSCHWAND – Sie werden wohl eine der größeren Abordnungen am 3. September sein: Die Schlepperfreunde Reichenschwand wollen den Familientag der Landwirtschaft samt Sternfahrt und mittelfränkischer Meisterschaft im Schleppergeschicklichkeitsfahren am Hersbrucker Plärrer mit rund zehn ihrer alten Schätze bereichern.

Wie so eine Veranstaltung sein kann, wissen die Reichenschwander nicht nur von diversen Besuchen bei Schleppertreffen, sondern auch aus eigener Erfahrung: „Wir hatten bei unserem Tag auch einen Parcours“, erzählt zweiter Vorsitzender Philip Müller. Der nächste Termin im Dorf ist übrigens der 9. September 2018.

Was genau da am 3. September ab 10 Uhr auf die Jungs und Mädels wartet, wissen sie bislang noch nicht. Nur so viel ist durchgesickert: „Man muss wohl mit einem gestellten, neueren Traktor fahren“, hat Vorsitzender Peter Meer in Erfahrung gebracht. Das grenzt die Reichenschwander Teilnehmer an der Meisterschaft auf zwei bis drei Leute ein. „Die müssen mit schaltlosem Getriebe umgehen können“, erklärt Meer. Denn die Oldtimer der Landwirtschaft haben alle Schalthebel.

Extra üben brauchen die Reichenschwander dennoch nicht. „Das Können und Bewältigen des Parcours kommt aus dem fast täglichen Benutzen der Traktoren in der Landwirtschaft“, erläutert Müller. Und außerdem gehe es um den Spaß, so Beisitzer Benjamin Pirner, und das Gemeinschaftliche: „Alle haben das gleiche Interesse und tauschen sich darüber aus.“

Meer vergleicht solche Veranstaltungen mit Feuerwehr-Festzügen. „Oft sind die gleichen Vereine dabei, man trifft viele Bekannte und es sind alle Generationen vertreten“, ergänzt Müller.
Besonders reizvoll sind große Events wie in Nordhorn an der niederländischen Grenze: 30 000 Menschen und 3500 Schlepper versammeln sich dort seit 25 Jahren. Doch nicht nur das macht für die Reichenschwander Truppe die Faszination an den alten Fahrzeugen aus.

„Die haben halt eine einfache, robuste Technik, an der man noch viel selbst reparieren kann“, meint Pirner – ohne „Knöpfla drücken“. Müller genießt die langsame Fahrt mit rund 20 km/h – „das ist Entspannung“. Auch wenn einem zum Beispeil nach dem Hinaufschnaufen auf den Schupfer Berg die Ohren dröhnen vom guten Klang und man eingequalmt ist, aber „das gehört dazu“, findet Meer. Er hat versucht, den Hanomag, den die Familie vor Jahren verkauft hatte, wieder aufzustöbern. Erfolglos. „Hinter den Traktoren steckt meist auch eine Geschichte.“

Und wie kommt man an solche Raritäten heran? Traktorpool im Internet, Mundpropaganda oder Zeitschriften. „Schlepper sind sehr beliebt, daher ist der Markt sehr ausgesucht“, berichtet Meer. Da geistern „Wahnsinns-Preise“ herum – und die Stücke sind oft noch nicht einmal hergerichtet. Es ist also nicht unüblich, die Neuerwerbung komplett auseinander zu schrauben und neu aufzusetzen. Müller hat für seinen Fendt-Diesel drei Jahre gebraucht.

„Das Problem waren die Ersatzteile“, erzählt Müller. Aber dank der guten Vernetzung der Vereine untereinander und vieler Helfer gelang es. In acht Jahren lassen sich viele Freundschaften knüpfen – so lange bestehen die Schlepperfreunde bereits.

Bulldog in Orange
Damals mit 16 Jahren durften die Initiatoren ihren Bulldogführerschein machen. Rasch kamen immer mehr Begeisterte dazu, erinnert sich Meer. Die Idee, ein eigenes Schleppertreffen ins Leben zu rufen, machte dann eine Vereinsgründung nötig. „Wir dachten uns, nach einem Jahr 50 Mitglieder zu haben, wäre cool.“ Nach jetzt fast zwei Jahren sind es knapp unter hundert und 30 bis 40 Schlepper: „Das freut uns gscheit.“

Und es sind überwiegend junge Leute, auch aus den umliegenden Dörfern. Doch nicht nur vom Alter her heben sich die Reichenschwander ab: Sie haben Shirts, Polos, Jacken und Hemden mit ihrem Logo – einem Strichmännchen-Bulldog mit „Töff töff brumm brumm“ – in leuchtendem Orange bedrucken lassen. „Mit dem Spruch wurde ich sogar mal am Bratwurststand begrüßt“, verrät Schriftführerin Lisa Stengl.
„Wir fallen eigentlich immer auf“, bringt es Vorsitzender Peter Meer auf den Punkt – positiv natürlich. Das werden die Reichenschwander Schlepperfreunde sicher auch am 3. September, wenn sie gemütlich und gut gelaunt mit ihren Raritäten nach Hersbruck tuckern.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch