Ehem. Landesbischof in Reichenschwand

Interview mit Johannes Friedrich

Der ehemalige Landesbischof Johannes Friedrich predigt am 21. Mai beim „GoSpecial“ in Reichenschwand. | Foto: privat2017/05/7925138.jpeg

REICHENSCHWAND – „Du hast mir gar nichts zu sagen“: Dieser klassische Satz eines trotzigen Kindes ist das Thema beim „GoSpecial“ am 21. Mai um 18 Uhr in der Reichenschwander Albanuskirche. Wer lässt sich von wem heute noch etwas sagen und vor allem: Was kann uns Gottes Wort mit auf den Weg geben? Darüber wird der ehemalige Landesbischof Johannes Friedrich in der Predigt sprechen.

„Du hast mir gar nichts zu sagen“ – Das dürfen sich oft Eltern anhören. Doch auch auf die Bibel passt das sehr gut: Für die meisten ist es nur ein Buch, mit dem sie nichts anfangen können. Was gibt Ihnen die Heilige Schrift?
Johannes Friedrich: Die Bibel hat mir sehr viel zu sagen, Sie hat mir insbesondere in belastenden Situationen geholfen, aber sie gibt mir auch immer wieder Orientierung für meine Lebensführung und für meine verschiedenen Ämter, die ich im Laufe meines Lebens bekleidet habe.

Wie könnte man den Menschen die Bibel gerade jetzt zum Reformationsjubiläum näher bringen? Ist die Lutherbibel 2017 ein Ansatz?
Ja und Nein. Ich finde unsere revidierte Lutherbibel ganz wunderbar und ich bin froh, dass wir an vielen Stellen den „Luther-Sound“ wiederhergestellt haben. Aber um sie zu lieben, muss man sie ein wenig kennen. Für alle, die zum ersten Mal in der Bibel lesen und insbesondere für junge Menschen, die es gewohnt sind, Digitales zu lesen, ist die Basisbibel viel geeigneter. Ich bin froh, dass wir – also die Deutsche Bibelgesellschaft – dieses Werk auflegen, das sich in besonderer Weise an die wendet, die im digitalen Zeitalter aufwachsen. Die sprachliche Struktur muss darum unmittelbar überschaubar und eingängig sein. Es gibt keine langatmigen Schachtelsätze und keine umständlichen Erklärungen. Und es darf nur 16 Wörter im Satz und nur einen Nebensatz geben. Damit ist die Basisbibel gerade an schwierigen Stellen etwa der Paulusbriefe viel besser zu verstehen als unsere schöne Lutherübersetzung.

Wie wichtig ist das Wort in unserer Gesellschaft, die von Medien aller Art geprägt, ja überflutet wird, eigentlich noch?
Ich glaube, es ist wichtiger denn je. In einer Zeit, in der „Fake News“ immer häufiger werden, ist es wichtig, dass Worte auch geglaubt werden können, dass man Worten vertrauen kann. Und welchen kann man mehr vertrauen als denen der Bibel, als dem Wort Gottes?

Wie würden Sie das Ereignis der Reformation in Worte fassen?
Die neue Entdeckung, dass wir Menschen nicht aufgrund unserer Leistungen, sondern rein aus Gnade von Gott geliebt sind und deshalb fröhlich unser Werk tun können.

Kann von diesen Feierlichkeiten ein Impuls ausgehen für die evangelische oder beide Kirchen?
Ja. Es zeigt sich, dass die Vorsitzenden der beiden obersten Gremien, der römisch-katholischen Kirche in Deutschland, Kardinal Marx, und der evangelischen Kirche, Landesbischof Bedford-Strohm, an vielen Stellen dieses Jahr nutzen, um zumindest in Deutschland, von wo die Spaltung ja ausging, nun auch den Annäherungsprozess voranzubringen. Wobei niemand Angst haben muss, dass das eigene Profil deshalb verloren geht. Bedford-Strohm hat dies ausdrücklich mehrfach betont, dass das Ziel nicht eine Einheitskirche sein kann, sondern ein Miteinander in „versöhnter Verschiedenheit“.

Wird das Wort Gottes im Multimedia-Zeitalter untergehen?
Das Wort und das Wort Gottes – sie werden bestimmt nicht untergehen. Aber wir müssen uns immer wieder neu darum bemühen und wir müssen mit den Mitteln, die die Menschen heute erreichen, alles tun, damit sie merken, wie wichtig das Wort Gottes für ihr Leben ist. Darum arbeiten wir zum Beispiel an der Basisbibel.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch