Landkreis erarbeitet Mobilitätskonzept

Rad soll Verkehrsmittel für den Alltag werden

Gute Beschilderung ist ein wichtiger Punkt für viele Fahrradfahrer im Nürnberger Land. Außerdem endeten noch immer zu viele Radwege an den Ortseingängen, so ein Kritikpunkt bei dem ersten Bürgerforum. | Foto: Trykowski2018/05/Radwegekonzept-nurnberger-land-Radverkehr_17T4-symbolfoto_Florian_Trykowski.jpg

NÜRNBERGER LAND — Noch müssen Radfahrer aus dem Nürnberger Land stark sein, wenn sie Bilder aus Kopenhagen sehen. In Dänemarks Hauptstadt gehören nicht nur gut ausgebaute Radwege mit Spuren so breit wie eine deutsche Landstraße zum Straßenbild. An speziellen Haltestangen vor Ampeln können Radfahrer sogar die Rotphase abwarten, ohne absteigen zu müssen. Doch solche Vorzüge sollen bald auch im Landkreis zum Alltag gehören. Dafür wird ein sogenanntes Radverkehrskonzept erstellt.

Das Besondere: Alle sind eingeladen, sich bei Bürgerforen und über ein eigens eingerichtetes Onlineportal in die Gestaltung dieses Konzepts einzubringen. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die Fragen, was getan werden muss, um mehr Menschen jeden Alters zum Umstieg auf das Fahrrad zu bewegen, und wie eine gute Radverkehrsinfrastruktur aussieht. Der Startschuss fiel mit einer Auftaktveranstaltung im Laufer Rathaus Anfang Mai.

„Bequem und sicher mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, ist Lebensqualität. Ein solches Konzept ist deshalb wichtig, um die Weichen für die nächsten Jahrzehnte zu stellen“, sagte der stellvertretende Landrat Norbert Reh bei dieser Gelegenheit. Der Kreistag habe beschlossen, das bisher eher freizeitorientierte Radwegekonzept in ein modernes, alltagstaugliches Verkehrskonzept zu überführen. Laufs Bürgermeister Benedikt Bis­ping: „Es geht längst nicht mehr nur um die Frage, welcher Weg wohin gebaut wird. Wir müssen allen Anforderungen gerecht werden, egal ob es sich um den Freizeitfahrer handelt, den Touristen oder den Arbeitnehmer, der den Weg zum Büro mit dem Rad zurücklegen möchte.“ Für ihn ist das Fahrrad „das Transportmittel der Zukunft im Wettbewerb mit der Bahn“.

Bald Fahrradschnellstraßen?

Dass es für eine funktionierende Fahrradinfrastruktur mehr als breite und komfortable Fahrradwege und abgesenkte Bordsteine braucht, machte Thiemo Graf deutlich. In seinem Eröffnungsvortrag gab der Geschäftsführer des vom Landkreis beauftragten Instituts „i.n.s.“ Anregungen für erfolgreiche Konzepte: „Natürlich ist infolge der stetigen Zunahme des Radverkehrs und der immer höheren Geschwindigkeiten allen voran ein gut ausgebautes und beschildertes Routennetz bis hin zu Fahrradschnellstraßen nötig. Genauso muss aber auch die Frage in den Blick genommen werden, welche der sich bietenden vielfältigen innovativen Möglichkeiten wir für den Landkreis als sinnvoll erachten.“

An entsprechenden Ideen mangelt es nicht. Vom Angebot, sich in kleinen Arbeitsgruppen aus verschiedenen Perspektiven damit auseinanderzusetzen, wie Fahrradfahren attraktiver und sicherer werden kann, machten die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung in Lauf rege Gebrauch. Entscheidend sei es, ein umfassendes Fahrradstellplatzkonzept zu entwickeln, so der Befund der Beteiligten. Gerade an zentralen Stellen – wie zum Beispiel Bahnhöfen – sei dies von Bedeutung, weil die meisten Menschen nur kurze Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen wollten. Auch die Forderung nach einem fahrradfreundlicheren Tarif im öffentlichen Personennahverkehr wurde laut. Auf diese Weise könnte das Einzugsgebiet von Haltestellen erweitert werden.

In puncto Service gelte es, Servicestationen zur Erledigung kleinerer Reparaturen einzurichten, genauso wie Ladestationen für E-Bikes. Außerdem, so die Forderung, brauche es Schließanlagen an zentralen Stellen wie dem Laufer Marktplatz, um getätigte Einkäufe zwischen dem Besuch von zwei Läden sicher verstauen zu können.

Lückenschluss Lauf–Altdorf

Kritik gab es an der aus Sicht der Bürger noch unzureichenden Beschilderung und an teils zu vielen Schlaglöchern auf der Fahrbahn. Darüber hinaus müsse ein Fokus des neuen Radverkehrskonzepts der Lückenschluss sein: Noch immer endeten zu viele Radwege im Landkreis an den Ortseingängen. Eine durchgängige Verbindung zwischen Altdorf und Lauf sei gerade für Pendler wichtig, um sie zum Umsteigen auf das Fahrrad zu bewegen.

Und auch die Sicherheit stand im Fokus der Diskussion. Das eine: die klare Trennung von Fuß- und Radwegen zur Vermeidung von Unfällen. Das andere: die Entschärfung von für Radfahrer gefährlichen Einmündungen, etwa in Rückersdorf an der Abzweigung nach Röthenbach. Sogar Fahrradtrainings für Jung und Alt sowie für Autofahrer im Umgang mit Radfahrern wurden angeregt.

Es gibt viel zu tun für die „Steuerungsgruppe“, die mit der Umsetzung des Konzepts befasst sein wird, wenn dieses im kommenden Jahr feststeht. Für Thiemo Graf ist damit ein Ziel verbunden: „Wir wollen mit dieser Form der Bürgerbeteiligung die Grundlage schaffen, damit im Landkreis in Zukunft mehr Menschen zwischen acht und 80 Jahren mit einem Lächeln auf das Rad steigen und sich komfortabel und sicher damit bewegen können.“

Und wer weiß, vielleicht blickt man irgendwann in der dänischen Hauptstadt sogar neidisch auf Bilder aus dem Nürnberger Land.

Eigene Ideen und Anregungen, um das Fahrradfahren im Nürnberger Land attraktiver und sicherer zu gestalten, können bis zum 30. Juli über das Onlineportal www.von8bis80.de eingebracht werden. Zwei weitere Bürgerforen finden im östlichen Landkreis – am Donnerstag, 14. Juni, um 19 Uhr im Veldener Rathaus – und im südlichen Landkreis – hier wird der Termin noch bekannt gegeben – statt.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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