Premiere in der Laufer Glückserei

Praktische Anleitung zum Lachen

Gut gelaunt und stets positiv: Andrea Lipka in ihrem neuen Kabarettprogramm. | Foto: Dorn2018/01/Lipka-die-Wuhlmaus-Frau.jpg

LAUF — Schnell, bevor das Jahr zu Ende geht und die Raunächte ihrem Höhepunkt zustreben, noch eine Premiere in der „Glückserei“. Schnell? Lieber mit Bedacht! Andrea Lipka, wie gewohnt mit eingeschaltetem, aber gut herab geregeltem Turbo, konzentriert und mit kaum spürbarem Lampenfieber, steht bei ihrer immerhin schon 42. Eigenproduktion an diesem Abend vor einem vollen Haus.

„Lach doch, was Du willst“ heißt das Stück, selbst geschrieben (bis auf drei Couplets von Otto Reutter und einen Text von Hoffmann von Fallersleben), selbst arrangiert und von ihr selbst in Szene gesetzt.

Die Musik dazu hat Michael Burzlauer komponiert, und so präsentieren sich die mindestens 90 Jahre alten Liedtexte in einem frischen, dynamischen Gewand, das den immer noch aktuellen Inhalten wie maßgeschneidert sitzt.

Lipka kommt im kleinen Schwarzen auf die Bühne, wirkt in ihrer Gestik und der ausdrucksstarken Mimik ein bisschen wie Marilyn Monroe, kokettiert mit dem Publikum, sinniert dem Lauf der Zeit nach und klopft all die fiesen kleinen Stolpersteine auf der alltäglichen Hetze durch das Leben fest.

Ob sie sich in eine „Wühl“maus verwandelt, die über all die eingebildeten Anforderungen aus der Umwelt zum Mausschweinchenhamster im dazugehörigen Rad mutiert, ob aus ihr die Putzfrau Elfriede Rumpler wird, die ihren Geschlechtsgenossinnen ebenso wie den Männern den Eulenspiegel vorhält oder ob sie als das kleine Moppelchen auftritt, das mit ihren Pfunden kämpft – der Wiedererkennungswert ist hoch, die Identifikation gelingt mühelos, und Lipka hat das Lachen und die Lacher auf ihrer Seite. Die Kabarettistin, das weiß das in mehreren Premieren erfahrene Publikum, will mehr als unterhalten. Lachen ist zwar ihre Lieblingsmedizin, aber die reicht ihr nicht aus.

Pfiffig verpackte Lebensweisheiten, amüsante Beispiele aus dem richtigen Leben und immer wieder die Munter- und Mutmacher – so packt sie ihr Publikum bei der Nase, ohne es daran herumzuführen.

Eine Kunst des Kabaretts, ernstes Nachdenken in unterhaltsamer Form zu präsentieren, lachend die grauen Zellen zum Nachdenken zu bewegen, das gelingt Lipka an diesem Premierenabend. Selbst der alltägliche Ehewahnsinn lässt sich – ebenfalls überwiegend aus weiblicher Sicht – mit Lachen verbinden ohne lächerlich zu werden.

Sätzen wie „ich wollte, ich wäre ein Stuhl – der muss auch mit jedem Arsch zurechtkommen“ oder „wer davon träumt, wie schön es wäre, eine Prinzessin zu sein, soll sich ein Bild von Prinz Charles an die Wand pinnen“ ist kaum etwas hinzuzufügen. Lipka kann – und will – die Lachyoga- und Mentaltrainerin weder verhehlen noch verstecken. Immer wieder postuliert sie ein positives Selbst- und daran anknüpfend ein ebenso tolerantes Fremdbild, appelliert an die Selbstheilungskräfte des befreienden Lachens und an ein Lösen von der „Musseritis“, an das Hinterfragen von Rollenbildern und -erwartungen.

Ihr Premierenpublikum hat sie jedenfalls eingefangen; es klatscht zum Rhythmus des titelgebenden Schlussliedes „Lach doch was Du willst“ kräftig mit und leitet dann gleich über zu einem langen Schlussapplaus. So eingestimmt, lacht man dem neuen Jahr ins Gesicht – und hofft, dass der Schwung noch lange vorhält.

N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn