Philipp von Münster im Trainerstab bei Esteghlal Teheran

Traumjob bei einer Trainerlegende

Lernen von einer Legende: Philipp von Münster gehört seit Saisonbeginn zum Trainerstab von Winnie Schäfer beim aktuellen iranischen Pokalsieger und Kultklub Esteghlal Teheran. | Foto: M. Ahmadzade2018/08/bild1_edit.jpeg

TEHERAN – Er lebt derzeit seinen großen Traum: Philipp von Münster – vielen noch als pfeilschneller Leichtathlet und Fußballer des SC Eschenbach, SC Pommelsbrunn und SV Schwaig II geläufig – ist von Trainerlegende Winnie Schäfer als Fitnesscoach in seinen Betreuerstab beim iranischen Kultverein Esteghlal Teheran geholt worden.

Davon wagte Philipp von Münster bis vor ein paar Wochen nicht einmal zu träumen: Am Montag stand der 29-Jährige auf demselben Platz wie Barca-Ikone Xavi und Gabi, der mit den „Colchoneros“ von Atletico Madrid 2014 und 2016 erst im Finale der Champions League am Stadtrivalen Real gescheitert war. Ein großer Fußballabend im mal wieder mit 100.000 frenetischen Fans gefüllten Azadi-Stadion – nur das Happy-End fehlte, unterlagen die Gastgeber Xavi und seinem Al Sadd FC aus Katar im Viertelfinalhinspiel der asiatischen Champions League doch mit 1:3. „Unnötige Niederlage, wir stehen massiv unter Druck“, schrieb der gebürtige Eschenbacher der HZ.

Schließlich ist Erfolg so etwas wie der „zweite Vorname“ des Klubs aus der iranischen Hauptstadt – acht Meistertitel, sechs Pokalsiege und zwei Triumphe in der AFC Champions League machen ihn zu einem der erfolgreichsten und populärsten Klubs des Landes und des Kontinents. Und ausgerechnet dorthin verschlägt es einen Kicker aus dem Hersbrucker Umland?

Networking und eine Prise Glück

Der „Traumjob“ ist Ergebnis langjähriger, konzentrierter Arbeit, intensiven „Networkings“ – und einer Prise Glück. Neben seiner aktiven Kickerkarriere in der Kreisklasse machte sich der Sportmitarbeiter der Hersbrucker Zeitung einen guten Namen als Trainer im Olympiastützpunkt Fürth und im Nachwuchsleistungszentrum des 1. FC Nürnberg. Vor acht Jahren stieg er bei der Firma PSC Physiotherapie & Training des renommierten Fitnesstrainers Norbert Hauenstein ein. Der legte in seinen zwölf Jahren beim deutschen Branchenprimus Bayern München die konditionellen Grundlagen für sechs Meistertitel und drei Pokalsiege sowie den Gewinn des UEFA-Cups und der Champions League. „Eine Koryphäe und so etwas wie ein Mentor für mich“, sagt von Münster.

Und über ihn kam schließlich auch der Kontakt mit Winnie Schäfer zustande, der im Oktober 2017 Esteghlal Teheran übernommen hatte und für die laufende Saison einen ausgebildeten Athletiktrainer suchte. Auf Empfehlung von Hauenstein nahm er den Eschenbacher unter Vertrag – zunächst nur für zwei Wochen in Teheran und das anschließende Trainingslager in der Türkei. Doch nach vier Wochen Arbeit mit seinen neuen Schützlingen „waren sich Trainerteam und Mannschaft einig, dass sie gerne mit mir weiter arbeiten wollen“, erzählt der 29-Jährige.

Wie sehr, wurde ihm bei der Rückkehr nach Teheran deutlich: Da ging das gesamte Team geschlossen zu Esteghlal-Präsident Reza Eftekhari und Teammanager Nasrollah Abdollahi und setzte sich für seine Verlängerung ein – darunter auch die drei WM-Fahrer Roozbeh Cheshmi, Pejman Montazeri und Voria Ghafuri.
Nach Rücksprache mit seinen Mitarbeitern bei PSC war dann klar: Die Kollegen geben ihrem Geschäftsführer „grünes Licht“ und der Eschenbacher darf sich mit Volldampf in das Abenteuer Teheran stürzen.

Vielfältige Aufgaben

„Mein Aufgabenbereich hier ist vielfältig“, sagt von Münster. In der Vorbereitung habe der Schwerpunkt in den zwölf Trainingseinheiten pro Woche auf Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und weiteren leistungsrelevanten Eigenschaften gelegen. Jetzt während der Saison liegt der Fokus eher auf anderen Bereichen: Verletzungen vermeiden, Training richtig steuern und zielgenaue, individuelle Übungen für die Profis, die noch Rückstand haben.

Daneben ist er mit dem medizinischen Team auch für die Rehabilitation der verletzten Spieler verantwortlich. „Die medizinische und therapeutische Versorgung ist hier hervorragend“, sagt er. Gleiches gilt für die gesamte Trainingsplanung, die Regeneration nach Spielen und Leistungsdiagnostiken. „Wir arbeiten hier im absoluten Hochleistungsbereich und es wird an allen Schrauben gedreht, um die Jungs auf ein Top-Level zu bringen – ein Traum für jeden professionellen Trainer“, schwärmt der Eschenbacher, der mit seinen 29 Lenzen einer der jüngsten Coaches auf diesem Niveau ist. „Viele Spieler sind älter“, kommentiert er mit einem Augenzwinkern.

Durchwachsener Start

Trotz der konsequenten Vorbereitung verlief der Saisonstart für „die Blauen“ alles andere als wunschgemäß: Nur sechs Punkte stehen nach den bisherigen fünf Spielen auf dem Konto, zu wenig für die hohen Ansprüche des Meisters von 2013 und dessen rund 40 Millionen Fans, die ihren Verein fanatisch lieben. „Esteghlal ist für die Menschen hier nicht einfach nur ein Verein. Geschichte, Politik und Revolution vereint die Fans auf eine unglaubliche Art und Weise“, sagt von Münster. Viele Anhänger erkennen den deutschen Fitnesscoach und wollen Selfies mit ihm schießen oder Autogramme.

Auch in der 15-Millionen-Metropole Teheran hat sich der Eschenbacher inzwischen gut eingelebt und die dortige Kultur schon kennenlernen dürfen. „Es ist ein unglaublich warmherziges Land mit wahnsinnig netten Menschen. Ich lebe hier sehr sicher und man braucht sich keine Sorgen machen. Ich bin ohne Vorurteile angereist und wurde bisher nur positiv überrascht“, sagt Philipp von Münster. Fehlt also nur noch das richtige Ergebnis im Rückspiel gegen Xavi und Co., um sein Glück im Iran perfekt zu machen.

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta