Auftritt im Markgrafensaal

Kabarettist Michael Altinger lässt die Lachtränen fließen

Michael Altinger versucht sich als „Königin der Nacht“ mit Begleitung von Einmannband Martin Julius Faber (links). | Foto: S. Baderschneider2018/10/MichaelAltinger-6716.jpg

HOHENSTADT – Der Kulturverein Hohenstadt hat auch in diesem Jahr einen Kabarettisten von Rang auf die Bühne des Markgrafensaals gebeten. Michael Altinger, bekannt aus dem „Schlachthof“ und dem „Vereinsheim Schwabing“, klärte in seinem aktuellen Programm „Hell“ das Publikum über Verschwörungstheorien, Lichtgestalten und die Wahrheit über Gabionen auf.

Die Rahmenhandlung des Abends beschreibt Altingers Streben, immer das Richtige zu tun. Sei es bei der Abwicklung eines schwer aus dem Ruder gelaufenen Blechschadens oder angesichts der emotionalen Belastungen, die eine gläserne Badezimmertür in einem so genannten Konzepthotel mit sich bringt. Mit vollem Körpereinsatz wirft Altinger sich den großen und kleinen Widrigkeiten des Alltags in den Weg – und wird gewöhnlich von ihnen überrollt.

16 Verschwörer
Das muss so sein, denn die Welt, so erklärt er, wird von exakt 16 Verschwörern regiert. Niemand wisse, wer sie sind (außer, dass Alexander Dobrindt sich beworben hat). Nur einen hat Altinger durch unermüdliche Recherche in den finsteren Tiefen des Dark-net aufgespürt: Hellmut Lux. Erfinder von Stand-up-Paddling, grünen Smoothies und Gabionen (und natürlich gläsernen Badezimmertüren). Dieser postmoderne Megaschurke agiert aus dem Untergrund und diktiert der Menschheit, was sie nicht braucht, aber unbedingt haben will. Und schon ist man drin, in der ganz privaten Hölle.

Für jemanden, dessen emotionale Heimat in Strunzenöd liegt, ist die Welt da draußen ein gefährlicher Ort, das Anliegen zu einer Lichtgestalt zu werden, ist dementsprechend schwierig. Auch, wenn man Versicherungsbetrug ablehnt, den Blechschaden am gegnerischen Maserati gerne auf die eigene Kappe nimmt und nach gepflegter Demolierung des eigenen Wagens in einem Anfall von Güte ein gemeinsames Grillen mit dem Unfallgegner verabredet. Aber der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert und diese guten Vorsätze werden im Verlauf des Abends gemeinsam mit Kants kategorischem Imperativ genüsslich demontiert.

Was bleibt, ist die Hölle, die laut Altinger wie ein Baumarkt ist: Ein ewiges Irren durch lange Gänge in denen niemand ist, der weiterhelfen kann. Sogar die Leiden des Prometheus verblassen vor diesem Schicksal.

Altinger lieferte im Markgrafensaal eine grandiose Show mit viel Körper- und Stimmeinsatz. Auch wenn einiges im Programm einfach grober Unfug war, war es doch ziemlich witziger grober Unfug, der das Publikum mehrfach zu Lachtränen anstachelte. Und es war natürlich nur ein Zufall, dass der Song über die Aperol-Spritz-Tussi gleich nach der Pause kam — während der reichlich Aperol Spritz ausgeschenkt wurde.

Mit stoischer Mine
Michael Altinger servierte einen rundum gelungenen Abend im leider nicht ganz ausverkauften Markgrafensaal. Nicht mal der temporäre Ausfall der Bühnenscheinwerfer brachte ihn aus dem Konzept. Die Zeit, bis es wieder hell wurde, überbrückte er mit einem Witz über die „Pinguin-Stellung“ frei nach Ally McBeal. Stets unterstützt von seinem musikalischen Sidekick und langjährigen Bühnengefährten Martin Julius Faber, der mit bewundernswert stoischer Mine die energiegeladenen Explosionen Altingers über sich ergehen ließ.

Und auch, wenn die Rache-Arie vielleicht noch etwas Arbeit braucht – Altinger überzeugt auch als Sänger. Letztendlich fügte sich zum Ende alles zum Guten, und wenn Hellmut Lux zum Grillen kommt, dann wird es vielleicht auch in der Hölle hell.

N-Land Susanne Baderschneider
Susanne Baderschneider