Zahlungssystem für E-Autos

Aufladen per SMS

In Reichenschwand muss künftig gezahlt werden. | Foto: A. Pitsch2017/08/8362572.jpeg

REICHENSCHWAND/POMMELSBRUNN – Die süße Zeit für Besitzer von Elektro-Autos ist vorbei. Bislang konnten diese ihre Fahrzeuge an Ladesäulen in Reichenschwand und Pommelsbrunn kostenlos mit Energie versorgen. Damit ist ab 1. September Schluss: Der Ladeverbund Franken+ führt an allen der derzeit 160 integrierten Ladesäulen der N-Ergie ein einheitliches Zugangs- und Zahlungssystem ein.

„Das Bezahlsystem hat eine steuernde Wirkung und soll die Verfügbarkeit der Ladestationen erhöhen“, erklärt der Koordinator des Ladeverbunds, Markus Rützel von der solid GmbH. Denn die Säulen seien oft von Wagen mit vollem Akku blockiert. Die vergangenen beiden Jahre war das Laden kostenlos, „um den Erwerb von Elektrofahrzeugen auch ohne staatliche Förderung in der Region voranzutreiben“.
Laut Rützel müssen Nutzer aber keine Angst vor einem großem Preissprung haben: „Der Normaltarif ist günstiger als der Wettbewerb und der ermäßigte Tarif ist ungefähr mit dem Laden zu Hause vergleichbar.“ Denn die Tarife sind nach wie vor von den Ladesäulenbetreibern subventioniert, erklärt er.

Das neue System wurde innerhalb einer mehrmonatigen Pilotphase seit Jahresbeginn intensiv getestet und weiterentwickelt. Der Zugang zu den Ladepunkten erfolgt über ein beliebiges Mobiltelefon und den Versand einer SMS. Die entstehenden Kosten für den Ladevorgang werden in der Regel mit der Mobilfunkrechnung, auf Wunsch auch über Kreditkarte oder Lastschriftverfahren abgebucht. Vom Zugang über das Handy profitieren zum Beispiel Durchreisende, die zum Laden ihres Elektroautos keine gesonderte Karte benötigen.

Zusätzlich zu dem „SMS-Laden“, das grundsätzlich dem in vielen Großstädten verbreiteten „SMS-Parken“ ähnelt, bietet der Ladeverbund etliche weitere Zugangsmöglichkeiten zu seinen Ladesäulen an. So können auch die Nutzer von Ladekarten und Apps vieler anderer Fahrstromanbieter hier ihre Akkus aufladen.

Zeit und Leistung
Das Laden an den Ladesäulen im Ladeverbund Franken+ wird grundsätzlich nach Zeit abgerechnet. Die Nutzer zahlen pro begonnener Viertelstunde. Die durchschnittliche Ladeleistung bestimmt den Tarif. „Damit werden auch externe Einflüsse, wie Witterung, Akkuladezustand des Fahrzeugs, Ladeschwankungen des Fahrzeugs, zu Gunsten des Kunden berücksichtigt“, erläutert Rützel.

Und noch ein Problem soll mit Hilfe dreier Klassen und Tarife gelöst werden: die Leistung des angeschlossenen Fahrzeugs. Damit wird berücksichtigt, dass zahlreiche der derzeit verbreiteten Elektroautos die an den Ladesäulen zur Verfügung stehende Leistung von 22 Kilowatt nicht voll ausschöpfen können. „Die Spanne reicht von drei bis 22 kW“, weiß Rützel.

Wer Stromkunde eines der 43 Ladeverbundmitglieder ist, bekommt den Strom zum ermäßigten Tarif, so der Projektkoordinator. Und noch etwas haben sich die Experten ausgedacht, einen sogenannten „Nicht-Laden-Tarif“: Mit der Gebühr für das Blockieren einer Ladesäule mit einem vollständig geladenen Fahrzeug sollen Fahrer von Elektroautos dazu motiviert werden, ihren Platz nach Abschluss der Ladung möglichst schnell wieder für andere Fahrer freizugeben. „Die Preise hierfür orientieren sich an den ortsüblichen Parktarifen.“

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch