PZ-Leserreise führte erneut ins Limousin

Pilger, Trüffel, Höhlenbilder

Die PZ-Reisegruppe in der „Allee de Lauf an der Pegnitz“ in Brive. Foto: Brandmüller2017/05/P1020001.jpg

Ein wenig verregnet zwar, aber nicht minder schön war die PZ-Leserreise ins Limousin samt Laufs Partnerstadt Brive-la-Gaillarde. PZ-Mitarbeiter Vinzenz R. Dorn war dabei und berichtet von der wunderschönen Landschaft, dem leckeren Essen und besonderen Erlebnissen:
Zu meiner Konfirmation 1963 bekam ich einen ziemlich dicken Wälzer, in dem allgemein verständlich und reich bebildert die Entwicklung des Menschen dargestellt war. Den Umschlag zierte ein Bild aus der Höhle von Lascaux, die im gleichen Jahr für Besucher geschlossen wurde. Das Buch fasziniert mich noch heute, ganz besonders das Rätsel der Malereien von Lascaux.
Das Rätsel ist immer noch nicht gelöst, aber seit über 30 Jahren gibt es eine sechstägige Leserreise der PZ in die Landschaft, die die Höhle beherbergt, dazu weitere interessante kulturelle, historische und landschaftliche Anreize für neugierige Menschen wie meine Frau und mich – und offensichtlich eine größere Zahl weiterer Mitreisender.
Konzipiert, in ihrer Struktur angelegt und lange Jahre begleitet hat die Reise Franz Brandmüller, der 2016 verstorbene Mitherausgeber der PZ. Seine Tochter Barbara hat auch bezüglich dieser Reise sein Erbe angetreten, und organisiert und leitet zusammen mit Ehemann Jörg Deistler die Erlebnistour mit viel Elan, Verve und Enthusiasmus. Abwechselnd, manchmal auch in fröhlichem Streitgespräch, beschreiben sie wohldosiert und präzise interessante Details am Wegesrand ebenso wie die Quintessenz der angefahrenen Besichtigungen.
Doch vor den Genuss haben auch die Götter Frankreichs die Mühe in Gestalt eines ausdauernden Sitzfleischs gestellt. Von Lauf bis in die Nähe der Partnerstadt Brive in Südwestfrankreich fährt der Bus mit wenigen Pausen knapp 14 Stunden.
Gestartet mit der aufgehenden Sonne, zeigt uns Petrus bei der Ankunft in Aubazine – unserem Domizil während der Tour – und für die nächsten beiden Tage die kalte Schulter. Es ist recht kühl und regnerisch für Anfang Mai. Doch unsere ungebrochen gute Laune wird denn auch belohnt. Am vierten Tag weckt uns ein vorwitziger Sonnenstrahl, und von da an bleibt es schön und auch wärmer.
Schon die Unterkunft gibt einen Ausblick auf das, was uns während des Aufenthalts erwartet: Eine zum Hotel umgebaute Pilgerherberge, ein wuchtiges, ehrfurchtgebietendes Gebäude und Teil eines Zisterzienserklosters aus dem zwölften Jahrhundert. Das Abendessen gestaltet sich delikat als wohlschmeckender Einstieg in französische Gastlichkeit, dessen Niveau für die kommenden Tage reichlich Gaumenfreuden verspricht, unterstützt durch das rustikale Ambiente des Speiseraums, der mehr an einen Rittersaal erinnert als an ein mönchisches Refektorium.
Üppige Natur
Schon nach der Überquerung des Rheins fällt auf: Die Landschaft in Frankreich unterscheidet sich im Bewuchs deutlich von Deutschland. Da es kaum Holzwirtschaft gibt, wächst der Wald weitgehend sich selbst überlassen, Nadelbäume sind selten. So wechseln sich im frischen Grün stehende Laubwälder ab mit Ackerland und weiten Wiesen, auf denen Kühe grasen.
Es ist ein geschichtsträchtiger Boden, auf dem wir uns vier Tage lang bewegen. Manche der Dörfer und kleinen Städtchen wirken wie aus der Zeit gefallen, wie im Mittelalter verharrt. Einerseits beschaulich wie das Dorf Collonges la Rouge, wo der rote Buntsandstein namensgebend war, oder verträumt wie Loubressac mit seinen verwinkelten Gässchen.
Kriegerische Auseinandersetzungen, hauptsächlich mit England, wirken immer noch nach in den trutzigen Befestigungen von Orten wie Domme, das einen wunderbaren Ausblick auf die Landschaft an der Dordogne bietet, oder Turenne, das schon im achten Jahrhundert bestand.
Immer wieder wandeln wir auf den Pfaden des Jakobswegs, im stillen Collonges la Rouge wie im beeindruckenden Rocamadour mit seiner hoch auf schroffem Fels stehenden Wallfahrtskirche. Auch das angebliche Schwert Rolands ist hier zu bewundern, das der Held mit Schwung in den Fels getrieben haben soll. Die wuchtigen Kirchen von Souillac mit der Figur des „tanzenden Jesaja“ und von Beaulieu mit dem mächtigen Relief über dem Portal vermitteln über die Jahrhunderte hinweg einen tiefen Eindruck von der Baukunst, aber auch der Wehrhaftigkeit dieser Kirchen.
Ein Rundgang durch Brive zeigt ergänzend dazu den schwierigen Übergang einer mittelalterlichen zu einer modernen Stadt. Frohgemuter Höhepunkt ist der Besuch der Destillerie Denoix, wo neben gaumenkitzelndem Hochprozentigem auch ein fein abgestimmter violetter Senf probiert wird.
Aber auch die landschaftlichen Eindrücke kommen nicht zu kurz. Das Picknick am verträumten Ufer der gemächlich fließenden Dordogne, typisch französisch mit Rotwein und Baguette und einem sonnendurchfluteten Blick auf die Burg von Beynac, wird jäh von einem Platzregen gestört.
Eine sportliche Herausforderung ist der Abstieg auf 455 Treppenstufen in den Bauch der Erde und anschließend eine Bootsfahrt auf einem unterirdischen Fluss in der Tropfsteinhöhle mit dem martialischen Namen „Schlund von Padirac“. Eine märchenhafte Landschaft, nur von Scheinwerfern aus dem ewigen Dunkel gehoben, tut sich den staunenden Besuchern auf. Infolge des oberirdischen Regens tropft es hier unten ebenfalls ordentlich. Dem mühevollen Aufstieg über die Treppen entziehen sich viele mittels des bequemeren Aufzugs.
Es wird och einmal aufgestiegen, und zwar zum „Canal des Moines“, einem etwa drei Kilometer langen Kanal, mit dem das Wasser eines Bachs zum Kloster geleitet wurde. Ein wunderschöner Spaziergang durch die grünende Natur über dem Dorf Aubazine.
Faszinierendes Lascaux
Dann endlich die Erfüllung meines langjährigen Reisewunsches – Lascaux. Natürlich nicht die Originalhöhle, sondern ein exaktes Abbild mit dem nüchternen Titel Lascaux IV. Ein modernes Gebäude beherbergt den Nachbau, durch den sachkundig auch auf Deutsch geführt wird. Die Malereien, (im Original) immerhin vor 17 000 Jahren auf Höhlenwänden und –decke angebracht, erstaunen ob ihrer perspektivischen und künstlerischen Darstellung. Die Stiere, Hirsche und Pferde scheinen in Bewegung erstarrt, vor einem unsichtbaren Jäger fliehend. Filme und Anschauungsmaterial ergänzen den intensiven Eindruck, den die Höhle hinterlässt.
Eine entspannte Besichtigung der mittelalterlichen Stadt Martel, auch Trüffelstadt“ genannt, gibt uns Zeit, das monumentale Lascaux zu verarbeiten. Die anschließende Fahrt mit dem „Trüffelzug“ über dem Tal der Dordogne, in halboffenem Wagen aus dem Jahr 1937, trägt dazu bei, den erlebnisreichen Tag beschaulich und fröhlich abzurunden. Nach dem Abendessen bieten uns Mitglieder eines historischen Vereins traditionelle Tänze des Limousin, so amüsant und lustig in Szene gesetzt, dass selbst kritische Geister ihre Freude haben. Sie beschließen den Aufenthalt in Frankreich.
Die 14 Stunden Rückfahrt bringen uns dank Busfahrer Marek, der uns ebenso souverän und mit Humor sicher durch die Gegend kutschiert hatte, aufgekratzt und glatt zurück nach Deutschland. Das volle und dennoch ruhig absolvierte Programm bietet zudem genügend Möglichkeit, sich über das Erlebte auszutauschen. Da wird die Zeit nicht lang, und bestimmt wirken bei allen Teilnehmern die Eindrücke noch lange nach.

N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn