Chiemgauer Volkstheater in Röthenbach

Pech im Spiel, Glück in der Liebe – oder?

Wer liebt wen und warum und wer kriegt sich am Ende? Das Chiemgauer Volkstheater hält die Spannung bis zum Schluss. | Foto: Dorn2018/01/KartlbauerChiemgau.jpg

RÖTHENBACH — Volkstheater folgt meist ähnlichen Strickmustern mit Irrungen und Wirrungen, einer Krise und der glücklichen Auflösung, dazu kommen volkstümliche Sprache und pfiffige Wortspiele. Das Faszinierende daran ist, dass es immer wieder amüsiert und köstliche Stunden bereitet. „Der Kartlbauer“, den das Chiemgauer Volkstheater in der Karl-Diehl-Halle in Röthenbach aufgeführt hat, entspricht diesen Erwartungen voll und hebt sich mit überraschenden Wendungen und professionellem Spiel angenehm aus dem Genre heraus.

In der Karl-Diehl-Halle sitzt ein hörbar in Volksstücken erfahrenes Publikum, das bereits beim Auftaktmarsch rhythmisch mitklatscht. Es soll nicht enttäuscht werden; die Komödie, die sich um einen Bauern dreht, der erst sein eigenes und dann das Glück dreier weiterer nahestehender Personen verspielt, reizt die Möglichkeiten eines solchen Schwanks voll aus.

Wie oft, ist es ein Stück um Liebesschmerz und Weiberlist, doch am Ende hat auch der kartenspielende Bauer einen kleinen Trick auf Lager, um die verfahrene Situation zwar unelegant, aber effektiv zu seinen Gunsten und einem vergnüglichen Happy-End zu bringen. Da ist dann auch die listige Schmeichelei des hinterfotzigen Verführers vergebens. Er wird ausgetrickst… mit der Wahrheit, was sonst? Mit dem „Kartlbauern“ hat Ralf Wallner, vielgespielter Autor volksnaher Theaterstücke, eine Komödie geschrieben, die weitgehend ohne Schenkelklopfer und abgeschmackte Kalauer auskommt.

Die arg gelichteten Reihen scheinen ganz überwiegend die treuen Fans des Volkstheaters zu sein, und heute kommen sie auf ihre Kosten. Es gibt im Fortschreiten des Stückes viele derbe, bäuerische Sprüche, zum Kichern animierenden Wortwitz und unverstellte grobe Worte, wo sie notwendig sind. Bis auf wenige Ungereimtheiten ist das Stück schlüssig, oberbayerisch temperamentvoll und reich an komischen, oft auch verblüffenden Wendungen.

Reichlicher Szenenapplaus belohnt gelungene Passagen sofort, genauso, wie es bei den tragischen Momenten mucksmäuschenstill bleibt; insofern interagiert der Zuschauerraum angemessen auf das jeweilige Bühnengeschehen.
Die da droben, die Akteure des Chiemgauer Volkstheaters, die spielen ihre Rollen mit der Souveränität professioneller Schauspielkunst, und natürlich auch auf dem tragfähigen Boden traditioneller Verbundenheit – Oberbayern und oberbayerische Folklore haben in den fränkischen Herzen einen festen Platz am inneren Stammtisch; die fränkisch-bayerische Frotzelei ist bei solchen Gelegenheiten auf Urlaub am Chiemsee.

Jürgen Vestner aus Behringersdorf ist mit Gattin und Freunden gekommen. Sie sind Fans der Chiemgauer, haben ihren Eintritt bezahlt und sitzen zwei Stühle neben Maren Dornauer und ihrem Mann aus Neunkirchen am Sand, die glückliche Gewinner zweier Freikarten sind. In der Bewertung der Komödie aber stimmen sie überein: „Ein schönes Stück, die Chiemgauer sind gut, wir lachen sehr viel, es ist echt kurzweilig, die Besetzung ist super!“

Als dann das doppelt trickreich herbeigeführte, glückliche Finale in den schmissigen Marsch der Ouvertüre übergeht, zeigt das Publikum wiederum seine musikalischen Qualitäten und zollt taktsicheren Beifall. Ein unterhaltsamer Kreis schließt sich.

N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn