Ein Dorf setzt auf Bio

Freudestrahlende Gesichter gab es bei Landrat Armin Kroder und Bürgermeister Georg Rauh bei der Grundsteinlegung.2010/09/5_2_1_2_20100902_BIO.jpg

BREITENBRUNN — In Breitenbrunn fand die Grundsteinlegung zum Bau des Kesselhauses einer Hackschnitzel-Gemeinschaftsanlage statt. Vor etwa zwei Jahren war bereits die Vision entstanden, eine gemeinschaftliche Hackschnitzelanlage zu errichten.

Durch die waldreiche Umgebung von Breitenbrunn und den technischen Fortschritt bei Nahwärmenetzen lag es nahe, die energetische Versorgung der Ortschaft neu zu gestalten. Konkretisiert wurde diese Idee dann von einer im November 2008 gegründeten Interessengemeinschaft, die sich wegen des im Frühjahr 2009 anstehenden Ausbaus der Dorfdurchfahrtsstraße von Anfang an einem großen Zeitdruck gegenüber sah.

Nur wenn die Wärmenetzverlegung mit dem bevorstehenden Straßenausbau kombiniert werden würde, wäre eine deutliche Kostenreduktion möglich, die die Realisierung des Projekts erst wirtschaftlich sinnvoll erscheinen ließ. Man traf sich fortan fast jeden Sonntagabend im örtlichen Gasthaus, um Ideen einzubringen, miteinander zu diskutieren und Besichtigungsfahrten zu bestehenden Biomasse-Heizanlagen im süddeutschen Raum abzustimmen.

Frank Rometsch, einer von fünf Geschäftsführern der Hackschnitzelanlage, begrüßte die anwesenden Ehrengäste Landrat Armin Kroder, Georg Hofrichter von der Energieagentur des Landratsamtes, Bürgermeister Georg Rauh, die anwesenden Gemeinderäte, Philipp Schröder und Gerd Christ vom Kessellieferanten Heizomat, von Enerpipe Martin Böckler, den ausführenden Architekten Werner Bär sowie Klaus Sperber von der Raiffeisenbank und die anwesenden Gesellschafter der Bioenergiedorf Breitenbrunn GbR.

Rometsch bedankte sich für das bisher aufgebrachte Engagement und die bereits geleisteten Arbeiten. Die Grundsteinlegung sei nun der erste, für die Öffentlichkeit sichtbare Meilenstein. Bis heute wurden bereits mehr als 1000 Arbeitsstunden von den Gesellschaftern in das Projekt investiert, welches eine Investitionssumme von knapp 600.000 Euro umfasst.

Das Nahwärmenetz erschließt 34 Häuser mit Wärme. Dafür wurden 1835 Meter Fernwärmerohre in Zusammenarbeit mit der Firma Felßner aus Offenhausen verlegt. Die installierte Leistung wird insgesamt 700 kW betragen, welche durch zwei Kessel mit 300 und 400 kW Spitzenleistung bereitgestellt wird. Des weiteren werden zwei Pufferspeicher mit jeweils 10.500 Liter installiert, die den gesamten Heizwasserinhalt der Anlage auf etwa 35 Kubikmeter erhöhen. Bei 22 Teilnehmern wird die dort bestehende Ölheizung durch eine Co2-neutrale Heizung ersetzt, was den Heizölverbrauch um insgesamt 50.000 Liter pro Jahr reduziert und den Co2-Ausstoß jährlich um 132 Tonnen senkt.

Landrat Armin Kroder bezeichnete es als wegweisende Entscheidung der Bewohner, selbst eine gemeinschaftliche Hackschnitzelanlage schaffen zu wollen. Er wünschte für die bevorstehenden Bauarbeiten gutes Gelingen, damit die noch für Herbst 2010 angestrebte Inbetriebnahme termingerecht stattfinden kann. Des Weiteren erwähnte er die Sonderstellung des Projekts, das vorerst noch das einzige seiner Art im Landkreis sei. Durch die Anzahl der teilnehmenden Haushalte werde es für ihn einmal mehr deutlich, dass Ökologie immer dann Beachtung findet, wenn auch die Ökonomie nicht zu kurz kommt.

Bürgermeister Rauh zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden mit der getroffenen Entscheidung, die Wärmeversorgung auf eigene Beine zu stellen. Er wünschte sich, dass noch andere Ortschaften seiner Gemeinde diesem Beispiel folgen, da Offenhausen erneuerbaren Energien aus Überzeugung sehr offen gegenüber stehe. Neben allen bekannten ökologischen Aspekten erinnerte er auch daran, dass nun künftig auch bei vielleicht steigenden Holzpreisen mehr Kapital in den eigenen Reihen bleibt und somit die lokale Wertschöpfung unterstützt wird.

Nach den Grußworten folgte die Grundsteinlegung. Dabei wurde eine Edelstahlröhre, gefüllt mit einer Urkunde, einer Ausgabe der Hersbrucker Zeitung, Münzen der aktuellen Währung und einem Satz Baupläne, von Landrat Kroder und Bürgermeister Rauh im Mauerwerk versenkt. Die anschließende Grundsteinlegungsfeier fand im Schützenhaus Breitenbrunn statt.

Infos zum Bau und zum Projekt unter www.bioenergiedorf-breitenbrunn.de.

N-Land Hersbrucker Zeitung
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