FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff im PZ-Gespräch

Nur mit der CSU, aber nicht um jeden Preis

Alexander Graf Lambsdorff, FDP-Landtagskandidat Andreas Neuner und FDP-Bezirkstagskandidat Markus Lüling im Gespräch mit den PZ-Redakteuren Clemens Fischer und Andreas Kirchmayer (v.l.). | Foto: Cichon2018/10/lambsdorf-pz-redaktion-lulling-neuner.jpg

LAUF (fi/kir) — Er gehört zu den führenden Köpfen der FDP im Land, er ist populär, eloquent und erfahren. Alexander Graf Lambsdorff, 13 Jahre im Europaparlament und jetzt Bundestagsabgeordneter, half den Freien Demokraten im Nürnberger Land im Landtagswahlkampf mit einem Kurzbesuch und einer Diskussionsveranstaltung in Behringersdorf. Die PZ nutzte die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Lambsdorff (51) in der Redaktion.

Schnell kommen hier der Gast und seine Begleiter, Landtagskandidat Andreas Neuner aus Rückersdorf und Bezirkstagskandidat Markus Lüling aus Lauf auf die Sorgen der Tageszeitungen und der Medien zu sprechen, auf den Journalismus und speziell den Qualitätsjournalismus. Ohne diesen, davon ist Lambsdorff überzeugt, kann Demokratie nicht funktionieren. „Weil wir strukturierte Kommunikation und politische Debatten brauchen“. Auch für die Politiker sei es tatsächlich schwieriger, ohne distanzierte journalistische Begleitung die Menschen zu erreichen, sagt er. Auch und obwohl Politiker heute über das Internet Menschen schneller und direkter ansprechen können.

Das Internet ist für Lambsdorff ein zweischneidiges Schwert. Seine Bedeutung vergleicht er mit der Erfindung des Buchdrucks. „Wir stehen an der Schwelle eines neuen Zeitalters.“ Einerseits könne es in autoritären Ländern wie dem Iran dazu führen, dass sich Kritiker besser verständigen können und somit idealerweise die Demokratie fördern. Andererseits sorge das Internet für eine „konstante Fütterung mit schrecklichen Geschichten“ und für Filterblasen, so der Bundestagsabgeordnete. Das spiele extremen Parteien in die Hände. „Natürlich gibt es Probleme mit Kriminalität unter Migranten“, so Lambsdorff, erst dass man durch das Internet ständig und schnell über Ereignisse aus der ganzen Welt informiert werde, sorge aber für Verunsicherung der Bevölkerung.

Vor allem ging es in dem Gespräch um den Landtagswahlkampf in Bayern, nur deswegen war der bekannte FDP-Mann ja für ein paar Stunden in den Landkreis gekommen. Spitzenkandidat für die FDP ist in Bayern Martin Hagen. Der 37-Jährige ist im Vergleich zu Kandidaten der anderen Parteien kaum bekannt. Schlimm findet Lambsdorff das nicht. Bekanntheit sorge schließlich noch nicht zwingend für gute Ergebnisse, so der 51-Jährige mit Verweis auf Markus Söder.

„Dafür, dass man Hagen nicht kennt, sind die Umfragewerte von bis zu acht Prozent prima“, findet Lambsdorff. Nach einer Umfrage des Insa-Instituts für die „Bild“-Zeitung am Dienstag steht die FDP allerdings bei überschaubaren 5,5 Prozent. Zweifel daran, dass es die Liberalen in den Landtag schaffen, hat aber keiner der drei FDP-Männer. Andreas Neuner glaubt an sieben Prozent. „Ich bin sehr optimistisch.“

Nach der Klatsche bei der Landtagswahl 2013, als es nicht mehr für den Einzug ins Maximilianeum reichte, habe sich seine Partei in Bayern „neu erfunden“, auch personell, so Lambsdorff. Diesen „Erneuerungsprozess“ lobt auch Andreas Neuner. Und Markus Lüling, Vorsitzender der Freien Demokraten im Landkreis, verweist auf die vielen Neumitglieder. Über 90 FDP-Mitglieder gebe es mittlerweile im Nürnberger Land. „Es ist ein Vertrauen in die Inhalte da“, sagt Lüling.

Einzig die Union, so kritisiert Lambsdorff, habe sich bei den großen Parteien noch nicht erneuert und kommt auf die Regierungspartei in Bayern zu sprechen. „Die CSU hat in den letzten Monaten das ganze Land destabilisiert“, so der 51-Jährige. Vor allem Seehofer sei dafür verantwortlich. Dieser wolle offensichtlich Merkel und Söder zu Fall bringen.

Eine taumelnde CSU, die nach aktuellen Umfragen nur noch etwa 35 Prozent der Stimmen bekäme, erregt bei den Liberalen allerdings kein Mitleid. „Die absehbare Abstrafung der CSU durch die Wähler ist in meinen Augen eine positive demokratische Entwicklung“, findet Lambsdorff. Er vergleicht die Situation in Bayern mit der in Nordrhein-Westfalen, das lange von der SPD regiert wurde. Das tue einem Land nicht gut, findet der gebürtige Kölner.

Was der Rheinländer Lambsdorff an Markus Söder schätzt? „Seine Neigung zum Karneval. Seine Verkleidung im Fasching finde ich toll“. Kritik am bayerischen Ministerpräsidenten übt sein Erststimmen-Gegenkandidat im Stimmkreis Nürnberg Ost, Andreas Neuner. „Söder ist auf jedem Bieranstich, aber zu einer Podiumsdiskussion erscheint er nicht“, und spielt auf eine Veranstaltung in Behringersdorf an.

Dennoch, einem möglichen Parteienbündnis nach der Wahl gegen die CSU erteilten die Liberalen eine Absage. Die Schnittmenge mit den anderen Parteien sei zu gering. Wenn die Bayern-FDP also mitregieren würde, dann nur mit der Union. Allerdings nicht um jeden Preis, wie Lambsdorff betont. Was vor einem Jahr im Bund galt, gelte auch in Bayern: man müsse sich schon einig werden. Die Absage an „Jamaika“ in Berlin vor einem Jahr verteidigt Lambsdorff. Das Problem sei nicht die Zusammenarbeit mit den Grünen, sondern Horst Seehofer gewesen. „Der Rachefeldzug von Seehofer gegen Merkel wäre bei ‚Jamaika‘ exakt so gekommen“, glaubt Lambsdorff, der bei den Sondierungsgesprächen dabei war.

Damals war der Liberale, er ist der Neffe des schon verstorbenen früheren Wirtschaftsministers Otto Graf Lambsdorff, nach 13 Jahren im EU-Parlament neu in den Bundestag eingezogen. Und stellte schnell kräftige Unterschiede zwischen Brüssel und Berlin fest. Die drei auffälligsten sind dabei laut Lambdorff:

1. In Brüssel wird sachorientiert gearbeitet und eine Idee nicht allein deshalb abgelehnt, weil sie vom politischen Gegner kommt. „In Berlin dagegen drängt die Machtdynamik Sachfragen in den Hintergrund.“
2. Die technische Rückständigkeit Deutschlands. Als ein Beispiel nennt der FDP-Politiker die Tatsache, dass es im Bürogebäude der Bundestagsabgeordneten kein WLan Netz gab.
3. Im EU-Parlament in Brüssel gab es viel mehr Frauen, als im Deutschen Bundestag in Berlin. „Das muss sich ändern“.

 

Berichtigung: In einer ersten Version des Artikels war die Rede von Markus Neuner. Der Rückersdorfer FDP-Landtagskandidat für Nürnberg-Ost heißt Andreas Neuner. Den Fehler haben wir mittlerweile korrigiert.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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