Wahlkampf in den Sozialen Medien

Wie Politiker im Netz um Stimmen kämpfen

Lässt man Markus Söder einmal außen vor, vereint von den hiesigen Kandidaten Norbert Dünkel (CSU) bei Instagram die meisten Follower hinter sich. Die erfolgreichste Facebook-Seite nach dem Ministerpräsidenten betreibt Andrea Lipka (SPD). | Foto: Screenshots: Instagram/Facebook2018/10/wahlkampf_sozialemedien.jpg

NÜRNBERGER LAND – Facebook, Twitter, Instagram: Auf diesen Plattformen werben Landtagskandidaten mehr oder minder erfolgreich um die Gunst der Follower. Wenige Tage vor der Wahl posten manche Kandidaten mehrfach täglich, andere entsagen dem digitalen Wahlkampf sogar komplett.

Wie viel ein Politiker auf den Einsatz Sozialer Medien gibt, verrät bereits der erste Blick auf dessen Facebookprofil beziehungsweise -seite. Zwischen Profil und Seite gibt es nämlich wesentliche Unterschiede. Während persönliche Profile auf 5000 Freunde begrenzt sind und ein Politiker jede Freundschaftsanfrage persönlich beantworten muss, lassen Seiten beliebig viele Fans am Leben und Wirken des jeweiligen Betreibers teilhaben.

Außerdem tauchen Seiten auch bei Suchmaschinen auf und können von Personen eingesehen werden, die selbst gar nicht bei Facebook angemeldet sind. Nicht zuletzt bieten Seiten zahlreiche Möglichkeiten, für sich zu werben, das Profil zu individualisieren und auch das eigene Auftreten zu analysieren und zu verbessern. Von den 14 untersuchten Direktkandidaten in den Wahlkreisen Nürnberg-Ost und Nürnberger Land nutzen allerdings nur sechs Politiker die Vorteile einer Facebook-Seite. Selbst erfahrene Wahlkämpfer wie Norbert Dünkel (CSU) oder die beiden Grünen, Gabriele Drechsler und Elmar Hayn, unterhalten lediglich ein persönliches Profil.

Wie viele potenzielle Wähler deren Freundesliste zählt, ist für Außenstehende nicht einzusehen. Eine entsprechende Freundschaftsanfrage des Boten ließen bis gestern Mittag – mit Ausnahme von Uwe Halla (Linke) – alle Kandidaten ohne Fanseite verstreichen. Dies spricht weniger für eine Abneigung gegenüber der Lokalzeitung als vielmehr einen laienhaften Umgang mit dem Medium Facebook. Welcher Politiker würde schon mit einem Kofferraum voller Plakate losziehen, aber nur jedes Dritte davon aufhängen? Schließlich möchte jeder Kandidat so viele Menschen wie möglich erreichen. Eine Freundschaftsanfrage nicht zu bestätigen (Anfragen von Fakeprofilen, Bots und ähnlichem einmal ausgenommen), widerspricht somit dem eigentlichen Ziel jedes Wahlkämpfers.

Lipka und Gardill hinter Söder

Die meisten Menschen erreicht mit seiner Seite freilich Polit- und Facebookprofi Markus Söder. Wenn er im ICE zwischen Nürnberg und München per Videobotschaft auf die letzten Wahlkampftage einstimmt, erreicht er damit bestenfalls knapp 74.000 Fans.

Vom Ministerpräsidenten einmal abgesehen, machen die beiden SPD-Kandidatinnen Andrea Lipka und Kerstin Gardill via Facebook die meisten Menschen auf sich aufmerksam. Lipka zählt gut 1300 Fans, Gardill kratzt an der 1000er Marke.

Mit gehörigem Abstand folgt den beiden der junge Liberale Luca Scharf. Mit seinen 20 Jahren zählt er zweifelsfrei zur Gruppe der so genannten Digital Natives. Den Wahlkampf in den Sozialen Netzwerken beherrscht er bereits besser als die meisten seiner Konkurrenten. Wie die meisten Kandidaten postet er Fotos, die ihn bei Infoständen, Diskussionsrunden und anderen öffentlichen Auftritten zeigen. Darüber hinaus hat er eine Videoserie gestartet, in der er seine Vorstellung von bayerischer Landespolitik erläutert. Immerhin: Teil 1 der Reihe erreichte bis dato fast 4000 Menschen.

Damit kann er durchaus mit Lipka mithalten, die als Kabarettistin und Theaterbesitzerin natürlich andere Möglichkeiten hat. So diskutiert sie in einem Video beispielsweise mit ihrer Kunstfigur, der Putzfrau Elfriede Rumpler, und widerlegt darin einige Vorurteile gegenüber ihrer Person. Überhaupt postet Lipka mehr eigene Videos als ihre Konkurrenten. Weil diese von aneinandergeschnittenen Fotos bis zu professionell produzierten Clips reichen, klafft die Reichweite entsprechend auseinander: Während nicht einmal 100 Menschen ihre Bildschnipsel von einem AWO-Sommerfest sehen wollten, klickten zuletzt fast 12.000 Menschen Lipkas Aufruf zum Wählengehen.

Wie gut die Kandidaten ihre Seiten und Profile im Blick haben, lässt sich freilich schwer beurteilen. Bei der Pflege geben sie sich jedoch unterschiedlich große Mühe. Ein großer Vorteil von Sozialen Netzwerken ist, dass Bürger ohne großen Aufwand Kontakt mit den Kandidaten ihres Wahlkreises aufnehmen können. Während Lipka beispielsweise regelmäßig auf Kommentare eingeht und sie entweder direkt oder in persönlichen Nachrichten beantwortet, sehen andere Kandidaten selbst über harsche Kritik einfach hinweg.

Twitter spielt kaum eine Rolle

Neben Facebook widmen die hiesigen Kandidaten ihre Aufmerksamkeit nicht etwa dem Lieblingsmedium Donald Trumps und anderer Politgrößen. Ein Twitter-Profil unterhalten neben Markus Söder (33.200 Follower) nur Norbert Dünkel (220), Elmar Hayn (131) und FW-Kandidatin Angelika Feisthammel (4). Während Feisthammels Profil nahezu eingeschlafen wirkt, zwitschern Hayn und Dünkel fast ausschließlich Statements und Positionen ihrer jeweiligen Landes- und Bundespolitiker weiter. Eigene Ideen und Meinungen sucht der Nutzer hier weitestgehend vergebens.

Immerhin die Hälfte der 14 Direktkandidaten betreiben einen Account bei Instagram. Hinter Klassenprimus Söder vereint auf der foto- und videobasierten Plattform Norbert Dünkel die meisten Fans auf seiner Seite. Zwar postet der Landtagsabgeordnete nur unregelmäßig. Neben Fotos von Wahlkampfauftritten finden sich aber auch private Aufnahmen: das Abendrot über dem Nürnberger Land, ein Schafabtrieb, der Abgeordnete im Skiurlaub. Fast 700 Menschen erreicht Dünkel mit seinen Impressionen. Nahezu gleichauf landen dahinter Andrea Lipka, Kerstin Gardill und Luca Scharf (jeweils rund 300 Follower).

So sehr sich die meisten Kandidaten auch um Follower, Klicks und Wählerstimmen bemühen – es gibt einen Gegenentwurf. Marion Kuhnert (Freie Wähler) und Dr. Ralph Müller (AfD) verzichten in ihrem Wahlkampf gänzlich auf Facebook, Twitter und Instagram. Der Sonntag wird zeigen, wie viele Likes ihnen diese Taktik einbringt.

N-Land Christian Geist
Christian Geist