Anja Wirkner zum Equal Pay Day

Stopft die Lohnlücke

Die roten Taschen stehen für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen. | Foto: privat2017/03/NL-EPD-Anja-Wirkner.jpg

NÜRNBERGER LAND – Am heutigen Samstag, 18. März, ist „Equal Pay Day“ (EPD). Bereits zum zehnten Mal findet der EPD statt. Ein Jubiläum: Da kann man schon mal gratulieren! Wenn es nicht so ein trauriger Anlass wäre. Wir haben mit Anja Wirkner, der Gleichstellungs-beauftragten des Nürnberger Lands, über die Lohnlücke und gender-politische Strategien gesprochen.

 

Frau Wirkner, was ist genau ist der „Equal Pay Day“?

Wirkner: Frauen verdienen in Deutschland durchschnittlich 21 Prozent weniger Geld als Männer. „Equal Pay Day“ heißt „Tag für gleiche Bezahlung“ für Männer und Frauen. Er markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, umgerechnet 77 Tage, während Männer schon seit dem 1. Januar eines Jahres für ihre Arbeit bezahlt werden.

Was sind die Hauptursachen für die Lohnlücke (Gender Pay Gap)?

Wirkner: Die Hauptursachen für die Lohnlücke sind vielfältig und bedingen sich gegenseitig. Es sind im Wesentlichen drei Ursachen: Erstens fehlen Frauen in bestimmten Berufen oder Branchen und auf den höheren Stufen der Karriereleiter. Zweitens unterbrechen oder reduzieren noch immer Frauen ihre Erwerbstätigkeit familienbedingt häufiger und länger als Männer. Und drittens sind frauentypische Berufe weiterhin unterbewertet und schlechter bezahlt als typische Männerberufe. Es ist ein Teufelskreis: Die schlechteren Einkommensaussichten führen zu niedriger Erwerbsbeteiligung und längere Erwerbsunterbrechungen führen zu mehr Entgeltungleichheit.

Als Mitglied in einer Arbeitsgemeinschaft zur  Gleichstellung in Mittelfranken haben Sie eine Broschüre zum Thema „Gender Mainstreaming“ mit herausgegeben. Was ist damit gemeint?

Wirkner: Die meisten stolpern erstmal über diesen etwas sperrigen Begriff. Übersetzt heißt es „geschlechtersensible Sichtweise“ und bedeutet, dass bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen und Männern berücksichtigt werden sollen. Ziel des Gender Mainstreaming: Gleichstellung tatsächlich und effektiv umsetzen.

Gibt es dafür rechtliche Grundlagen und Rückhalt in der Politik?

Wirkner: Die Strategie fußt auf dem Amsterdamer Vertrag von 1997, in dem sich alle EU-Staaten verpflichten, Gender Mainstreaming anzuwenden. 1999 hat die Bundesregierung Gender Mainstreaming als durchgängiges Leitprinzip anerkannt und 2002 beschloss der Ministerrat in Bayern, die Strategie weiter zu fördern und bei allen Maßnahmen der Staatsverwaltung zu beachten. Was bedeutet das in der Praxis? Beziehen wir Gender Mainstreaming zum Beispiel auf den Equal Pay Day dann bedeutet das: Aufwertung sogenannter frauentypischer Berufe, die gleiche Bezahlung für gleichwertige Tätigkeiten oder das Berufswahlspektrum von Mädchen und Jungen erweitern.

Was entgegnen Sie Menschen, die Ihre Arbeit als Gleichstellungsbeauftragte und für Lohngerechtigkeit in Frage stellen?

Wirkner: Ich rate ihnen, sich die Zahlen und Fakten anzusehen, etwa die vom Statistischen Bundesamt errechneten Bruttostundenlöhne. Frauen verdienten im Jahr 2016 16,26 Euro, während Männer auf 20,71 Euro kamen. Das hat natürlich Einfluss auf die Rente. Die durchschnittliche, gesetzliche Rente von Männern beträgt 1014 Euro. Bei Frauen liegt sie bei 583 Euro.

Und es gibt ja auch immer mehr Männer, die sich eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf wünschen oder die bestehenden Rollenklischees in Frage stellen. Allein diese Beispiele zeigen, dass in der Gleichstellungsarbeit noch viel zu tun ist. Auch im Nürnberger Land.

Machen Sie heute mit einer Aktion auf den „Equal Pay Day“ aufmerksam?

Wirkner: Ja, wir werden heute von zehn bis 12 Uhr einen Stand am Laufer Marktplatz bei der Johanniskirche haben und die roten Taschen verteilen. Die roten Taschen stehen für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen. Wir würden uns freuen, wenn viele Bürgerinnen und Bürger vorbei kommen.

Interview : Julia Hornung

Über viele Aktionen rund um den Equal Pay Day informiert die Website: www.equalpayday.de. Weitere Informationen zur Berechnung der Lohnlücke finden sich beim Statistischen Bundesamt: www.destatis.de. Zahlen zum Thema Gleichstellung gibt es im „Atlas zur Gleichstellung von Männern und Frauen“ oder im gerade veröffentlichten, zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung.

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung
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