Mittelfränkische Polizei reagiert

Sondereinheit rückt Einbrechern auf die Pelle

Die meisten Einbrecher suchen die Schwachstelle eines Hauses, sei es eine Tür oder ein Fenster. | Foto: Totalpics/Thinkstockfotos.com2017/03/Einbrecher-Thinkstock-PhotosTotalpics.jpg

NÜRNBERGER LAND — Geld und Schmuck fehlen, Zimmer wurden durchwühlt, Schubladen herausgerissen: Lauf und Umgebung sind seit Jahren Schwerpunkte für Wohnungseinbrüche. Die Polizei reagierte 2014 mit der Gründung einer besonderen Abteilung. Sie vermeldet erste Erfolge.

Es passiert in der Dämmerung, während die Familie im Urlaub ist. Es passiert nachts, wenn die Bewohner friedlich und nichts ahnend in ihren Betten liegen und schlafen. Es passiert mittags, wenn alle in der Arbeit sind – wie am vergangenen Dienstag im Schnaittacher Ortsteil Lohmühle, als ein Einbrecher gegen zwölf Uhr in ein Haus eindringen wollte und dank eines Nachbarn von der Polizei geschnappt werden konnte. Die Täter brechen die Tür auf, hebeln ein Fenster auf oder kommen über die Terrasse. Spezialisten, die immer gleich vorgehen, gibt es kaum. Die allermeisten Einbrecher suchen nach der Schwachstelle, dem am schlechtesten gesicherten Fenster oder der Terrassentür. „Es gibt kein Muster“, sagt Karl Lehmeyer. Der 58-Jährige leitet die „Besondere Aufbauorganisation Wohnraumeinbruchsdiebstahl“ (BAO WED), die sich ausschließlich mit Einbrüchen in Mittelfranken beschäftigt.

Karl Lehmeyer, Leiter der BAO WED. | Foto: Kirchmayer2017/03/Polzei-Nurnberg-Karl-Lehmeyer.jpg

 

113 Mal wurde 2016 im Nürnberger Land eingebrochen oder zumindest der Versuch unternommen, 46 Mal davon im Bereich der Polizeiinspektion Lauf, die bis auf Eckental und Leinburg für das gesamte Verbreitungsgebiet der Pegnitz-Zeitung zuständig ist. Noch 2015 waren beide Zahlen bedeutend höher (Landkreis: 142, davon 69 Versuche, PI Lauf: 89, davon 45 Versuche). Diese Schwankungen hängen oft an wenigen Banden. Der Landkreis, speziell Lauf und Umgebung, ist ein lohnenswertes Ziel. Schließlich ist im Speckgürtel Nürnbergs viel zu holen und die hervorragende Verkehrsanbindung mit A 9 und Co. ist für Einbruchstouren als Anfahrts- und Fluchtweg geradezu ideal.

Das weiß auch die Polizei. Und ist dennoch oft nur zweiter Sieger. Die Aufklärungsquote bei Wohnraum­einbrüchen in Mittelfranken lag 2016 bei 21,4 Prozent (Zahlen von 2017 liegen noch nicht vor). Was überschaubar klingt, ist bundesweit ein Spitzenwert, versichert Lehmeyer. In manchen deutschen Städten gebe es Aufklärungswerte in einstelligen Bereich. Das Problem bei Einbrüchen ist, dass die Täter meist unerkannt bleiben und es nur selten Zeugen gibt. Dadurch erkläre sich die mäßige Aufklärungsquote, sagt Werner Forster. Der 57-Jährige leitet seit 2007 die Abteilung K 2 der Kripo Schwabach. Drei seiner Kriminalbeamten beschäftigen sich als Teil der BAO WED nur mit Einbrüchen und sind auch für den Landkreis Nürnberger Land zuständig.

Werner Forster, Leiter der Abteilung K2 der Kripo Schwabach. | Foto: Kirchmayer2017/03/Polizei-NBG-Forster.jpg

 

Zwar finden Forsters Kollegen vom Erkennungsdienst in etwa 90 Prozent aller Fälle verwertbare Spuren am Tatort. Das können Fingerabdrücke sein, aber auch DNA-Spuren wie Hautpartikel, Fasern von Kleidung, Schuhabdrücke oder Farbabrieb vom Tatwerkzeug an aufgebrochenen Türen. „Wir suchen auch nicht sichtbare Spuren. Kleinste Pigmente der Haut können für einen DNA-Abgleich genügen“, so Forster.

Doch helfen die gefundenen Spuren nicht weiter, wenn der Täter noch nicht vorbestraft ist und deshalb in Datenbanken der Polizei nicht auftaucht. Weil sich viele Täter, besonders ausländische Banden, nicht auf Einbrüche im Bereich eines Regierungsbezirks, geschweige denn einer Inspektion beschränken, ist Kommunikation innerhalb der Polizei bei Einbrüchen wichtiger denn je.

Hier kommt die BAO WED mit Sitz in Nürnberg ins Spiel. Seit ihrer Gründung im Sommer 2014 bildet sie von Nürnberg aus die Schnittstelle aller Kriminalpolizeien Mittelfrankens. 35 Polizisten beschäftigen sich im Regierungsbezirk nur mit Einbrüchen, der Großteil davon wie schon vorher vor Ort in den Inspektionen in Nürnberg, Fürth, Erlangen, Ansbach und Schwabach. 15 Kollegen sitzen in der Nürnberger Zentrale. Ihre Aufgaben: Einen Überblick über Mittelfranken und darüber hinaus gewinnen, Schwerpunkte erkennen und als zentrale Kommunikationsstelle fungieren. Täglich gibt es Telefonkonferenzen mit allen beteiligten Inspektionen der Kripo.

Die BAO WED greift auch auf Daten von Kollegen außerhalb Mittelfrankens zurück. Idealerweise läuft es dann wie vor wenigen Wochen. Damals konnte ein Einbruchsversuch in Schnaittach aufgeklärt werden. Ein Täter hatte bei einem Einbruch in Bayreuth DNA-Spuren hinterlassen, die ihm aber erst Monate später zugeordnet werden konnten. Kurz nach der Tat in Oberfranken war der gleiche Mann auch in Schnaittach aktiv. Hier filmte ihn eine Videokamera bei einem Einbruchsversuch. Weil sich dort auch ein misstrauischer Nachbar das ausländische Kennzeichen des Täters merkte und es der Polizei meldete, konnten die Beamten ihre Ergebnisse bündeln und beide Fälle aufklären.

33 Bandenverfahren gab es seit Bestehen der BAO WED. Bei 22 Einsätzen konnten 60 Einbrecher auf frischer Tat festgenommen werden. Wer überführt wurde, wurde zu Haftstrafen zwischen zwei und acht Jahren verurteilt. In Mittelfranken kämen Einbrecher mittlerweile nicht mehr mit Bewährungsstrafen davon, sagt Lehmeyer mit merklicher Genugtuung.

Bei den bekannten Banden handelt es sich ausschließlich um Ausländer. Zwar sind bayernweit etwa die Hälfte der Tatverdächtigen Deutsche. Doch diese schließen sich nach den Erkenntnissen der Polizei nicht zu Banden zusammen. Bei den Einbrüchen durch Deutsche handele es sich oft um Beschaffungskriminalität. Das heißt, es sind Drogenabhängige, die ihren nächsten Rausch finanzieren wollen und deshalb straffällig werden.

Die kriminellen Vereinigungen entstünden dagegen bereits in den Heimatländern der Täter, die sich dort verabreden, um beispielsweise in Deutschland auf Beutezug zu gehen. Die größte Gruppe in Mittelfranken seit Sommer 2014: Georgier, die oft als Asylbewerber ins Land kommen. Eine vierköpfige Bande nahm die Polizei im Winter 2014/2015 fest. Kurz nach zwei Einbrüchen in Röthenbach gingen den Beamten zwei Georgier am 23. Dezember 2014 ins Netz. Als die Einbruchsserie nicht aufhörte, war klar: Ein Teil der Bande ist noch aktiv. Nach zwei weiteren Festnahmen im Februar 2015 gingen die Fallzahlen drastisch zurück. Die Ermittlungen ergaben, dass die Georgier ihr Asylbewerberheim in Hersbruck als Ausgangspunkt für Einbrüche im Landkreis und in Nürnberg genutzt hatten.

Aber auch aus Rumänien, Ungarn, Serbien oder dem Kosovo kämen Einbrecherbanden. Asylbewerber machen bayernweit sieben Prozent der Tatverdächtigen aus. Banden von Syrern oder Irakern sind Lehmeyer und seinen Kollegen aber noch gar nicht untergekommen.

Weil sie nicht immer und überall vor Ort sein kann, setzt die Polizei auf die Mitarbeit der Bevölkerung. Auffälligkeiten wie parkende Autos mit ausländischen Kennzeichen sollten der Polizei gemeldet werden. Fenster und Türen sollten über die neuesten Sicherheitsstandards verfügen. Dass rund die Hälfte der Einbruchsversuche abgebrochen werden, werten die Beamten als Erfolg ihrer Aufklärungsarbeit. „Wenn der Täter eine gewisse Mühe hat, um einzudringen, bricht er ab“, sagt Forster (zu Tipps siehe unten).

Die BAO WED ist eine Abteilung auf Zeit. Bisher wurde sie nach der Testphase jeweils um ein Jahr verlängert. Die Entscheidung, ob es über den Sommer 2017 hinaus weitergeht, steht bald an, sagt Lehmeyer. Er und seine Kollegen wünschen sich, dass das Modell fest etabliert wird.

Tipps der Polizei

Nach Einbrüchen kämpfen viele Betroffene mit psychischen Problemen, weil sie sich in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr sicher fühlen. Manche Opfer sind traumatisiert, einige ziehen um. Die Polizei rät deshalb, das Haus oder die Wohnung so gut wie möglich gegen Einbrüche zu sichern. Das betrifft vor allem Türen und Fenster. Dauert es zu lange, ins Haus zu gelangen, bleibt es oft beim Einbruchsversuch. Die Polizei bietet kostenlose Gespräche an, um zu klären, ob ein Haus gegen Einbrecher gerüstet ist. Bei Bedarf kommt ein Spezialist auch nach Hause, um Schwachstellen bei Fenstern oder Türen zu finden. Nur die Eingangstür zu sichern, reicht nicht aus. Auch Hunde sind keine Garantie, von Einbrechern verschont zu bleiben. Zuständig für Einbruchsprävention im Landkreis Nürnberger Land ist Walter Eibl von der Kripo Schwabach, Telefonnummer 09122/927-382 (notfalls auf Anrufbeantworter sprechen).

Sicherungsmaßnahmen für Türen und Fenster liegen meist jeweils im dreistelligen Bereich. Bei einem Haus kommt schnell eine vierstellige Summe zusammen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hilft mit einer Förderung zwischen 50 und 1500 Euro. Der Zuschuss muss im Vorfeld beantragt werden.
Oft werden Objekte vorher ausgespäht. Wer im Urlaub ist, sollte dafür sorgen, dass das Haus einen bewohnten Eindruck macht. Nachbarn können täglich Rollläden hochziehen und herunterlassen oder das Licht anschalten.

Was aber, wenn man bemerkt, dass ein Einbrecher im Haus ist? Meist flüchten die Täter, sobald das Licht angeht oder jemand laut ruft. Doch sollten Bewohner eine Konfrontation unter allen Umständen vermeiden. Zwar sind Vorfälle wie jener im Juni 2013 in Nürnberg, als eine Rentnerin von Einbrechern gefesselt und geknebelt wurde und erstickte, sehr selten. Aber ausschließen könne man eine Eskalation nicht, so die Polizei. Besser sei es also, den Einbrechern nicht entgegenzutreten, sondern möglichst sofort die 110 zu wählen.

Wer bemerkt, dass Einbrecher im Haus oder der Wohnung waren, sollte unter keinen Umständen selbst nachsehen, was alles gestohlen wurde, sondern den Tatort genau so belassen, wie er ist, und sofort die Polizei rufen. Sonst könnten womöglich Spuren der Täter verwischt werden.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer