Landfrauentag in Lauf

„Seele des ländlichen Raumes“

Ihren Tag lassen sich die Landfrauen nicht nehmen. Mit Ehrengästen trafen sie sich am Samstag zahlreich in der Aula der Bertleinschule in Lauf, musikalisch eingestimmt vom Landfrauenchor Nürnberger Land unter der Leitung von Susanne Wittekind. | Foto: Märtl2017/03/lanmdfrauentag_1.jpg

NÜRNBERGER LAND – Zweifach geglückte Premiere: Marion Fischer meisterte als neue Kreisbäuerin ihren ersten Landfrauentag bravourös. Die Verlegung der Veranstaltung auf den Samstag tat ihrer Anziehungskraft keinen Abbruch.

Entspannt genoss Betty Schmidt ihren ersten Landfrauentag „im Austrag“, nutzte aber die Gelegenheit, um ihr „wunderschönes Amt“ offiziell an Marion Fischer, ihre „tolle Nachfolgerin, die das wunderbar macht“, zu übergeben und Dank an ihre Mitstreiter und Mitstreiterinnen für die gute Zusammenarbeit auszusprechen. „Haltet zusammen und steht füreinander ein“, war ihr Wunsch. Blumen von ihrer Nachfolgerin gab es aber nicht nur für Betty Schmidt sondern auch für Astrid Mortler und Ingrid Grötsch, die der neuen Vorstandschaft nicht mehr angehören.

Einen Wechsel gab es auch an der Spitze des Landfrauenchores. Karin Bogner ist neue Vorsitzende. Renate Hirschmann, die seit 2008 an der Spitze stand, hatte nicht mehr kandidiert. Neu auch Chorleiterin Susanne Wittekind unter deren Stabführung der 26-köpfige Landfrauenchor mit viel Esprit für die musikalische Umrahmung des Nachmittags sorgte.

Routiniert meisterte Kreisbäuerin Marion Fischer aus Winkelhaid den Begrüßungspart. Den zahlreichen Besuch der Landfrauen und die Anwesenheit der zahlreichen Ehrengäste aus den Bereichen Kirche, Politik, Wirtschaft und Verbänden wertete sie als Indiz dafür, dass der Landfrauentag einen sehr hohen Stellenwert hat.

Talk statt Grußworte

Langatmige Grußworte gehören beim Landgfrauentag im Nürnberger Land längst der Vergangenheit ein. Stellvertretend gaben im Rahmen einer kleinen Talkrunde Dekan Stefan Alexander, Laufs 2. Bürgermeister Norbert Maschler, Landrat Armin Kroder, Sparkassen-Vorstandsmitglied Dr. Jonathan Daniel, BBV-Bezirkspräsident Günther Felßner und MdB Marlene Mortler Antworten auf die Fragen von Gerdi Maußner und Elke Fleischmann.

Das Hauptthema „Landfrauen tragen Verantwortung“ war der rote Faden. Landrat Armin Kroder formulierte es so, dass Landfrauen Verantwortung tragen, ohne viel Aufhebens davon zu machen. „Sie packen an, wo sie gebraucht werden.“ Kaffee und Kuchen, die jährlich wechselnd von den Raiffeisenbanken und der Sparkasse gesponsert werden, sind da „nur eine kleine Anerkennung“, betonte Dr. Daniel.

Dass an die Frauen aber auch gerne Verantwortung abgegeben wird, bestätigten die Herren der Schöpfung übereinstimmend. Bei 80 Prozent Nebenerwerbslandwirten im Landkreis, folgerte Günther Felßner,  sei es offensichtlich, dass die meiste Verantwortung für die Betriebe an den Frauen hängen bleibe, wenn die Männer anderweitig einer Beschäftigung nachgehen.
Auch des Landrats Frau darf daheim hinsichtlich Finanzen und Bürokratismus Verantwortung tragen, da er „aus Zeitgründen und weil ich es nicht gerne mache“, dafür keine Lust und oft auch keinen Nerv hat.

Passend für Zielgrupppe

Und wie kommt es an, dass der Landfrauentag nun an einem Samstag stattfindet? Dekan Stefan Alexander brachte es treffend auf den Punkt: Der Tag muss für die Zielgruppe passen und nicht für die Ehrengäste.

BBV-Kreisobmann und Bezirkspräsident Günther Felßner äußerte sich zur Diskussion um die Frage „Welche Landwirtschaft wollen wir?“ Bei Umfragen im Hinblick auf Vertrauen würden Landwirte nach Ärzten und Lehrern zwar auf Platz drei landen, aber derzeit werde von vielen Seiten das Gefühl vermittelt „Wir machen alles falsch“. Das sorge für eine deprimierende Stimmungslage. Felßner brachte es so auf den Punkt: „Sie säen nicht, sie ernten nicht, aber sie wissen trotzdem alles besser.“ Hohle Schlagworte würden in postfaktischen Zeiten ziehen und das mache ohnmächtig. Deswegen habe der Bauernverband die Aktion „Unsere bayerischen Bauern“ ins Leben gerufen, die zeigen soll, wie Landwirtschaft wirklich ist. Nicht die Landwirtschaft sei das Problem, sondern der Schlüssel für die Lösung.

Daran knüpfte MdB Marlene Mortler an, die darauf verwies, dass man in einer Zeit lebe, in der es der Gesellschaft so gut gehe, „dass Ernährung für viele zur Ersatzreligion geworden ist.“ „Abwechslungsreich und von allem etwas“ lautet ihre Antwort. Alleine ihr Wahlkreis biete eine große Vielfalt an regionalen Produkten und Angeboten. „Landwirtschaft ist die Basis unseres Lebens“, betonte sie. „Wir können auf vieles verzichten, aber nicht auf unsere hochwertigen Nahrungsmittel und die kommen von den Bauern.

Spannende Herausforderung

Die Referention des Landfrauentages, MdB Gerda Hasselfeldt, beglückwünschte Kreisbäuerin  Marion Fischer, dass sie sich der neuen Aufgabe stellt. „Es ist eine besonders interessante und spannende Herausforderung Frauen zu führen.“ Gleichzeitig dankte sie Betty Schmidt für ihre Tätigkeit. Ein Lob auch für Marlene Mortler, die mit hohem Engagment und großer Sachkenntnis im Bundestag die Interessen der Landwirtschaft authentisch vertrete.

Den Landfrauen bestätigte sie, dass sie auf vielfältige Weise Verantwortung tragen, „nicht nur in der Landwirtschaft.“ Jede Frau verdiene den Dank und die Anerkennung der Gesellschaft. Die Politik, so Gerda Hasselfeldt, sei gefordert dieses  Engagement zu unterstützen.

Die ländlichen Regionen müssten auch in Zukunft lebens- und liebenswert bleiben. Im Vergleich zu früher habe sich hier aber schon sehr viel geändert. Das sei aber nicht nur Ergebnis der Politik, sondern den Menschen zu verdanken die sich engagiert und ihre Heimat gestaltet haben. Das Leben verändere sich ständig, und dieser Herausforderung müsse man sich stellen. Hasselfeldt. „Wir haben gemeinsam die wichtige Aufgabe, den ländlichen Raum lebenswert zu erhalten.

Ländliche Entwicklung, so die langjährige Bundestagsabgeordnete, gehöre zum Landwirtschaftsministerium und nicht – wie von einigen gefordert – zum Umweltministerium. Sie bezeichnete die Landwirtschaft als die „Seele des ländlichen Raumes“. Eine funktionierende Landwirtschaft sorge für eine gepflegte Landschaft, erzeuge vielfältigen und gesunde Lebensmittel und spiele auch in der Produktion nachwachsender Rohstoffe eine große Rolle.

Mehr Vertrauen aufbringen

Die Gesellschaft, so ihre Forderung, müsse wieder mehr Vertrauen in die Landwirtschaft aufbringen. Als schäbig und verantwortungslos bezeichnete sie in diesem Zusammenhang die Kampagne der Bundesumweltministerin Hendricks. Der geharnischte Protest sei angebracht gewesen, „die Entschuldigung  war überfällig.“ Hasselfeldt: „Die Landwirtschaft braucht keine Diffamierung, sondern Anerkennung, Respekt und Dankbarkeit.

Kurz streifte sie abschließend die Bereiche Pflege und Familie. Vieles habe man verbessert aber noch nicht alles erreicht. Nachholbedarf gebe es  noch bei der Mütterrente. Es dürfe nicht sein, dass Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren sind, schlechter gestellt sind. Auch denen müssten drei Jahre pro Kind angerechnet werden.

Rückblick beim Kaffeklatsch

Einen amüsanten Programmpunkt gab es zum Abschluss. Beim Kaffeeklatsch ließen die Keisvorstandsmitglieder die Amtszeit von Betty Schmidt humorvoll Revue passieren, was nicht nur die Betroffene mit sichtlicher Freude verfolgte. Dass man auch gewisse Erwartungen an die neue „Chefin“ verpackt hatte,  nahm diese aufmerksam zur Kenntnis, mit dem Versprechen, diese zu erfüllen.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl