Interview mit Autor

Neuer Krimi von Theobald Fuchs

Theobald Fuchs. | Foto: privat2018/01/8720259.jpg

NÜRNBERG – Theobald Fuchs, der in Artelshofen aufgewachsen ist und 2014 den Jurypreis des Fränkischen Krimipreises gewann, hat nach „Niemand ruht ewig“ seinen zweiten Kriminalroman veröffentlicht. Der Titel: „Altstädter Friedhof in Erlangen 14. Mai, 10 Uhr 30, meine 35. Beerdigung, die zahlreichen Nachkommen streiten am Grab um den Fernsehsessel des 73-Jährigen“. Die HZ sprach mit dem Autor und Physiker über den ungewöhnlich langen Titel, ernste Hintergründe und einen neuen Todesfall.

Der Titel Ihres neuen Romans hätte länger kaum sein können. Warum diese epische Länge?
Theobald Fuchs: Mir ist einfach kein griffiger Drei-Wort-Titel eingefallen, wie’s üblich ist beim Regionalkrimi. So etwas wie „Tod im Grab“, „Leiche auf Friedhof“, „Mord im Sarg“ und so weiter. Und weil es in der einen Richtung nicht weiter ging, überlegte ich in die andere: extrem lang.

Ihre Romanfigur Ferdinand Degenhardt studiert 1992 in Erlangen Physik, jobbt als Bestattungshelfer und verliebt sich in die hübsche Tilda, die glaubt, in Erlangen gehe ein Serienmörder um, der es auf ältere Damen abgesehen hat. Sie haben zur gleichen Zeit in Erlangen Physik studiert. Wie viel Autobiografisches steckt in Degenhardt?
Um es vorneweg ganz klar festzustellen: Keine der Personen in dem Roman hat ein bestimmtes reales Vorbild, den Ich-Erzähler eingeschlossen. Die Handlung ist ebenfalls komplett erfunden. Allerdings wird die Szenerie natürlich von meiner eigenen Erfahrung als Bestattungshelfer beherrscht. Ich arbeitete von etwa 1992 bis 1996 für ein Erlanger Beerdigungsinstitut. Ich und ein paar Kommilitonen kümmerten uns um den würdigen Ablauf einer Bestattung auf dem Friedhof, halfen im Sarglager aus oder holten die Verstorbenen zu Hause oder im Krankenhaus ab. Anhand der Notizen, die ich mir damals immer mal wieder machte, schätze ich, dass ich bei 140 bis 150 Bestattungen mitgewirkt habe. Damit verdienten wir uns neben dem Studium eine ansehnliche Summe Geld. Die Geschichte spielt deshalb im Wesentlichen in Kneipen und auf Friedhöfen. Wir Sargträger hatten damals sogar eine eigene Fußballmannschaft „Spartak Sarg und Freunde“.

So lustig das alles klingen mag, in Ihrem Buch sind nicht alle Leichen eines natürlichen Todes gestorben.
Das Thema, das den Hintergrund der fiktiven Ereignisse liefert, ist gleichwohl real und sehr ernst zu nehmen. Die Tatsache nämlich, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Verbrechen nicht erkannt werden, weil Todesfälle nicht gründlich genug untersucht werden und fälschlicherweise natürliche Todesursachen angenommen werden. Darüber wird auch regelmäßig in den Medien berichtet, und was ich da so gelesen habe, deutet darauf hin, dass es alleine in Deutschland jedes Jahr über Tausend unentdeckte Morde gibt.

Theobald O. J. Fuchs: „Altstädter Friedhof in Erlangen 14. Mai, 10 Uhr 30, meine 35. Beerdigung, die zahlreichen Nachkommen streiten am Grab um den Fernsehsessel des 73-Jährigen“, ars vivendi, 14 Euro.

N-Land Katja Bub
Katja Bub