Abfallberaterin des Landratsamts gibt Tipps

Kampf dem Plastikmüll

Abfallbilanz: 20 bis 21 Kilo Verpackungsmüll landen pro Bürger des Nürnberger Lands jährlich im gelben Sack. | Foto: Geist2019/01/NL-Verpackungsmuell-Gelber-Sack.jpg

NÜRNBERGER LAND – Keine Zigaretten, weniger Fleisch, mehr Sport – im Januar haben die guten Vorsätze Hochkonjunktur. Dazu gehört für viele auch, weniger Verpackungsmüll zu produzieren. Damit liegen sie im Trend: Dank einem EU-Entscheid sind die Tage von Plastikteller, Trinkhalm und Take-Away-Packung gezählt. Das neue Verpackungsgesetz, das zu Beginn des Jahres in Kraft getreten ist, soll ebenfalls die Umwelt entlasten. Karola Herrmann, Abfallberaterin vom Landratsamt, begrüßt die Entscheidungen und gibt Tipps, wie Verbraucher sinnvoll Verpackungsmüll einsparen können.

Europaparlament und EU-Staaten haben sich nun auf ein Verbot von Wegwerfprodukten aus Plastik geeinigt, das in gut zwei Jahren in Kraft treten wird. Darunter befinden sich bestimmte Wegwerfverpackungen für Lebensmittel, die nur für einmal benutzt und dann weggeworfen werden. Betroffen sind Trinkhalme, Teller, Besteck, Rührstäbchen (zum Beispiel für Kaffee), Wattestäbchen, Verpackungen aus aufgeschäumtem Polystyrol und Luftballonstäbe.

Trendwende beim Plastikverbrauch

Ziel ist es, eine Trendwende beim Plastikverbrauch einzuleiten und vor allem die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll zu stoppen. Seit 2016 gibt es eine Selbstverpflichtung vieler Unternehmen, auch Plastiktüten nicht mehr umsonst abzugeben.

Einige Supermarktketten und Geschäfte sie ganz aus dem Angebot genommen. Das Ergebnis: Kunden in deutschen Geschäften tragen ihre Einkäufe immer seltener in Plastiktüten nach Hause.

Seit Beginn diesen Jahres gibt das Verpackungsgesetz außerdem neue, hoch angesetzte Quoten für das Recycling von Verpackungen vor, die typischerweise bei privaten Endverbrauchern als Abfall anfallen.

„Ein Anstoß“

Karola Herrmann, Abfallberaterin vom Landratsamt Nürnberger Land, freut sich über die Tendenzen. Sie begrüßt besonders das EU-Verbot von Wegwerfartikeln wie Trinkhalme und Co. Allerdings sollte dort nicht Halt gemacht werden: „Wir sehen das als Anstoß, sich mehr Gedanken auch über andere Wegwerfverpackungen wie zum Beispiel Coffee-to-go-Becher zu machen“, sagt sie.

Im Nürnberger Land produziert der Durchschnittsbürger immerhin 20 bis 21 Kilogramm pro Jahr Verpackungsmüll und liegt damit genau im bayerischen Durchschnitt. Das zeigt die Abfallbilanz des Landratsamtes für die Jahre 2009 bis 2017.

In der Statistik wird die Menge an Verpackungen erfasst, die im gelben Sack gesammelt wird: Das sind im Landkreis Verpackungen aus Kunststoffen, Verbundstoffen, wie etwa Tetrapaks, und Aluminium. Für den bayernweiten Vergleich gilt zu bedenken, dass nicht jeder im Freistaat den gelben Sack hat und es noch andere Abhol- und Bringsysteme gibt.

Wer Abfall vermeiden oder zumindest die Menge verringern möchte, dem empfiehlt Herrmann unter anderem keine Wegwerfartikel wie etwa Einwegfeuerzeuge, Plastikkugelschreiber oder Leuchtmarker mehr zu kaufen. Mini- und Portionspackungen seien ebenfalls tabu.

Der Griff zur Mehrwegflasche und Nachfüllpackung helfe hingegen effektiv, den Müllberg zu verkleinern. Insgesamt sei es natürlich ratsam, so wenig Plastikverpackungen wie möglich zu verwenden.

Verpackungsverzicht nicht überall möglich

Nicht überall ist das ohne weiteres möglich: „Ob auf eine Verpackung verzichtet werden kann, hängt stark von der Art des Lebensmittels ab“, sagt Dr. Andreas Daxenberger, Lebensmittelexperte bei TÜV SÜD. „Schüttgut, Obst und Gemüse sowie pflanzliche Öle können gut unverpackt gekauft werden. Bei Fleisch-, Wurst-, Käsewaren sowie Milchprodukten ist das schwieriger.“

Verpackungen hätten auch durchaus nützliche und notwendige Funktionen: Sie hielten das Lebensmittel frisch, schützten das Aroma und sicherten einen hygienischen Transport. Sie verhinderten nicht nur den vorzeitigen Verderb, sondern seien auch Informations-, Deklarations- und Werbefläche. Beispiele dafür sind die Pflichtangaben sowie die Hygieneanforderungen.

N-Land Magdalena Mock
Magdalena Mock