Geld, Zeit, Kraft

Was kostet der Wahlkampf?

Norbert Dünkel, Kerstin Gardill, Gabriele Drechsler, Andreas Brandl, Angelika Feisthammel | Foto: privat2018/10/wahlkampfkosten.jpg

NÜRNBERGER LAND – Was investieren unsere Politiker in der heißen Phase vor der Entscheidung in den Wahlkampf? Wir haben uns bei einigen Landtags-Direktkandidaten umgehört und festgestellt, dass die zur Verfügung stehenden Mittel und der Aufwand sich ziemlich unterscheiden. Eines ist jedoch den Politikern der großen wie der kleinen Parteien gemeinsam: Ihr Einsatz ist so wenige Tage vor der Wahl ungebrochen, beklagen tun sie sich nicht, aber nicht wenige gestehen: „Es geht an die Substanz“, und da ist nicht die finanzielle gemeint.

Norbert Dünkel (CSU), als MdL und früherer Bezirksrat wahlkampferprobt, hält sich ein bisschen bedeckt, was die Geldmittel angeht, die ihm zur Verfügung stehen: „Das bewegt sich schon im fünfstelligen Bereich.“ Allerdings weist der Kandidat für den Wahlkreis Nürnberger Land darauf hin, dass man in diesem Jahr auf kostenintensive Werbemittel wie Großflächenplakate verzichtet habe. So manche Aktion zahlt er aus eigener Tasche. „Wenn man sieht, wie viele Menschen sich da auf vielfältige Weise einbringen, ist es das auch wert“, urteilt er und erinnert sich an die Wahl vor fünf Jahren, wo er persönlich mehrere tausend Euro ins Budget einfließen ließ.

Der Zeitaufwand für politisches Engagement nehme vor der Wahl natürlich zu, in erster Linie durch die vielen Informations- und Diskussionsabende. Dazu kommen noch weitere Veranstaltungen wie Festabende, Ehrungen, Einweihungen, Firmengespräche oder Besuche bei sozialen Einrichtungen, die er durch seine Abgeordnetentätigkeit ohnehin absolvieren muss. Da kommen leicht an einem Samstag bis zu vier, fünf Termine zusammen. Als erfahrener Wahlkämpfer versucht er sich bereits vor der heißen Phase mit Sport „fit für den Endspurt“ zu machen. Richtig entspannen kann er beim Kochen oder bei kleinen Wanderungen mit seiner Frau.

Wahlkampf als Fulltime-Job

Kerstin Gardill (SPD), die für den Wahlkreis Nürnberg Ost kandidiert und damit auch für Feucht zuständig ist, kann zusammen mit ihren drei anderen Nürnberger Kandidaten über 200.000 Euro verfügen, eine Summe, die von der SPD Nürnberg zur Verfügung gestellt wird. Davon finanziert sie Flyer, Plakate, kleinere Werbemittel und natürlich Veranstaltungen, auf denen sie die Bürger informiert, aber auch Zeitungsanzeigen.

Wie viel sie aus ihrem eigenen Budget zuschießt, lässt sich schwer sagen. Allein dadurch, dass sie sich für die acht heißesten Wahlkampfwochen von ihrem Beruf freistellen hat lassen, engagiert sie sich ja bereits finanziell gewaltig. Dies sei eine „bewusste Entscheidung“ gewesen, so die allein erziehende Mutter zweier Kinder. Anders hätte sie die Wahlkampfarbeit und das Private wohl nicht unter einen Hut gebracht. Auf eigene Kosten gehen aber zum Beispiel auch die hohen Benzinrechnungen, die entstehen, weil sie sehr viel im Stimmkreis unterwegs ist.

„Momentan entspricht der zeitliche Aufwand einem Fulltime-Job“, findet sie und erinnert sich an den vergangenen Samstag, an dem sie locker 13 Stunden auf Achse war. Gerade jetzt, so kurz vor dem entscheidenden Sonntag, will sie noch so viele Menschen wie möglich erreichen und hat sich auf einen Tür-zu-Tür-Wahlkampf eingelassen. Viel Zeit für Erholung ist gerade nicht möglich, aber eine Runde Joggen am Morgen, manchmal mit der Mama, macht den Kopf frei.

Viel aus eigener Tasche bezahlt

Für die Freie-Wähler-Kandidatin fürs Nürnberger Land, Angelika Feisthammel, sieht das mit der finanziellen Ausstattung ganz anders aus. „Wir legen alle selber dazu“, weiß sie von ihren Parteikollegen. Die Hälfte der Kosten kommt vom Kreisverband – eine mittlere vierstellige Summe –, sie selber ist noch einmal mit 1000 Euro aus eigener Kasse dabei, ebenso ihr Burgthanner Ortsverband.

Nicht mit eingerechnet sind da aber noch etliche Posten, die ebenfalls aus eigener Tasche gezahlt werden: Flyer und Postkartenwerbemittel sowie Magnetschilder, die auf den Wagen der eigenen Firma für sie Reklame machen. Da die Freien keinen Etat wie die großen Parteien haben, müssen sie alles in Eigenregie machen und sind froh, dass es ehrenamtliche Mitglieder gibt, die sich des Wahlkampfmanagements annehmen, wie ihr dritter Kreisvorsitzender Martin Maier.

Bis zum Sommer war vom Wahlstress noch nicht viel zu spüren. „Da war alles noch entspannt“, erinnert sie sich. Ab Juli hat das Tempo dann angezogen, und in den letzten zwei Monaten haben sich Podiumsdiskussionen und die Arbeit an den Wahlständen an den Wochenenden deutlich intensiviert. Zehn Stunden pro Woche ist sie locker unterwegs, die Vorbereitungen zu Hause nicht mitgerechnet. Regenerieren kann sie sich beim Gassigehen mit dem Hund, außerdem macht ihr der Kontakt zu den Menschen so viel Freude, dass er die Wahlkampfhektik leicht überwiegt.

Erholung ist Mangelware

Gabriele Drechsler, Grünen-Direktkandidatin im Nürnberger Land, erklärt, dass ihr Wahlkampf ganz regulär durch die so genannte staatliche Teilfinanzierung des Deutschen Bundestags bezahlt wird. Weitere Mittel kommen aus parteiinternen Rücklagen wie Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Mandatsträgerabgaben. Zur Höhe möchte sie keine Angaben machen. Sie fließen in die üblichen Werbemittel wie Plakate, Flyer, Give-aways, aber auch Veranstaltungen, Anzeigen und die Erstwählerbriefe.

Auch sie greift in bestimmten Situationen zur Wahlkampffinanzierung in den eigenen Geldbeutel. An einen hohen Zeitaufwand für politische Arbeit ist sie als Kreis- und Fraktionssprecherin ihrer Partei gewohnt, aber als „Landtagskandidatin hat sich das jetzt noch erhöht“. Weil sie als Selbstständige viel auch während ihrer Arbeitszeit erledigen kann, ist ihr zeitlicher Aufwand nicht so genau zu erfassen. Auf die Frage, wie sie sich vom Wahlkampfstress erholen wolle, antwortet sie ehrlich: „Das frage ich mich im Moment auch.“ Gedanken hierzu will sie sich erst nach der Wahl machen.

Wahlkampf privat finanziert

Andreas Brandl, der als stellvertretender Vorsitzender für die Partei für Franken in den Landtag will und im Stimmkreis Nürnberger Land kandidiert, gehört jenen kleineren Parteien an, für die es finanziell eher klamm zugeht. 2013 habe man den Wahlkampf komplett privat finanziert. Dieses Jahr hat man sich auf neutrale Plakate geeinigt, die die Partei als solche bewerben und dann auch vom Kreisverband Nürnberg bezahlt werden. Dazu kommen allerdings noch Poster, die dann selbst finanziert werden müssen. Brandl hat 200 Euro allein in eigenes Plakatmaterial investiert, dazu kommen aber noch die Kosten für einen professionellen Fotografen und die üblichen Ausgaben, etwa für Anzeigen in der Zeitung.

Auch sein Zeitaufwand hat sich in den vergangenen Wochen intensiviert. Kürzlich war man einen kompletten Tag allein für das Hängen der Plakate unterwegs, an weiteren vier Abenden dauerte das Engagement bis weit in die Nacht. Hinzu kommen Infoveranstaltungen, bei denen sich die Wochenstunden schnell addieren. Erholung findet der Franken-Kandidat beim Sport und in der Familie, wo er es immer noch kurzfristig schafft, sich eine Auszeit von der Politik zu nehmen. Und wenn der Wahlkampf vorbei ist, freut er sich schon auf einen Wellness-Aufenthalt mit seiner Frau.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler