Röschke-Brüder veranstalten neuen Nürnberger Opernball

„Es wird glamourn…“

Am Freitag, 15. September, ist es soweit – dann verwandelt sich das Opernhaus zum Ort einer rauschenden Ballnacht. | Foto: roeschke & roeschke2017/08/Opernhaus.jpg

BRUNN/NÜRNBERG – Am Waldweg zwischen dem Dörfchen Brunn und dem Weiler Netzstall steht sie, die Bank, auf der Simon und Andreas Röschke die Sache beschlossen. Vor fast zwei Jahren war das, kurz nachdem sie einen Anruf aus dem Vorzimmer des Staatstheaterintendanten Peter Theiler bekamen. Heute steht der Nürnberger Opernball am Freitag, 15. September, kurz bevor – und die gute alte Brunner Bank noch immer an Ort und Stelle.

Gut, dass sie da steht, die Bank. Mag sein, dass es zu weit geht, zu behaupten, ohne dieses hölzerne Sitzmöbel hätte es keinen neuen Opernball gegeben. Doch: Wenngleich ihr Part nicht ganz so groß sein mag, ist sie kein austauschbares Requisit. Sie trägt die beiden Brüder Andreas und Simon Röschke, wenn sie hier auf einem ihrer Spaziergänge durch den Lorenzer Reichswald rasten – und ermöglicht ihnen einen neuen Blick auf ihr derzeit größtes Projekt: Die Organisation des Nürnberger Opernballs.

Diesen Ort der Ruhe und Inspiration können die Agentur-Chefs gut gebrauchen seitdem sie dem Staatstheater ihre Zusage gaben. Einiges war zu überdenken und zu überarbeiten. Bevor die Brüder Röschke übernahmen, hatte der Opernball jahrelang rote Zahlen geschrieben. Immer mehr Sponsoren waren abgesprungen, zuletzt lagen die Verluste im sechsstelligen Bereich. Die Kosten trug die Stiftung Staatstheater, was dem Ball in der Öffentlichkeit das Image der Steuergeldverschwendung einbrachte. Um ihm wieder zu Ansehen zu verhelfen, überarbeiteten die Röschkes sein Konzept, drehten vor allem an zwei Stellschrauben. Zwei Jahre lang klapperten sie mögliche Sponsoren und Partner ab. Der neue Opernball ist komplett privatwirtschaftlich. Und er soll kein Event für einen abgeschlossenen Zirkel sein, sondern ein Fest für alle.

Agentur trifft Opernball

„Wir haben etwas gemacht, was wir sonst nur für unsere Kunden machen“, sagt Simon Röschke. „Wir haben die Markenkernwerte des Events herausgearbeitet.“ Auf diese fünf Eigenschaften kamen die Kreativen: fränkisch, unterhaltend, hochwertig, umfassend und wohltätig. Röschke erklärt. Fränkisch: „Da meinen wir jetzt keine Butzenscheibenromantik.“ Stattdessen fallen Begriffe wie „klassisch, authentisch, modern, verwurzelt“.
Unterhaltend: Es dürfe keine Langeweile aufkommen. Moderation, Tanz, Showacts und alle weiteren Programmpunkte seien aufeinander abgestimmt. Hochwertig die Produkte – von den Weinen, über die Drucksachen bis hin zur Arbeit aller Beteiligten. Umfassend heiße, dass alle Gruppen sich gleichermaßen eingebunden fühlen sollten. „Wir haben uns in jeden möglichen Gast hinein versetzt und überlegt, wie so ein Abend für diesen Gast aussehen muss.

Karten für den Opernball gibt es in unterschiedlichen Preiskategorien. Neu ist das eintrittfreie Opern-Air-Fest mit eigener Band und Moderation und einem Auftritt von Klasssik-Star Tianwa Yang. Mit dem Opern-Air wollen die Veranstalter an die Tradition anderer kostenloser Freiluftveranstaltungen in Nürnberg wie dem Klassik-Open-Air oder dem Bardentreffen anknüpfen. Die Idee des Opernballs für alle passt auch zum Konzept des neuen Staatstheaterintendanten ab 2018. Bereits 2016 hatte Jens-Daniel Herzog auf einer Pressekonferenz das Stichwort „Oper für alle“ gebracht.

Die Idee der Röschkes: „Die ganze Stadt feiert für die ganze Stadt.“ Wieso für die ganze Stadt? Hier kommt der fünfte Aspekt ins Spiel, die Wohltätigkeit: „Wir nehmen zehn Prozent aller Einnahmen, die wir an diesem Abend generieren, packen die Erlöse der Tombola dazu und hoffen auf einen höheren fünfstelligen Betrag, den wir dann aufteilen auf zehn gute Zwecke.“ Welche diese guten Zwecke sind bestimmen Charity Paten, zehn Nürnberger Persönlichkeiten, die die Agentur in Kürze bekannt geben will.

Warum machen die Röschkes das? Und warum die Röschkes und keine andere Agentur? Als der Wirtschaftsinformatiker Simon und sein Bruder Andreas, Grafikdesigner, vor zehn Jahren ihr Unternehmen gründeten – in einem Keller mit Laptop und Telefon-, erkannten die beiden schnell, worauf es in Nürnberg ankommt: Auf das Netzwerken, das meist auf Veranstaltungen gepflegt wird. Um diese Idee auf die Spitze zu treiben und eine ganz besondere Plattform zu schaffen, gründeten sie vor sieben Jahren den heute sehr erfolgreichen Ball der Unternehmer. Vor vier Jahren übernahmen sie zudem den Ball der Genüsse. Die Röschkes sind mittlerweile Experten auf dem Gebiet der Bälle. „Mich fasziniert schon immer diese spezielle Stimmung. Das ist ein bisschen wie Weihnachten,“ sagt der Wahl-Brunner Simon und deutet auf ein Foto vom Ball der Genüsse, auf dem ein lila leuchtender Raum voller schicker Menschen zu sehen ist.

Große Namen

Für den Opernball konnten die Brüder große Namen gewinnen. Neben Echo-Preisträgerin Tianwa Yang tritt Eurovision Songcontest Siegerin Lena Meyer-Landrut auf, die Moderation übernimmt Showmaster Jörg Pilawa.

Schirmherren sind Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly und Bayerns Finanzminister Markus Söder. Auch einige Prominente aus ganz Deutschland hätten zugesagt. Wer genau kommt, will Röschke noch nicht verraten, sagt aber soviel: „Es wird glamourn…“ – und kreiert damit womöglich das passende Verb zur Ballneuschöpfung.

Simon Röschke wirft einen Blick aus dem Fenster des Besprechungsraums der Nürnberger Agentur-Räume. Auf der anderen Straßenseite steht die Burg. Auf der Fensterbank stehen exklusive Weine, die er und seine Mitarbeiter für die Galagäste durchprobieren. Auf dem Tisch liegt ein großer Plan des Opernhauses. In einer Ecke des Raumes steht das Logo: Zwei Hände unter dem Opernballschriftzug, die ineinander greifen: Eine Aufforderung zum Tanz, eine helfende Hand.

Viel Detailarbeit steht noch an, die Produktion des Opernball-Magazins, das Finalisieren der Menüs, Briefings aller Mitarbeiter. Am 6. September beginnt der große Opernhaus-Umbau. Ein Stahlgerüst wird in den Orchestergraben gestellt, die komplette Lessingstraße zwischen Opernhaus und Deutschem Hof gesperrt, damit die Winterhütten, die anschließend zum Flughafen geliefert werden, dort als 300 Quadratmeter Genussmeile für die Flanierkartengäste Platz finden.

Seinen Platz wird Simon Röschke morgen früh vermutlich wieder auf der Bank zwischen Brunn und Netzstall finden. „Ich gehe in letzter Zeit wieder öfter laufen“, sagt er. „Wenn ich da dann vorbei komme, setze ich mich und genieße den tollen Blick. Das erdet. Da kann ich Kraft schöpfen.“

Der Nürnberger Opernball findet am Freitag, 15. September, im und um das Opernhaus statt. Zwei Drittel der Karten (Gala und Flanier) sind bereits verkauft. Karten und weitere Informationen gibt es auf www.opernball-nuernberg.de

N-Land Julia Hornung
Julia Hornung