Fakten zum Kreishaushalt 2017

Ein Jahr zum Durchschnaufen

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NÜRNBERGER LAND — Der Haushalt 2017 sei „solide finanziert“, bilanziert Kreiskämmerer Werner Rapp. Landrat Armin Kroder spricht gar von einem „Kraftpaket ohne neue Schulden“. In der Tat: Der Landkreis investiert kräftig, hat konstant steigende Ausgaben für Sozial- und Jugendhilfe und schafft es trotzdem, die Pro-Kopf-Verschuldung bei 252 Euro pro Einwohner zu halten.

Zum ausführlichen Bericht über die Debatte um Personalmehrungen im Amt sowie die Kreisumlage geht es hier.

Zu tun hat dies aber vor allem mit der guten Konjunktur – die Gemeinden nehmen derzeit deutlich mehr Steuern als in den Vorjahren ein und reichen dieses Plus über die Kreisumlage an den Landkreis weiter. 2016 flossen auf diesem Weg noch rund 78,9 Millionen in Rapps Kasse, 2017 sind es voraussichtlich 85,9 Millionen – bei gleich bleibender Umlage.

Die Aussichten für die nächsten Jahre sind nicht annähernd so rosig. Bis 2020 rechnet der Kämmerer mit einem „Fremdmittelbedarf“ von rund 21 Millionen Euro. Die Schulden werden also wieder steigen, von aktuell 41,8 Millionen auf dann wohl über 50 Millionen Euro. Grund dafür sind die nächsten großen Brocken auf der langen Liste der Schulhaussanierungen. Alleine das Gymnasium in Altdorf, das praktisch neu gebaut werden muss, wird bis 2022 geschätzte 36 Millionen Euro kosten. Das wäre dann die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Landkreises.

Das Altdorfer Schulhaus steht auch 2017 schon im Haushalt, ebenso wie die Fertigstellung der neuen Dreifachturnhalle in Altdorf, die Sanierung der Laufer Realschule und des Röthenbacher Schulzentrums. Auch die ersten Planungskosten für den Neubau des Hallenbads in Röthenbach sind vorgesehen. 58 Prozent der Investitionen – rund 12 Millionen Euro – fließen laut Rapp in Schulen.

Mit einem Gesamtvolumen von 203 Millionen Euro ist der Etat der größte bisher dagewesene. „Er ist mit seinen Aufgaben gewachsen“, sagt der Landrat. Die mit Abstand größte Aufgabe ist nach wie vor das, was im Behördenjargon „Soziale Sicherung“ heißt, also Sozial- und Jugendhilfe. 47 Prozent des gesamten Verwaltungshaushalts, das heißt der laufenden Ausgaben des Landkreises, werden in diesem Jahr hierfür aufgewendet – knapp 58 Millionen Euro.

Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger nimmt laut Verwaltung stetig zu. „Dies deutet einerseits auf eine ‚verhärtete‘ Arbeitslosigkeit hin und spiegelt andererseits den verstärkten Zugang anerkannter Asylbewerber in den Arbeitslosengeld-II-Bezug wider“, heißt es. Immerhin: Die etwa 34 Millionen Euro, die der Landkreis 2016 für die noch nicht anerkannten Asylbewerber ausgegeben hat, erstattet der Freistaat komplett.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel