Aber keine großen Schäden im Landkreis

„Egon“ hielt Feuerwehren in Atem

Den wohl höchsten Einsatz hatte die Röthenbacher Feuerwehr auf dem Hochhaus in der Friedrich Wittmann-Straße. Hier hatte der Sturm das Dach abgedeckt. | Foto: Fischer2017/01/sturm-hochhaus-dach-rothenbach-totale.jpg

NÜRNBERGER LAND (fi) — Relativ glimpflich kam das Nürnberger Land beim Sturm am Freitagmorgen davon, auch wenn die Feuerwehren Dutzende von Einsätzen zählten. So wurden keine Personen verletzt, es gab keine Verkehrsunfälle und die Sachschäden halten sich in Grenzen. Vereinzelt waren Straßen wegen umgestürzter Bäume gesperrt, in Schönberg und im Krankenhaus Lauf gab es einen Stromausfall. Den spektakulärsten Einsatz verzeichnete die Feuerwehr Röthenbach, im Stadtteil Seespitze wurde ein Teil des Flachdaches am Hochhaus abgedeckt.

Die Röthenbacher Feuerwehr war alarmiert worden, weil Dämmplatten und Bitumenbahnen in die Grünanlage um das zwölfstöckige Hochhaus in der Friedrich-Wittmann-Straße gestürzt waren. Als die Feuerwehr eintraf, stellte sich heraus, dass der Sturm die gesamte, etwa 50 Quadratmeter große Eindeckung des über das Dach hinaus ragenden Aufzuggebäudes abgerissen hatte. Der massive schwere Verbund aus Dämmplatten, mehreren Schichten Bitumendichtbahnen und Metalleinfassungen hob ab, überschlug sich und landete zur Hälfte auf dem eigentlichen Hochhausflachdach. Die andere Hälfte kippte über den Dachrand und hing mehrere Meter an der Hauswand herunter. Davon lösten sich auch immer wieder Teile, die zu Boden stürzten.

Die Feuerwehr sperrte den betroffenen Bereich um das Hochhaus ab und zerlegte vorsichtig die auf dem Dach liegenden Teile. Weil die über den Rand hängenden rund 25 Quadratmeter Dachfläche viel zu schwer zum Heraufziehen waren, erreichte man so einen kontrollierten Absturz in die vorher gesperrte Grünzone. Über Lautsprecher waren zuvor auch einige schaulustige Bewohner von ihren Balkon zurück ins Haus geschickt worden. Direkt nach dem Feuerwehreinsatz war auch schon der Dachdecker vor Ort.

Neben dem Hochhauseinsatz musste die Röthenbacher Feuerwehr noch einen umgestürzten Baum Richtung Himmelgarten beseitigen und mehrere provisorische Reparaturen an Dach- und Kamineinblechungen vornehmen.

Am Erbsenboden in Lauf musste ein Stadtbusfahrer selbst Hand anlegen, um die Straße von einem umgestürzten Baustellenzaun freizuräumen.
Am Erbsenboden in Lauf musste ein Stadtbusfahrer selbst Hand anlegen, um die Straße von einem umgestürzten Baustellenzaun freizuräumen. | Foto: Fischer2017/01/sturm-baustelle-stadtbus-2.jpg

 

Elf Einsätze beschäftigten die Laufer Feuerwehr im Stadtgebiet. Im Krankenhaus Lauf blieb eine Frau wegen eines Stromausfalls im Aufzug stecken. Sie konnte aber befreit werden und ist wohlauf. In der Christian-Schwab-Straße fiel ein Baum auf ein Auto. In der Wiesenstraße und in der Straße Am Bitterbach stürzten Bäume auf Häuser und forderten Feuerwehr und das Technische Hilfswerk.

Sturmböen rissen das Blechdach eines Wohnhauses an der Urlasstraße teilweise los. Gegen 8.50 Uhr rückte erst die Feuerwehr an, die aber zu einem weiteren Einsatz gerufen wurde. Daraufhin übernahm der Laufer Ortsverband des Technischen Hilfswerks. Da die Einsatzkräfte befürchteten, dass der Wind das Dach endgültig wegwehen könnte, wurde die Urlasstraße zwischen den Einmündungen zur Lilienstraße und zur Urlashöhe gesperrt, ebenso die Gehwege. „Das Dach hätte auch auf die Gleise geweht werden können, deswegen mussten die Züge ihre Geschwindigkeit auf zehn km/h reduzieren“, sagte Florian Seitz, der Einsatzleiter des THW.

Das THW reparierte in der Urlasstraße ein Dach.
Das THW reparierte in der Urlasstraße ein Dach. | Foto: Cichon2017/01/Sturm-Einsatz-THW-Lauf-Urlasstrasse.jpg

 

Die etwa 15 Einsatzkräfte des THW versuchten das Blech mit Holzlatten provisorisch wieder festzunageln. Gegen 10.30 Uhr verschafften sich Dachdecker einen Überblick über die Situation auf dem Dach
Auch zu einem Wasserschaden wurde die Feuerwehr gerufen. Der Vorfall am Mangplatz stellte sich aber als Kleinigkeit heraus. Zudem mussten in Lauf drei Bäume von Straßen geräumt werden. Auch in Oedenberg und Günthersbühl war jeweils ein Baum auf die Straße gestürzt und wurde von den dortigen Feuerwehren beseitigt.

Im Röthenbacher Ortsteil Rockenbrunn fiel ein mächtiger Baum um und verfehlte die angrenzende Gaststätte nur ganz knapp. Wegen umgestürzter Bäume rückten auch die Feuerwehren Behringersdorf, Schwaig, Haimendorf, Diepoltsdorf, Günthersbühl, Speikern und Röthenbach aus. Verletzt wurde niemand, auch sturmbedingte Verkehrsunfälle gab es nicht, wie die Laufer Polizei mitteilte.

Einige Bäume fielen auf Autos, wie hier in Lauf.
Einige Bäume fielen auf Autos, wie hier in Lauf. | Foto: Feuerwehr2017/01/sturm-egon-lauf1.jpeg

 

Im Dauereinsatz waren auch die Techniker der N-Ergie. Ein Sturmschaden an einem Freileitungsmasten führte unter anderem zu einem dreistündigen Stromausfall in Schönberg und am Moritzberg. Ab 6.13 Uhr war der Strom in vielen Haushalten weg, um 9.19 Uhr waren die meisten Anwohner wieder am Netz, wie Annemarie Endner, die stellvertretende Pressesprecherin des Energieversorgers berichtet. Von Stromausfällen betroffen waren im Nürnberger Land außerdem unter anderen Happurg, Mimberg, Unterferrieden und Guntersried.

„Die erste Störungsmeldung kam um 3.13 Uhr“, sagt Annemarie Endner. Danach habe man den Verlauf der Sturmfront von West nach Ost, vom Main-Tauber-Kreis bis ins Nürnberger Land, anhand der eingehenden Meldungen in der Netzleitstelle regelrecht nachverfolgen können. Im Normalfall können Kunden dank des redundanten Systems nach einer kurzen Unterbrechung über andere Leitungen versorgt werden. Nur in manchen Fällen dauert es länger. „Wir waren seit Donnerstagabend in Alarmbereitschaft und hatten unser Personal verstärkt. Etwa 25 Leute waren draußen am Arbeiten“, so Endner. Die meisten Einsätze fielen in die frühen Morgenstunden, danach wurde es wieder ruhiger.

Bis 9 Uhr morgens war die Gräfenberg-Bahnstrecke wegen eines umgestürzten Baumes im Gleisbett zwischen Heroldsberg und Eschenau gesperrt. Den ganzen Tag über kam es zu Verspätungen und Zugausfällen.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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