Milcherzeugergemeinschaft Simmelsdorf eG zog Bilanz für 2016

Durch Liefervertrag gut abgesichert

Hermann Waiz aus Rasch und Gerhard Ritter (v.l.) wurden aus dem Aufsichtrsrat der Milcherzeugergemeinschaft Simmelsdorf verabschiedet. Reinhard Endres (2.v.r.) erhielt als Vorstand die Bestätigung. | Foto: Märtl2017/04/milch_simmelsdorf.jpg

NÜRNBERGER LAND – Verhaltener Optimismus bei den Milchbauern im Nürnberger Land: nach einem Jahr mit Milchpreisen auf historischem Tiefstand geht es langsam wieder aufwärts.

Wir müssen aus den herrschenden Rahmenbedingungen das Beste machen“, betonte der Vorstand der Milcherzeugergemeinschaft Simmelsdorf eG, Reinhard Endres, bei der diesjährigen Generalversammlung im Wollner-Saal in Heuchling. Dass man die richtigen Weichen stellt und die Stimmung gut bleibt, wünschte Landrat Armin Kroder und schrieb denen, die viel verlangen, ins Stammbuch, dafür auch die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Den Verbrauchern legte er ans Herz, regionale Erzeugnisse zu bevorzugen und dafür auch faire Preise zu akzeptieren.

Dies bekräftigte auch Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf, der den Milchbauern wünschte, dass die positive Entwicklung anhält. Die Arbeit müsse nicht nur gerecht entlohnt werden, sondern auch die nötige Anerkennung und Wertschätzung erfahren.

Der Geschäftsführer der Milcherzeugergemeinschaft Simmelsdorf eG, Frank Siebinger, musste vermelden, dass der Strukurwandel auch im Nürnberger Land voranschreitet und  die Zahl der Mitglieder von 193 auf 189 gesunken ist. Relativ stabil bleibt die an die Privatmolkerei Bechtel in Schwarzenfeld gelieferte Milch mit 62 Millionen Kilogramm.

Der in seinem Amt bestätigte Vorsitzende der Milcherzeugergemeinschaft, Reinhard Endres, zeigte sich zumindest darüber zufrieden, dass man durch den im Jahr 2014 abgeschlossenen Liefervertrag, der bis 2020 läuft, gut abgesichert sei.

Mit Preisen nach oben

Zwar habe man das Tief des Milchpreises aus dem Jahr 2016 hinter sich, aber es sei nicht ausreichend, diese Spuren zu beseitigen. Sein klares Credo: „Wir müssen mit dem Preis weiter nach oben.“ In der laufenden Auszahlung liege man in den ersten drei Monaten dieses Jahres bei einem durchschnittlichen Grundpreis von 33,25 Cent pro Liter.

Wie sich die Preise weiter entwickeln werden?  Rene Guhl, Chef der Privatmolkerei Bechtel aus Schwarzenfeld, äußerte sich optimistisch. Er erwartet zwar keine einheitliche Marktlage, aber auf das Jahr gesehen höhere Milchpreise als im Vorjahr.

Durch das verringerte Angebot – sinkendes Milchaufkommen und Intervention – habe sich gegen Jahresende 2016 der Markt stabilisiert und Preiserhöhungen ermöglicht. Allerdings sei die Weltmarktnachfrage etwas langsamer wachsend als vor wenigen Jahren erwartet.

Das Thema Tierwohl nahm in den Berichten einen breiten Raum ein. Für Reinhard Endres reden bei diesem Thema zu viele mit, die keine Ahnung haben. Zumindest sei das geplante rigorose Verbot der Anbindehaltung vom Tisch. Was das allein für den Landkreis Nürnberger Land mit seiner kleinräumigen Struktur bedeutet hätte, machte Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf deutlich, denn in 70 Prozent aller Betriebe im Nürnberger Land werde noch Anbindehaltung praktiziert.

„Zahlen über Durchschnitt“

Mit dem nun gefundenen Kompromiss „Freiwilligkeit vor Ordungsrecht“, so Reinhard Endres könne man leben.  Zwiespältig auch das Lidl-Programm „Ein gutes Stück Heimat“, an dem sich auch Milchbauern der Erzeugergemeinschaft Simmelsdorf beteiligen. Viel sagen, die Auflagen wären zu hoch, aber Fakt bleibe, so Endres, dass das Programm frewillig sei und der Grundmilchpreis nicht angetastet wird.

Seitens der Privatmolkerei Bechtel widersprach Georg Müller der Darstellung, dass Bechtel im Vergleich mit anderen Molkereien einen schlechten Milchpreis bezahle. Dies sei nicht richtig, denn die Nachzahlung relativiere diese Darstellung. Ein juristisch belastbarer Vergleich zeige eindeutig, dass Bechtel über dem Durschschnitt bezahle. Vergleichspreise müsse man jeweils über einen Zeitraum von fünf Jahren betrachten und da liege man in den letzten zehn Jahren bei einem Durchschnitt von 33,73 Cent pro Liter.  Auch für das vergangene  Jahr werde es noch eine Nachzahlung geben.

Derzeit liefern sieben Erzeugergemeinschaften Milch nach Schwarzenfeld. 20 Milcherzeuger, davon fünf bei der MEG Simmelsdorf, haben 2016 aufgegeben.

Er kündigte an, dass man das System der elektronischen Milchgeldzahlung weiter ausbauen werde und auch verstärkt auf das angelaufene Milchmanagement-System setze. Sein Appel lautete: „Mitmachen. Helfen sie, dass wir ihnen auch künftig den Vertrag bieten können.“ Bechtel-Geschäftsführer Rene Guhl warb für eine weitere enge Partnerschaft und erörterte die vielfältigen Anstrengungen der Molkerei im Hinblick auf Qualität, Innovation und Expansion.

Ausführlich befasste sich abschließend der Milchpräsident des Bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner, mit den verschiedenen Facetten der Thematik. Man müsse sich vor allem auf das veränderte Umfeld einstellen. Felßner warb erneut für die Bündelung der Kräfte um bestehen zu können. „Gemeinsam ist immer besser als gegeneinander“, sagte Felßner.
Neu- und Nachwahlen

Aus dem Aufsichtstrat wurden Hermann Waiz und Gerhard Ritter verabschiedet, da sie ihre Betriebe übergeben haben. Bei den fälligen Neuwahlen wurden Hans Kunz, Ullersberg, Siegfried Redel, Stadelhofen, Christian Waiz, Rasch, Stefan Strobel, Prebitz und Werner Zelter aus Afalter bestätigt, bzw. neu gewählt.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl