Zecken-Warnung

Die Gefahr aus dem Gestrüpp

Nach einem Zeckenbiss: vorsichtig mit einer Pinzette entfernen, die Einstichstelle beobachten und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen. | Foto: Fotolia2018/06/NL-Zecke-Fotolia.jpg

NÜRNBERGER LAND – Fast könnte man bei diesem Thema aus dem Silvester-Klassiker „Dinner for one“ zitieren: „The same procedure as every year“. Denn wird es draußen wärmer, steigt die Zeckengefahr. Doch das liegt nicht nur an einer Vermehrung der Tierchen, sondern vor allem am Verhalten der Menschen.

„Die Leute werden jetzt öfter gebissen, weil sie mehr draußen sind, und das auch noch leichter bekleidet“, erklärt Dr. Uwe Drochner vom Gesundheitsamt am Laufer Landratsamt. Im Prinzip könnte man sich eine Zecke auch im Januar einfangen, vor allem, weil die Winter immer milder werden und die Blutsauger dadurch besser überleben, so Drochner.

Denn die zur Ordnung der Milben gehörenden Tiere mögen Wärme, zu lange Trockenheit tue ihnen aber nicht so gut, weiß Herbert Niedermayer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Hersbruck: „An sich sind Zecken gegenüber der Witterung recht resistent.“

Büsche meiden

Der Forstfachmann hat den Eindruck, dass die Zeckengefahr nicht so schlimm ist, wie die vergangenen Jahre. „Aufpassen sollte man grundsätzlich, wenn es feucht ist und der Tau frisch in den Gräsern hängt“, warnt Niedermayer. Besonders gerne halten sich Zecken nämlich in kniehohem Gestrüpp auf: „Am ehesten sind sie in einer 80 Zentimeter bis ein Meter hohen Krautschicht zu finden.“ Diese Flecken sollte man zum eigenen Schutz umgehen, rät er. Offener Waldboden oder naturverjüngte Bereiche seien dagegen weitaus weniger gefährlich.

Haustiere als Zeckentaxi

Für Haustierhalter lauert die Gefahr allerdings auch im eigenen Haus oder Garten. Hunde und Katzen bringen oft Zecken von ihren Streifzügen oder dem letzten Spaziergang mit nach Hause. Das durchs hohe Gras und Gebüsch streifende Fell der Tiere eignet sich ideal als Zeckentaxi. Hat sich der Parasit noch nicht festgebissen, kann er leicht, zum Beispiel beim Streicheln, von seinem vierbeinigen Wirt zu dessen Besitzer wechseln.

Auch ist Vorsicht bei bereits voll gesogenen Zecken geboten, die vom Wirtstier abgefallen sind. Diese werden sich, nachdem sie das eingesaugte Blut verdaut haben, nach einer neuen Nahrungsquelle umsehen. Sie sollten dementsprechend entsorgt werden.

Überträger von Krankheiten

Zecken sind Überträger von Krankheiten. Die häufigste Ansteckung beim Hund sind Borreliose und Anaplasmose, letztere ist auch für Katzen gefährlich. Anders als beim Menschen gibt es für Hunde jedoch eine Impfung gegen Borreliose. Wer seine Haustiere und sich schützen möchte, sollte außerdem auf präventive Zeckenabwehr achten. „Für Hunde und Katzen gibt es behandelte Halsbänder und Spot-ons, mit denen man das Mittel direkt auf die Haut der Tiere tropft. Diese Mittel wirken abtötend oder abstoßend auf Zecken. Auch sehr wirksam sind Tabletten. Sie sind allerdings nur für Hunde geeignet und wirken stark abtötend für den Parasit“, erläutert Tierarzt Dr. Dietrich Mock aus Altdorf die Möglichkeiten.

„Hausmittel wie Zitronenöl oder Knoblauch sind nicht wirkungslos, reichen aber leider nicht für einen umfassenden Schutz aus.“ Weiterhin sei es empfehlenswert, seine vierbeinigen Mitbewohner gründlich nach Zecken abzusuchen, bevor sie wieder das Haus betreten. Dazu biete sich eine feine Bürste oder ein Flokamm besonders an. „Wer gewissenhaft vorgeht, kann dabei nach dem Spazierengehen schon mal bis zu zehn, zwölf Zecken aus dem Fell kämmen“, sagt Mock. „Das bringt dann schon was.“

Borreliose und FSME

Auch Menschen können sich durch einen unbehandelten Zeckenbiss mit Krankheiten infizieren: Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Bei letzterer, also der Hirnhautentzündung, könne es zu schweren Verläufen kommen, betont Drochner. 2017 registrierte das Gesundheitsamt fünf FSME-Fälle, 2018 war es bisher einer. Bei der Borreliose liegen die Zahlen mit 44 (2017) und fünf (2018) deutlich höher.

„Bei der Meldung der Fälle gilt das Landkreisprinzip“, klärt Drochner auf, „also nicht wo, man sich den Zecken eingefangen hat, sondern wo man wohnt“. Während man sich gegen FSME impfen lassen kann, geht das bei Borreliose nicht. „Wer viel draußen ist, sollte sich impfen lassen“, rät Drochner, „so kann man eine Erkrankung verhindern“. Und wie steht es mit der Impfmoral im Landkreis? „Das können wir nur anhand der Überprüfung bei den Einschulungskindern ablesen.“ Im Schuljahr 2014/15 waren 38 Prozent gegen FSME geimpft – das ist etwas mehr als der bayernweite Durchschnitt von 34 Prozent.

Blick in Impfpass

„Alle fünf Jahre muss der Impfschutz aber erneuert werden“, sagt Drochner und kokettiert: „Vielleicht wäre das jetzt ja mal ein Anlass, wieder ins Impfbuch zu schauen.“ Trotz Impfung sollte jeder nach seiner Zeit in der Natur den Körper auf Zecken überprüfen. Normalerweise sind die kleinen Tierchen rot-bräunlich und vollgesogen, doch auch weiße Exemplare gibt es, wie Drochner letztens selbst gesehen hat.

Wer einen Blutsauger entdeckt, sollte ihn mit Zeckenzange oder Pinzette nah an der Haut an einem Stück herausziehen, lautet der Tipp von Drochner. Und dabei nicht lange warten: „Je länger eine Zecke saugt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheitserreger übertragen werden.“

Andrea Pitsch/ Magdalena Mock

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