Müllvermeidung: Kreisrat Bisping stellt Landratsamt unbequeme Fragen

„Das ist ja eine Kapitulation“

Vermeidbarer Müll: Stündlich werden in Deutschland 320.000 Coffee-to-go-Becher verbraucht. | Foto: Fotolia2017/07/NL-Kaffeebecher-Fotolia.jpg
Trauerportal-Rectangle

NÜRNBERGER LAND – Im Kreisausschuss hat sich Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping (Grüne) erschrocken darüber geäußert, wie wenig präsent das Thema Müllvermeidung in der Verwaltung sei. Im Anschluss an die Vorstellung seines Sachgebiets hatte Abfallwirtschaftsleiter Michael Oberleiter die Müllvermeidung von sich gewiesen und zu einem primär politischen Thema erklärt.

Zunächst hatte Oberleiter dem Ausschuss die Arbeit seines Sachgebiets präsentiert und darin auch das Müllaufkommen pro Kopf vorgerechnet. Im Landkreis Nürnberger Land fallen jährlich 76.000 Tonnen Müll an. Das macht 480 Kilogramm pro Einwohner.

Mehr Müll als EU-Durchschnitt

Damit liegen wir deutlich über dem EU-Durchschnitt“, meinte Bisping im Anschluss an Oberleiters Ausführungen und fragte: „Wir sind führend bei der Entsorgung, aber die Abfallvermeidung haben Sie mit keinem Wort angesprochen. Was genau unternehmen Sie in diesem Bereich?“ Oberleiter verwies in seiner Antwort auf den Grundsatz „Vermeidung vor Verwertung vor Beseitigung“, schob das Thema dann jedoch der Politik zu. „Letztlich sitzen wir am Ende der Fahnenstange. Man muss bei der Wirtschaft anfangen und klare Vorgaben machen, wie zu produzieren ist.

Bisping entgegnete kopfschüttelnd: „Ich bin erschrocken. Das ist ja eine Kapitulation.“ Oberleiter wollte darauf noch reagieren und begann, von „einzelnen Projekten“ zu sprechen. Doch ehe er richtig ins Schwimmen geriet, sprang ihm Landrat Kroder zur Seite und appellierte an die Verantwortung jedes Einzelen.

Müllvermeidung: Thema für Bildungsinitiative

„Wir können Kampagnen machen und Flyer drucken, aber am Ende müssen sich die Verbraucher an die eigene Nase fassen und überlegen, wo sie was wie einkaufen“, sagte Kroder und nannte Milch von der Milchtankstelle und Coffee-to-go-Becher als Konträrbeispiele. Um junge Menschen zu sensibilisieren, könne er sich das Thema durchaus im Bereich der Initiative Bildungsregion vorstellen.

Schließlich beauftragte der Ausschuss Oberleiter damit, weitere Zahlen zum Müllaufkommen zusammenzutragen. Zum einen will der Ausschuss von ihm wissen, wie sich das Aufkommen im Landkreis entwickelt hat. Zum anderen, wie der Landkreis im regionalen und überregionalen Vergleich abschneidet.

Den Stellenwert der Müllvermeidung unterstreicht das Bayerische Abfallwirtschaftsgesetz. Darin sind fünf Ziele der Abfallbewirtschaftung definiert. Punkt 1 besagt, „den Anfall von Abfällen so gering wie möglich zu halten (Abfallvermeidung)“.

N-Land Christian Geist
Christian Geist