Amnestie für illegalen Waffenbesitz bis 6. Juli

Bloß weg mit der alten Flinte vom Uropa

Am Landratsamt in Lauf wurden seit Juli vergangenen Jahres 90 Gewehre und Pistolen abgegeben, kaum mehr als in den Jahren davor, als es keine Amnestie für illegalen Waffenbesitz gab. | Foto: Fotolia2018/01/Flinten.jpg

ALTDORF/FEUCHT -Wer Waffen aus einer Erbschaft daheim hat, ohne selbst Waffenschein-Inhaber zu sein, kann diese noch bis zum 6. Juli bei dem für ihn zuständigen Landrats
amt abgeben. Also: Schrank aufmachen, Flinten hervorholen und ab damit nach Lauf. Doch Vorsicht: Nicht selbst fahren, sondern den Transport organisieren, am besten in Absprache mit Polizei oder Landratsamt.

Seit Mitte Juli vergangenen Jahres läuft die Amnestie. In bayerischen Landratsämtern ist da in den vergangenen Monaten einiges zusammen gekommen. Die Klassiker sind die Jagdgewehre, die Bestandteile einer Erbschaft sind und mit denen die Erben dann nichts anfangen können, wenn sie nicht selbst auf die Jagd gehen. Hinzu kommen Kleinkalibergewehre und Luftgewehre, die bis 1973 von jedem, der älter als 18 Jahre war, erworben werden konnten.

Gewehre im Garten vergraben

90 Waffen, Gewehre, Revolver, Pistolen, „die ganze Palette“, erläutert Stephan Bezold vom Landratsamt in Lauf, haben Bürger im Nürnberger Land seit Juli vergangen Jahres abgegeben. Allerdings spielt dabei nach Bezolds Üerzeugung die Amnestie nur eine ganz geringe Rolle. Waffen werden nämlich immer abgegeben. Es kommt ständig vor, dass Bürger sich von Waffen trennen wollen. Manche kommen dabei auf die verrücktesten Ideen.

Eine Seniorin beispielsweise, so erinnert sich Bezold, hat die Waffen ihres Mannes nach dessen Tod im Garten vergraben. Irgendwann hat sie sie dann wieder ausgegraben und ist mit den verrosteten Gewehren zur Polizei gegangen. Ein anderer Fall: Nach einer Erbschaft wollte eine Frau einen Revolver unbedingt loswerden und warf ihn kurzerhand in den Hausmüll. Oder der Fall der fürsorglichen älteren Dame, die ihrer Enkelin einen von ihrem verstorbenen Mann geerbten großkalibrigen Revolver schenkte – obwohl die Enkelin weder Waffenschein, noch Waffenbesitzkarte hatte.

Die Hürden für den Besitz eines Waffenscheins sind sehr hoch. Im Nürnberger Land (168.000 Einwohner) haben den Schein derzeit nur 45 Personen. 5.376 Männer und Frauen haben eine Waffenbesitzkarte, die meisten sind Jäger und/oder Sportschützen.

Schärferes Waffengesetz

Als der Gesetzgeber 2017 die ein Jahr lang laufende Amnestie für Besitzer illegaler Waffen erließ, geschah das in Kombination mit einer Verschärfung des Waffengesetzes. Wer heute eine Waffenbesitzkarte erhält und damit das Recht, daheim Pistolen und Gewehre aufzubewahren, muss die Waffen in einem sehr viel sichereren Tresor lagern als bisher vom Gesetzgeber verlangt. Die neuen Waffentresore sind dickwandiger und viel teurer als die bisherigen. Für die alten gibt es allerdings einen Bestandsschutz.

2009 gab es bereits eine erste Waffen-Amnestie, damals als Folge des Amoklaufs von Winnenden. Diese lief ebenfalls über ein Jahr. Seinerzeit wurden die Aufbewahrungsvorschriften für Waffen schon einmal verschärft. 2009 schickten die bayerischen Landratsämter binnen Jahresfrist 18.948 abgegebene Flinten und Kurzwaffen an das für die Entsorgung zuständige Landeskriminalamt.

Waffen freiwillig abgegeben

Stephan Bezold erinnert sich, dass damals im Nürnberger Land sehr viel mehr Waffen freiwillig abgegeben wurden als bei der jetzt laufenden Amnestie. „Das war damals eine emotionale Geschichte.“ Aktuell geht es ja nur um die Änderung des Waffengesetzes.

Vor der Beseitigung der abgegebenen Pistolen und Gewehre überprüfen die Landeskriminaler diejenigen Waffen, bei denen der Verdacht besteht, dass sie im Zusammenhang mit einer Straftat stehen. Diese Pistolen oder Gewehre werden dann noch einmal abgefeuert, damit man deren individuellen „Fingerabdruck“ gewinnt. Zur Identifizierung der Waffe dient auch die Seriennummer, die aber nicht in jedem Fall vorhanden ist.

Info:

Wer sich entschließt, eine illegale Waffe abzugeben, setzt sich am besten vorher mit Stephan Bezold am Landratsamt in Verbindung (Telefon 09123/95 06 297). Einfach mit der Waffe zur Polizei zu gehen kann nämlich eine Anzeige nach sich ziehen. Bezold weiß Rat, wie man den Transport der unerwünschten Waffen zum Landratsamt organisiert.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten