Neue Regelungen im Landesentwicklungsplan: 400 Meter Abstand zu Stromtrassen

Aufatmen in der Nähe der 220kV Leitungen

Die 220 kV Leitung von Raitersaich über Ludersheim nach Sittling tangiert und durchquert unter anderem Winkelhaid, Gstainach, Ezelsdorf und Postbauer-Heng. Sie wird in den kommenden Jahren auf 380 kV aufgerüstet und muss dann einen Mindestabstand von 400 Metern zur Wohnbebauung haben. Für die Orte im Verbreitungsgebiet des Boten bedeutet das: Die Stromleitungen müssen künftig um die Orte herumgeführt werden.2016/03/netz.jpg

LUDERSHEIM/EZELSDORF/WINKELHAID – Die in der Nähe der von der geplanten Aufrüstung betroffenen Starkstromleitung von Ludersheim in Richtung Süden wohnenden Bürger können aufatmen. Heimatminister Markus Söder und Staatssekretär Albert Füracker haben gestern auf einer Pressekonferenz deutlich gemacht, dass der Landesentwicklungsplan (LEP) Bayern neue Abstandsregelungen vorsehen wird. Die sollen für ausreichend Abstand zwischen Freileitungen und Wohnbebauung sorgen.

Zum Schutz des Wohnumfeldes soll innerhalb von Ortschaften ein Mindestabstand von 400 Metern von Höchstspannungsleitungen zu Wohngebäuden oder Schulen gelten. Außerhalb von Ortschaften soll eine Mindestdistanz von 200 Metern eingehalten werden. Damit lehnt Bayern sich an die Regelungen an, die unter anderem in Nordrhein-Westfalen gelten. Bislang gab es in Bayern keine festen Mindestabstandswerte.

Keine Leitungen über Häusern

Außerdem wird als neuer Grundsatz  in das LEP eingefügt, dass Siedlungen nicht mehr mit Starkstromleitungen überspannt werden dürfen. „Neue Überspannungen über die Köpfe der Menschen hinweg soll es künftig nicht mehr geben“, so Söder. Wo bestehende Freileitungen über Siedlungen ersetzt werden, sollen diese aus dem Ort heraus gelegt werden. Damit wird im LEP nun festgelegt, was Tennet-Pressesprecher Markus Lieberknecht bereits im Februar im Gespräch mit dem Boten andeutete.

In der Region wird die Neuregelung des LEP begrüßt. So hat sich bereits die Bürgerinitiative aus Postbauer-Heng zu Wort gemeldet. „Wir sehen das auch als Erfolg unserer Bemühungen vom Dezember 2015 und Januar 2016, als wir unsere Abstandsforderungen in einem Schreiben an die Herrn Seehofer und Söder gerichtet hatten“, so der Postbauerer BI-Sprecher Dr. Jürgen Rupprecht, der sich im Namen der Bürgerinitiative ausdrücklich für die jetzt angepeilten Neuregelungen bedankt und die Unterstützung der BI zusagt.

Seit über drei Jahren ist die Bürgerinitiative Winkelhaid aktiv und registriert jetzt mit großer Freude, dass ihre Forderungen von der bayerischen Staatsregierung aufgenommen wurden. „Jetzt bekommen wir Abstandregeln wie in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen“, so der Winkelhaider BI-Sprecher Wolfgang Hermes erleichtert.

Bürgermeister zufrieden

Zufrieden sind auch die Bürgermeister der Schwarzachtalgemeinden, die einen Tag vor Söders und Fürackers Ankündigung eine Resolution gefasst hatten, in der sie genau die jetzt festgelegten neuen Abstände forderten und auch auf die gesetzliche Festlegung dieser Abstände im Landesentwicklungsplan drangen. „Das ist nun genau das, was wir mit unserer Resolution erreichen wollten“, so der Schwarzenbrucker Bürgermeister Bernd Ernstberger.

Derzeit sehen die Netzbetreiber sieben Projekte mit über 600 km Länge in Bayern vor, auf die sich die Regelungen unmittelbar auswirken. Erdverkabelung soll dabei punktuell, das betonte Staatsekretär Füracker, auch weiterhin eine Option sein. Deshalb sol auch geprüft werden, wie bestehende Infrastrukturen, zum Beispiel Autobahnrandstreifen, für Erdverkabelung bestmöglich genutzt werden können.

 

 

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten