Nürnberger Land als Outdoor- und Genussregion

Aufmerksame Zuhörer hatte inspektour-Geschäftsführer Ralf Trimborn bei der Abschlusspräsentation des Tourismuskonzepts für den Landkreis Nürnberger Land imSitzungssaal des Landratsamtes2011/11/praesentation_New_1321016714.jpg

NÜRNBERGER LAND — „Das Nürnberger Land als die Outdoor- und Genussregion ist eine deutschlandweit bekannte und geschätzte Tourismusregion, in der die Zusammenarbeit zwischen den Teilregionen funktioniert, klare Organisationsstrukturen herrschen und ein „Wir“-Gefühl bei den Dienstleistern und in der Bevölkerung besteht. Das Nürnberger Land präsentiert sich als sympathisch, ansprechend und modern und hat sich mit einer hohen Qualität und einem vielfältigen Angebot für Young und Best Ager sowie für Familien und Aktivsportler etabliert. Es wird als „grüner Garten“ vor den Toren Nürnbergs wahrgenommen und handelt umweltbewusst und nachhaltig.“ Diese Vision des Tourismus im Jahre 2020 machte inspektour-Geschäftsführer Ralf Trimborn bei der abschließenden Präsentation eines entsprechenden Konzeptes für den Landkreis Nürnberger Land den Verantwortlichen schmackhaft. Das Hamburger Tourismus- und Freizeitinstitut war vom Landkreis beauftragt, dieses wichtige Thema unter die Lupe zu nehmen und Empfehlungen auszusprechen.

Ralf Trimborn zeigte als Einstieg die aktuellen Trends in der touristischen Nachfrage auf. Vor dem Hintergrund, dass das Volumen insgesamt stabil bleibe, aber erhebliche Veränderungen in der Struktur vonstatten gehen, habe die Region die Nase vorne, die mit Qualität punkte. „Und der Kunde will umworben werden. Wer sich hier den modernen Medien verschließt, der hat schon verloren“, betonte Trimborn.

Als Merkmale der Trends und Rahmenbedingungen nannte er: sinnorientierter, gesünder, erlebnisreicher, individueller, spontaner, bequemer, sicherer, luxuriöser, billiger und klimafreundlicher.

Ganz wichtig sei die Servicequalität. Da nannte er verschiedene Stufen:„Erst wenn Basis- und Erwartzungsqualität erfüllt sind, kann Wünschenswertes und Unerwartetes zur Begeisterung des Kunden führen.“ Was Ausstattung und Service im Nürnberger Land betreffe, gebe es noch ausreichend Luft nach oben.

Im Rahmen der Untersuchung führte man verschiedene Befragungen durch.

In Hersbruck, Lauf und Altdorf befragte man Einwohner, was ihnen spontan einfällt, wenn Sie an die Frankenalb denken. Unterschiedlich gewichtet, aber überall genannt, wurden übereinstimmend Landschaft, Wandern und Kulinarik, wobei auffällt, dass in Altdorf die Frankenalb nicht einmal die Hälfte der Befragten (44 Prozent) kannte. In Hersbruck waren es 94 un d in Lauf 71 Prozent. Hoch bewertet (Hersbruck und Lauf 64 und Altdorf 67 Prozent) wird die Bedeutung des Tourismus für die Region.

Als touristische Hauptthemen der Frankenalb werden Wandern, Fahrradfahren, Regionale Kultur, Gesundheit und Kulinarik genannt.

Die Zukunft sehen die Befragten im sanften Tourismus, wobei für die Entwicklung der Region besseres Marketing, eine Verbesserung des Angebots für Jüngere und der ÖPNV genannt werden. Aus den Expertengesprächen kristallisierte sich heraus, dass die Frankenalb ein Geheimtipp für Natur und Essen ist, eine interessante und abwechslungsreiche Radregion mit guter Anbindung an Nürnberg ist, ein positives Image im Bereich Wandern hat, gut für aktive Gäste und Entdecker ist und als Bereich gesehen wird, der charmant ist und entdeckt werden will.

Keine geschlossene Region

Deutlich wurde aber auch, dass der Begriff Frankenalb nicht so bekannt und noch immer keine geschlossene Tourismusregion (Altlandkreise) ist.

Aufgrund des Namens sei die Frankenalb „nur schwer zu verorten“, weil die deutliche Positionierung fehle. Andere nannten die Region „unprofessionell und hausbacken“, „unscheinbar und werbetechnisch verstaubt“.

Bei der Bewertung der verschiedenen Aspekte bekamen das Preis-Leistungs-Verhältnis, Natur- und Landschaft und die Gastronomie die besten Noten.

Überrascht war man von der hohen Rücklaufquote der Online-Dienstleisterbefragung. Von insgesamt 700 Akteuren antworteten 100, was als ein sehr hoher Wert eingestuft wird.

Auch hier werden bei der Assoziation Frankenalb Natur und Landschaft (Naturnähe, viele Naturschönheiten) am häufigsten genannt vor Outdoor-
aktivitäten/Freizeitwert (Wandernetz; Klettern; gutes Freizeitangebot) und dem Preis-Leistungs-Verhältnis (günstige preise).

Als Schwächen werden Marketing und Bekanntheit (Marke nicht bekannt; keine richtige Vermarktung; schlechte Öffentlichkeitsarbeit), Kooperation und Kommunikation (keine Kommunikation zwischen den Tourismusanbietern, mangelnde Kooperationsgfähigkeit) sowie die Infrastruktur (ÖPNV nur an wenigen Hauptachsen; Wandern für Bahnreisende schlecht möglich) genannt.

Chancen sieht man in der Profilierung und Thematisierung (Gesundheitstourismus; Aufrechterhaltung/Ausbau des sanften Tourismus; Familienangebot) und Marketing (gezieltes Marketing für Klettertourismus; gemeinsame und zeitgemäße Vermarktung), sieht allerdings auch Risiken in der Marketingqualität (keine ManPower; Verschwinden im fränkischen Einheitsbrei; Stärken nicht herausstellen) und dem Wettbewerbsdruck (andere Regionen sind schneller und besser; geringes kulturelles Angebot).

Deutlich machte der Experte, dass bei einer zielorientierten Vermarktung die Organisationsstruktur aus einem Guss sein muss. „Wenn Sie als Marke und Destinantion agieren wollen darf das nicht bunt sein“, meinte er mit Blick auf den derzeitigen Zustand der Organisationsstruktur und der vielfältigen Bereiche und Begriffe. „Man muss sich dem Markt anpassen und als ein Verband agieren, denn nur wenn man das will wird es gut.“

Zwar müsse die Organisationsstruktur einheitlich sein, aber die Fremdenverkehrsvereine auf Ortsebene wären enorm wichtig. Die nannte er das Tafelsilber

Risiken sieht der Experte in „unüberbrückbaren regionalen Egoismen, fehlenden finanziellen Mitteln und der Scheu vor Investitionen.

Ausführlich erörterte er die Visionen, nannte Ziele und Strategien. (siehe Kasten).

Landrat: Erkenntnisreich

Landrat Armin Kroder wertete diePräsentation als „erkenntnisreich und gewinnbringend“. Sie habe gezeigt, dass der Landkreis ein enormes Potential habe, das der Hebung bedürfe.

Zwar habe man bisher schon gut gearbeitet, aber die Bestandsaufnahme habe auch gezeigt, dass die von Trimborn aufgezeigten Ziele mit der jetzigen Ausstattung kaum zu erreichen sind. „Wenn wir uns der Sache professionell nähern wollen, dann müssen wir eine Strukturdebatte führen“, folgerte der Landrat und gab als Motto aus „weg vom Kirchturmdenken – hin zum Leuchtturmdenken.“

Und man müsse sich auch ernsthaft die Frage stellen, ob der Name „Frankenalb“ der richtige sei.

„Wenn wir besser werden wollen, dann müssen wir über Strukturen und Namen reden“, war seine Schlußfolgerung.

Und er verwies darauf, dass man beim Markenentwicklungsprozess knallhart auf die Marke „Nürnberger Land“ setze. Als einziger Landkreis in der Metropolregion habe man den Namen Nürnberg im Namen, einen Begriff, der weltweit bekannt sei. Und es gehe um die Entscheidung, was man sich das kosten lasse. „Wenn wir dieses Konzept umsetzen wollen, dann müssen wir mehr Geld als bisher in die Hand nehmen“, folgerte Kroder, der darum bat, die Eindrücke der Präsentation wirken zu lassen und sich eine Meinung zu bilden.

Er machte aber auch deutlich, dass es nicht darum gehe, Vereine aufzulösen. Vielmehr gehe es auch in Zukunft um ein gutes Miteinander von Haupt- undEhrenamt. Und man müsse auch Überlegungen im Hinblick auf eine Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg anstellen, „denn die Erreichbarkeit des Landkreises Nürnberger Land in dieser Kombination ist einmalig.“

Profilthemen des Toursimuskonzepts:

Um eine erfolgreiche Tourismusregion zu werden skizzierte Trimborn folgende Oberziele:

Die Frankenalb organisiert sich (Stärkung der zentralen Tourismusstelle zur Vermarktung/Koordinierung des gesamten Landkreises; Oprimierung der bestehenden toristischen Organisationsstrukturen).

Die Frankenalb stärkt sich nach innen (Sensibilisierung der Region für das Thema Tourismus; Bündelung der Marketingaktivitäten und Kommunikationsmedien; Stärkung von sinnvollen Kooperationen/Vernetzung).

Die Frankenalb vermarktet sich nach außen (Forcierte Vermarktung der Herausstellungsmerkmale und Potenziale; Entwicklung von attraktiven Angeboten für verschiedene Zielgruppen; Zeitgemäße und frische Außendarstellung unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Authentizität).

Die Frankenalb entwickelt/attraktiviert sich (Steigerung der Qualität in verschiedensten Bereichen Qualitätsregion; Schaffung von Platz für Innovation und Eigeninitiative; Forcierung von Qualifizierungen/Klassifizierungen/Zertifizierungen; Verbesserung der Infrastruktur; Forcierung sinnvoller Investitionen).

Profilthemen für das touristische Außenmarketing sind „Aktiv in der Natur“ (Wandern, Radfahren, Klettern) und „Typisch Frankenalb“ (Essen und Trinken, Sehenswürdigkeiten). Ein Ergänzungsthema könne „Bewusst vital“ sein, was aber für das touristische Außenmarketing wenig relevant sei.

Als mögliche Zielgruppen nannte er sowohl die Einwohner (Tagesgäste) und die Touristen (Übernachtungsgäste).

Als Maßnahmen empfahl er die verstärkte Nutzung von QR-Codes, die Integration von Web-Cams, die Installation von festen Kameras, die Gästen und potentiellen Gästen einen Liveeindruck von verschiedenen Bereichen der Destination sowie dem Wetter geben, den Ausbau der Elektromobilität durch Schaffung eines flächendeckenden und regionsübergreifenden Angebots von E-Bike´-Verleihstationen. Hier sind erste Schritte bereits in Arbeit (wir berichteten in der letzten Wochenendausgabe).

Marketing-Maßnahmen müssen regionale Spezialitäten und Outdooraktivitäten in den Mittelpunkt stellen und die Weiterbildung für Servicekräfte intensivieren.

Im Hinblick auf die Infrastruktur sollte man ein „überregional bedeutsames Herausstellungsmerkmal“ schaffen, eine Einrichtung, die möglichst über 100.000 Besucher jährlich erreichen können um wirtschaftlich tragfähig zu sein, wobei eine thematische Verknüpfung an die Profilthemen sinnvoll ist.

Die externe Kommunikation müsse man auf die Touristinformation Frankenalb ausrichten, die erste Informationsstelle sein müsse, die lokalen Tourist-Informationen wären nur mehr für die Gäste vor Ort.

Als dringend erforderlich wird auch die Bündelung des Tourismus-Budgets erachtet, wobei auch an eine Aufstockung, entweder durch Umschichtung oder zusätzliche Bereitsstellung gedacht werden müsse.

Weitere erfolgversprechende Maßnahmen könnten eine Interne Informationsplattform/Newsletter, Gästebefragung und Kennzahlensystem, Gemeinsame Exkursionen (Erhöhung der Angebots- und Produktkenntnisse), Schaffung eines abgestimmten, überregionalen Radwegenetzes, Zertifizierung als Qualitätswanderregion (Wanderbares Deutschland) und ein naturverträglicher Ausbau der Mountainbike-Strecken sein.

N-Land Lorenz Märtl
Lorenz Märtl