Beim Jahresempfang ging es um Weltpolitik und Lokales

Trump beschäftigt auch die Neunkirchener

Bürgermeisterin Martina Baumann begrüßte die Gäste in der Aula der Grundschule. | Foto: Kirchmayer2017/03/Neunkirchen-Empfang-Baumann.jpg

NEUNKIRCHEN — Mehr um Weltpolitik als um lokale Themen ging es beim Jahresempfang in Neunkirchen. Bürgermeisterin Martina Baumann fand kritische Worte zu US-Präsident Donald Trump, Landrat Armin Kroder erklärte die Europäische Union für „unverzichtbar“.

Sie frage sich schon, in welcher Welt sie gerade lebe, begann Baumann und kritisierte Trumps Abschottungspolitik: „Weiß er denn als ehemaliger Unternehmer nicht, dass durch die Globalisierung das Handelsnetz zwischen den Ländern enger und fester geknüpft ist, als es die ehemalige Sowjetunion je mit ihren Mitgliedsstaaten geschafft hat?“ Mauern zu bauen sei der falsche Ansatz.

Trump und auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ließen nur ihre eigene Sicht zu: „Man kann ihrer Interpretation der Welt folgen, oder man lügt“. Dabei sei die Welt nicht gut oder böse, schwarz und weiß, sondern bunt. Baumann freute sich deshalb, dass bei der Wahl in den Niederlanden nicht der Rechtspopulist Geert Wilders gewonnen hat und hofft nun auch bei der Bundestagswahl im Herbst auf „ein Zeichen für die demokratischen Parteien“.

Dann ging Baumann auch auf lokale Themen ein. Sie kritisierte die Höhe der Kreisumlage von 2,4 Millionen Euro – so hoch ist der Anteil der Steuereinnahmen, den die Gemeinde an den Landkreis abgeben muss. Das sei rund ein Viertel des Verwaltungshaushalts, in dem die laufenden Kosten verbucht werden. Sie sprach den Ausbau der Kreisstraße unter der Bahnbrücke in Rollhofen an, der die Verwaltung viel Energie koste. Auch die Generalsanierung des Rollhofener Kindergartens und das Neubaugebiet Dornstauden-West waren Thema (wir berichteten). In Neunkirchen stehe der Ausbau des Rollhofer Wegs an, in Kersbach der Umbau des Feuerwehrhauses. Der g Stammtisch für Gestaltungsideen für die Ortsmitte brachte erste Impulse.

Landrat Armin Kroder, der aus Neunkirchen stammt, aber seit Jahren in Lauf wohnt, will schon bald  hierher zurückkehren. Aktuell sei er mit Sanierungsarbeiten am Kroderhof beschäftigt. Doch spätestens im Herbst wolle er einziehen. „Lauf ist super, aber Neunkirchen ist meine Heimatgemeinde.“

Voller Einsatz für Demokratie

Dass er in einer „ziemlich freien und friedlichen Welt“ aufgewachsen sei, betrachte er als Geschenk.  Zu verdanken hätten er und die Bürger Europas Frieden und Freiheit der Europäischen Union. „Die EU ist komplett unverzichtbar und ein Erfolgsmodell“, so der Landrat, der auch die Stärken der Demokratie betonte. In dieser Staatsform entscheide die Mehrheit, aber die Rechte des Einzelnen würden geachtet, Minderheiten geschützt. „Wir haben die Verpflichtung, unser System zu verteidigen, weil es gut ist“, sagte Kroder und schlug einen Bogen zur lokalen Politik. Er lobte die örtliche Flüchtlingsinitiative „9kirchen hilft“ und ermunterte die Bürger, sich weiter gegen den Ausbau der Stromtrasse durch den Landkreis einzusetzen. „Die P44mod ist nicht tot.“

Üblicherweise stellen sich beim Jahresempfang in der Grundschulaula auch zwei Vereine vor. Diesmal waren es Gruppierungen ohne Vereinssatzung. Walter Schöner präsentierte die „Agenda 21“, eine im Jahr 2000 gegründete Künstlergruppe. Der Diplom-Designer stellte Projekte der vergangenen Jahre vor. Dazu gab es eine kleine Ausstellung mit Bildern. Aktiv ist der Künstlerkreis unter anderem bei der Neunkirchener Kulturwoche, die im September stattfindet, und beim Sommerfest. „Kultur führt Menschen zusammen und schafft Freude“, so Schöner.

Anke Staudenmeir und Alina Mörsdorf sprach über die Flüchtlingsinitiative „9kirchen hilft“, die im ehemaligen Gruco-Gebäude eine Kleiderkammer unterhält, die nicht nur von Asylbewerbern, sondern auch von Bedürftigen aus der Gemeinde genutzt werden kann. Im Bezug auf die ursprünglichen Planungen der „Neue Mitte“ auf dem Gelände sagte Staudenmeir scherzhaft: „Für uns ist es gar nicht schlecht, dass dort nichts passiert ist“. Der Helferkreis besteht aus 25 bis 30 Personen, bietet Sprachkurse und Hausaufgabenbetreuung in der Speikerner Unterkunft an und hilft Flüchtlingen unter anderem bei Arzt- und Behördenbesuchen sowie beim Ausfüllen von Formularen. Außerdem werden Spielenachmittage, Faschingsfeiern, Basare und ein Begegnungscafé organisiert.

Walter Schöner von der „Agenda21“ sowie Alina Mörsdorf und Anke Staudenmeir von „9kirchen“ (v. r.) stellten ihre Gruppierungen beim Jahresempfang vor. Links daneben: Bürgermeisterin Martina Baumann und Landrat Armin Kroder. | Foto: Kirchmayer2017/03/Neunkirchen-Empfang-Kroder-Baumann-Anke-Staudenmeir-Alina-Morsdorf-9kirchen-hilft-Walter-Schoner-Agenda21.jpg

Etwa 100 Gäste waren zum Empfang gekommen – womöglich wären es mehr gewesen, wenn nicht fast zeitgleich die Theatergruppe „Sandhasn“ auf der Bühne gestanden hätte. Nach dem offiziellen Teil nutzten die Gäste die Gelegenheit für Gespräche. Das Catering übernahmen Schüler der Laufer Berufsfachschule für Gastgewerbe.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer