Diakonie schließt Einrichtung im Lämmerzahlstift

Pflege-WG statt stationärer Pflege

1997 wurde das Lämmerzahlstift in Neunkirchen eröffnet. Neben der Pflege gibt es in dem Seniorenwohnheim betreutes Wohnen und eine Sozialstation der Diakonie Neuendettelsau. | Foto: Krieger2018/02/Seniorenstift-Lammerzahl2.jpg

NEUNKIRCHEN – Seit Ende 2017 ist es bekannt: Die Diakonie Neuendettelsau schließt die stationäre Pflege im Seniorenwohnheim Lämmerzahlstift in Neunkirchen. Auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung bestätigt das Sozialunternehmen der evangelischen Kirche, dass die Entscheidung endgültig ist. Anstelle der Pflegestation mit 40 Plätzen sollen zwei ambulant betreute Wohngruppen für je 12 bis 15 Bewohner innerhalb der Einrichtung entstehen. Die Heimaufsicht des Landkreises muss noch zustimmen.

Die Diakonie Neuendettelsau begründet den Schritt mit wirtschaftlichen Zwängen. Das Bayerische Pflege- und Wohnqualitätsgesetz, das sogenannte AVPfleWoqg, das 2008 von der Bayerischen Staatsregierung verabschiedet wurde und 2011 Ausführungsbestimmungen erhielt, zwinge Träger von stationären Pflegeeinrichtungen, die Zahl der Doppelzimmer zu verringern und die Zahl der Einzelzimmer sowie barrierefreien und rollstuhlgerechten Räume zu erhöhen. „Das können wir in Neunkirchen nicht leisten. Die Einheit ist zu klein, wir könnten die Pflegestation dann nicht mehr wirtschaftlich betreiben“, sagt Manuela Füller, Bereichsleiterin Dienste für Senioren bei der Diakonie Neuendettelsau.

37 Plätze besetzt

Aktuell sind laut Füller 37 der 40 Pflegeplätze im Seniorenstift Neunkirchen besetzt. Bereits seit November werde die Station, wenn Zimmer frei würden, nur noch mit Kurzzeitpflegeplätzen belegt. Mitte Januar wurden die Bewohner in einem Infoabend über die Schließung beziehungsweise Umwandlung informiert.

Die Stimmung sei grundsätzlich verständig und offen gewesen, sagt Füller. Man habe den Bewohnern sowohl den Umzug nach Altdorf angeboten als auch die Möglichkeit, in eine der geplanten „Pflege-WGs“ einzuziehen. Es gebe bereits Interessenten für beide Varianten. Während der Umbauphase in Neunkirchen könnten die Bewohner auf der Station wohnen bleiben, betont Füller. „Keiner muss raus.“ Man gehe aktuell davon aus, dass die Heimaufsicht des Landkreises keine Einwände habe und der Umwandlung der Pflegestation in eine ambulante Einrichtung zustimme.

In Altdorf baut die Diakonie Neuendettelsau aktuell ein neues Pflegeheim für vollstationäre Pflegepatienten mit 102 Plätzen, es soll Ende Mai eröffnet werden. Auch hier wurde laut Füller aus Kostengründen nicht mehr in das alte Haus investiert. Im Bereich der vollstationären Pflege rechneten sich Häuser heute aufgrund der Vorgaben des Gesetzgebers erst ab einer gewissen Größe, sagt Füller. Auch in Neuendettelsau und in Bad Windsheim entstünden deshalb gerade neue und größere Häuser der Diakonie.

Leben in der WG

Die beiden geplanten Wohngruppen in Neunkirchen sind laut Füller auch für stärker pflegebedürftige Menschen und Demenzkranke geeignet. Man werde die Bewohner bei der Gründung der WGs unterstützen, betont die Bereichsleiterin. Diese müssen dafür eine Art Trägergemeinschaft gründen, die Räume werden von der Diakonie an sie vermietet. Leistungen wie Pflege oder Hauswirtschaft können entweder gemeinschaftlich im Pool oder individuell angefordert werden. Jede Wohngemeinschaft bekommt eine Küche sowie einen gemeinsamen Wohnraum.

In Neunkirchen sorgen die Pläne der Diakonie für einigen Wirbel. Nach dem Wegzug der Altenpflegeschule in einen Neubau in Lauf im vergangenen Jahr vollzieht die Diakonie damit einen weiteren Einschnitt am Standort. Die ortsnahe Versorgung mit stationären Pflegeplätzen ist in dieser Form künftig nicht mehr gegeben. Neuendettelsau hatte die defizitäre Einrichtung im Jahr 2000 übernommen. Neben der Pflegestation gibt es auch betreutes Wohnen.

Bürgermeisterin Martina Baumann (SPD) muss sich von der CSU den Vorwurf anhören, die Öffentlichkeit zu spät über die Pläne der Diakonie informiert zu haben. Erst aufgrund eines Antrages habe Baumann Mitte Januar die Gemeinderäte im Hauptausschuss darüber unterrichtet, kritisiert CSU-Sprecher Jens Fankhänel. „Wenn ich es nicht durch Zufall erfahren hätte, hätte ich es nicht gewusst.“

Erst Bewohner informiert

Baumann räumt ein, bereits seit Herbst informiert gewesen zu sein. Es sei ihr aber wichtig gewesen, dass erst die Bewohner unterrichtet werden, bevor das Thema öffentlich werde. „Es ist eine Entscheidung der Diakonie“. Sie stehe in regelmäßigem Kontakt mit der Einrichtungsleitung und habe den Eindruck, dass der Träger nach einem guten Konzept für Neunkirchen suche. Die Umbaukosten wären ihrer Kenntnis nach sehr hoch gewesen. „Man hätte ja auch sagen können, man macht komplett zu.“ Ambulant vor Stationär sei zudem die Zukunft der Pflege.

Zum Thema:

Ambulant vor stationär lautet seit einigen Jahren das Credo in der Pflege. Zuerst sollen Möglichkeiten der ambulanten Versorgung ausgeschöpft werden, bevor ein Patient oder ein Pflegebedürftiger (voll-)stationär im Krankenhaus, im Altenpflegeheim oder in einer Rehabilitationseinrichtung aufgenommen wird.

Wohnformen für pflegebedürftige Menschen, die der eigenen Wohnung nahe kommen, werden gefördert. Ende 2016 gab es laut Bayerischem Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung bayernweit 300 ambulant betreute Wohngemeinschaften. Diese sollen pflegebedürftigen Menschen das Leben in einem gemeinsamen Haushalt und die Inanspruchnahme externer Pflege- oder Betreuungsleistungen gegen Bezahlung ermöglichen.

Die Selbstbestimmung der Mieter muss gewährleistet sein. Sie oder ihre Angehörigen können Angelegenheiten des Zusammenlebens sowie die Wahl der Dienstleister für Pflege und Betreuung selbst regeln.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger