Neue Ausstellung in der Speikerner Hopfenscheune

Festung Rothenberg im Mittelpunkt

Von links: Museumsleiter Franz Semlinger, sein Stellvertreter Gerhard Ott, Organisator August Wörler, Bürgermeisterin Martina Baumann, Sebastian Kolb von der Sparkasse Schnaittach und der stellvertretende Landrat Norbert Reh mit der Nachbildung eines Fraischsteines. | Foto: Jahn2017/04/Speikern-Hopfenscheune-Ausstellungseroffnung-eigens-dafur-ers-Kopie.jpg

SPEIKERN (gja) – Zur Saisoneröffnung im Museum Fränkische Hopfenscheune in Speikern steht die oberhalb Schnaittachs gelegene Festung Rothenberg im Mittelpunkt. Die Sonderausstellung widmet sich dem Thema „Die Herrschaft Rothenberg – der Stachel im Fleisch der Nürnberger“.

Franz Semlinger, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, konnte eine Vielzahl an lokaler Prominenz aus Kultur und Politik begrüßen, darunter auch Bezirksheimatpflegerin Andrea Kluxen aus Ansbach und Stadtarchivarin Ina Schönwald aus Lauf. Wie Neunkirchens Bürgermeisterin Martina Baumann und der stellvertretende Landrat Norbert Reh fand auch Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler in ihrem Grußwort nur lobende und anerkennende Worte für das große Engagement des Heimat- und Geschichtsvereins Neunkirchen.

Dass der Rothenberg – der seinen Namen vom rötlichem Doggersandstein unter der Burg erhalten hat – immer wieder ein interessantes Motiv ist, schilderte Gerhard Ott, der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins. In seiner ausführlichen Eröffnungsrede spannte er einen historischen Bogen vom „Alten Rothenberg“ bis hin zum Abbruch der Burg.In seiner Zeitreise beleuchtete Ott vier Besitztum-Phasen: zuerst „Das Rittergut“ und damit die erste Burg am Rothenberg, die nach der Zerstörung von den Wildensteinern, einer Adelsfamilie aus dem Neumarkter Raum, um das Jahr 1300 neu errichtet wurde. Lehensherren waren die Staufer und dann die Wittelsbacher (Kurpfalz).

Mit dem Verkauf von Burg und Herrschaft 50 Jahre später an den böhmischen und deutschen König Karl IV. begann „Die Böhmische Zeit“. Der König ließ die Burg zur Veste ausbauen und mit einer ständigen Besatzung von 21 Rittern belegen. Es entstand ein Militärzentrum des von König Karl IV. gegründeten Neuböhmen (Verwaltungszentrum war Sulzbach). Dort führte auch die Goldene Straße vorbei, die im 13. Jahrhundert der Handelsweg zwischen Nürnberg und Prag war, unter Kaiser Karl IV. die wichtigste Verbindung zwischen Böhmen und dem Westen des Reichs.

Zu dieser Zeit entstand die „Kleine Stadt“, wo sich Bauern und Handwerker mit ihren Familien auf dem Rothenberg niederließen.Nach der Absetzung von König Wenzel I., des Sohnes Karls IV., fielen 1400 die Burg und Herrschaft an den Gegenkönig Ruprecht und somit wieder an die Kurpfalz zurück. Dabei wurde die „Kleine Stadt“ zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Eine neue Ära begann auf dem Rothenberg 1478, als 44 fränkische Ritter sich zu einer Ganerbschaft zusammenschlossen, um von Pfalzgraf Otto II. von Mosbach die Burg Rothenberg mit den Kirchenlehen, dem Markt Schnaittach und den dazugehörigen Dörfern und Höfen zu erwerben. Später waren 133 Ritter anwesend, darunter soll auch Götz von Berlichingen gewesen sein.
Im Landshuter Erbfolgekrieg wurden Nürnberg die eroberten Oberpfälzer Pflegeämter Altdorf, Lauf und Hersbruck zugesprochen und die Herrschaft war nun gänzlich von Nürnberger Gebiet umschlossen – ein Stachel im Fleisch der Nürnberger.

Aufgrund der Grenzstreitigkeiten schloss die Stadt Nürnberg einen Vertrag mit den Ganerben, der den Grenzverlauf genau beschreibt. Als Markierung zwischen dem Nürnberger Territorium und der Herrschaft Rothenberg werden 48 Fraischsteine gesetzt, die teilweise noch heute sichtbar sind.

Nach der Reformation besetzte der bayerische Herzog Maximilian die „Obere Pfalz“, die – da der Herr die Religion seiner Untertanen bestimmte – „rekatholisiert“ wurde. Da half auch der heftige Protest der Ganerben gegen den Religionswechsel im Schnaittacher Land nichts. Nach dem Dreißigjährigen Krieg ließ Kurfürst Ferdinand Maria 1657 den Rothenberg erneut besetzen. Nach dem Verkauf an Kurbayern verließen die letzten Ganerben die Burg.

Mit dem Einmarsch einer bayerischen Garnison auf der Veste begann „Die Bayerische Zeit“ und aus dem Rothenberg wurde eine bastionäre Festung. Es folgten der Spanische Erbfolgekrieg und später der Österreichische Erbfolgekrieg. 1806 wurde Bayern Königreich und Franken und damit auch Nürnberg werden eingegliedert. Somit hatte die Herrschaft aufgehört zu existieren. Strategisch wertlos, wurde die Festung 1838 aufgegeben und zum Abbruch freigestellt.

Jetzt ist die Festungsruine im Besitz der Bayerischen Burgen- und Schlösserverwaltung und wird vom Heimatverein Schnaittach betreut und weiterhin für die Besucher erhalten. Bei einem Rundgang durch die Sonderausstellung im Museum Fränkische Hopfenscheune können die Besucher bei freien Eintritt von Mai bis Oktober jeden Sonn- und Feiertag von 13 bis 16.30 Uhr anhand von Schautafeln und Exponaten eine Zeitreise unternehmen. Die Ausstellung wurde von Gerhard Ott, Thomas Ramsenthaler und August Wörler mit Bildern und Exponaten der Festung Rothenberg gestaltet.

N-Land G. Jahn
G. Jahn