Interview mit Christopher Seiler

„Es muss Spaß machen“

Seiler und Speer alias Christopher Seiler (links) und Bernhard Speer haben anfangs „nur aus Spaß“ zusammen Musik gemacht. Mittlerweile haben die Österreicher ihr zweites Album herausgebracht. | Foto: Oliver Topf2018/05/Seiler-und-Speer-by-Oliver-Topf-14.jpg

HERSBRUCK/NEUHAUS – Mit „Ham kummst“ sind sie berühmt geworden, seitdem haben Seiler und Speer viele Singles und zwei Alben herausgebracht. Und das, obwohl die beiden Musiker aus Österreich das Ganze nach eigener Aussage von Anfang an nicht ernst genommen haben. Vor ihrem Auftritt am Samstag, 2. Juni, auf dem Veldensteiner Brauereifest erklärt Sänger und Kabarettist Christopher Seiler, wie diese Lockerheit beim Erfolg hilft und wieso er nicht auf Hochdeutsch singen möchte.

Die Frage haben Sie bestimmt schon oft gehört, mich interessiert es trotzdem: Wer ist dieser „Pücha“ aus „Ham kummst“?
Christopher Seiler: Das habe ich tatsächlich schon oft gehört. „Pücha“ ist ein österreichischer Begriff für Kleinganove. Den Part singt die Frau in dem Lied.

Können Sie das Lied überhaupt noch hören beziehungsweise spielen oder nervt’s langsam?
Grundsätzlich höre ich keine Lieder von mir selbst, das wäre irgendwie komisch. Spielen kann man’s immer wieder. Es ist natürlich ein großer Teil von uns und hat uns viele Türen geöffnet. Aber es wäre schlimm, wenn wir nur darauf reduziert werden würden.

„Ham kummst“ war nicht das erste Lied von Seiler und Speer, sondern „I wü net“. Wieso kam der Erfolg erst später?
So ganz weiß ich es auch nicht. Am Anfang hat uns noch niemand gekannt. Bei „Ham kummst“ hatten wir schon mehr Aufmerksamkeit und vielleicht hat es die Leute auch mehr berührt.

Ihre Texte verstehen in Deutschland höchstens ein paar Niederbayern. Wieso sind die Lieder trotzdem erfolgreich?
Englische oder spanische Texte verstehen auch nicht alle und die Lieder haben trotzdem Erfolg. Ich denke, es kommt viel auf die Musik an, die einfach gut klingt und die Leute verbindet.

Könnten Sie sich auch vorstellen, Lieder auf Hochdeutsch oder in einer anderen Sprache zu singen?
Die Musik ist nur ein kleiner Mosaikstein meiner Karriere und so soll es auch bleiben. Es muss uns in erster Linie Spaß machen, und das macht es nur mit Dialekt. Deshalb habe ich keine Ambitionen, anders zu singen.

Stehen Sie lieber als Kabarettist oder als Musiker mit ihrer Band auf der Bühne?
Ich mache beides gern. Zurzeit bin ich auch als Schauspieler und Kabarettist unterwegs und genieße die Abwechslung, auch als Musiker auf der Bühne zu stehen. Aber das sind zwei paar Schuhe, die man nicht vergleichen kann.

Wie ist Seiler und Speer entstanden?
Nur aus Spaß. Wir haben uns durch die Filmbranche kennengelernt und mal etwas zusammen gedreht, wo ich vor und Bernhard Speer hinter der Kamera stand. Das hat Spaß gemacht und wir dachten uns, da können wir mehr draus machen.

Ihre Liedtexte beschreiben meist Situationen direkt aus dem Leben. 
Sind auch eigene Erlebnisse 
dabei?
Das ist unterschiedlich. Manche haben persönlichen Charakter, manche sind Geschichten. „Ham kummst“ beruht zum Beispiel nur auf Beobachtungen.

Sie haben mal gesagt, dass Sie das Projekt am Anfang nicht ernst genommen haben und sich selbst auch nicht allzu ernst nehmen. Wie hilft das beim Erfolg?
Das hilft enorm. Mich würde keiner mehr ernst nehmen, wenn ich mich auf einmal selbst ernst nehmen würde. Wahrscheinlich kommt das aus dem Kabarett: Wenn du nicht über dich selbst lachen kannst, hast du keine 
Chance. Ich sage immer, man sollte nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, sondern erst auf sich selbst schauen. Und sich bewusst machen, dass man selbst zum Problem gehört.

Klingt philosophisch.
Ich halte mich auch für einen Philosophen. Aber jemand anderes würde mich sicher nicht so bezeichnen.

In einem Interview sagten Sie, dass die Österreicher gern granteln. Das Klischee hängt den Franken auch an. Ist das eine Gemeinsamkeit?
Wir waren ja vergangenes Jahr schon mal in Franken und ich habe die Leute als sehr nett und nicht grantelnd erlebt. Aber ich glaube, dass trotzdem eine gute Verbindung entstehen wird.

Was erwartet das Publikum in Neuhaus?
Ein Konzert, was man so hört…
also alles von A bis Z, unsere ganze Palette, lockere Sprüche und einfach eine gute Zeit.

Infos zum Brauereifest:

Auf dem Veldensteiner Brauereifest am Samstag, 2. Juni, geht’s um 14 Uhr im Biergarten mit Doc Dengler & the Heartbreakers los. Ab 18 Uhr tritt Human Touch im überdachten Ladehof auf, ab zirka 21 Uhr kommen Seiler und Speer auf die Bühne. Es gibt Brauereiführungen, Foodtrucks und ein großes Angebot für Kinder. Eintritt frei.

N-Land Marina Wildner
Marina Wildner