Neues Stück des Theatervereins Edelweiß

Überzeugende Premiere

Der letzte Arbeitstag vor der Rente verlangt dem Richter noch einmal so einiges ab. | Foto: Dorn2018/01/theaterverein-edelweiss-premiere-pegnitztalcorps-Vor-dem-Amtsrichter.jpg

SCHNAITTACH — Aus drei mach eins ist die Devise des neuen Stücks des Theatervereins Schnaittach, das am vergangenen Wochenende im Badsaal Premiere feierte. Hinter dem etwas sperrigen Titel „Pegnitztal-Cops, Amtsstube Brückner, reif für die Insel – oder wie im richtigen Leben“ stecken eigentlich drei Einakter, deren Handlungsstränge ineinandergreifen.

Der mittlere Teil des Stücks, der von Regisseurin Elfriede Holzammer selbst geschrieben wurde, verbindet geschickt die Auftakt-Handlung mit dem abschließenden dritten Teil. Letzterer war bereits bei der 90-Jahr-Feier im vergangenen Jahr uraufgeführt worden. Dementsprechend groß ist auch das Aufgebot an Mitwirkenden auf der Bühne: 18 Personen, von denen einige auch noch zwei Rollen übernehmen.

Trockener, fränkischer Humor

Was der Theaterverein Edelweiß in seinem Stück auf die Bühne des Badsaal bringt, ist volksnaher, trockener fränkischer Humor zum Kringeln – und doch: So manche Szene könnte unschwer, wie es der letzte Teil des Titels ja auch verspricht, tatsächlich aus dem Leben gegriffen sein. Denn das Leben schreibt nun einmal die besten Geschichten.

Da gibt es den Polizisten, der beim Einfangen eines ausgebüxten Kamels versehentlich vom Betäubungspfeil des Tierarztes getroffen wird. Da stürzt ein Papagei hinter dem Schrank ab, und eine bauernschlaue Ladendiebin versucht ein tiefgefrorenes Huhn unter ihrer Kopfbedeckung aus dem Laden zu schmuggeln. Ein malender Bürgermeister hat Probleme mit der Straßenbeleuchtung, einer kreativen Künstlerin und einer unpässlichen Sekretärin.

Und schließlich treten vor den gestrengen (oder genervten?) Richter an dessen letztem Amtstag eine tieftraurige, aber sichtlich zornige Witwe, zwei gerichtsbekannte Streitamseln und die ebenfalls bereits aktenkundige Ladendiebin als angeschickerte Kreisverkehrsblockiererin.

Die Akteure auf der Bühne spielen mit Herzblut, das ist ihnen anzumerken. Gestik, Mimik und Stimmlage sind prima der jeweiligen Situation angepasst, theatralisch so weit übertrieben, dass es zum Lachen reizt, aber trotzdem … es könnte doch passiert sein. Weil es ja nichts gibt was es nicht gibt, und weil die lokalen Bezüge geschickt eingesetzt werden, und weil die Mimen ihre Rollen so lebensnah ausfüllen, wirken die Szenen weder aufgesetzt noch unwahrscheinlich, aber direkt auf die Lachnerven.

Jede Menge Applaus

Aus den Tiefen des vollen Hauses wird immer wieder Kichern oder gar schallendes Gelächter laut, und auch Bürgermeister Frank Pitterlein und Gattin Tanja amüsieren sich prächtig. Szenenapplaus gibt es oft und lautstark; besonders gelungene Passagen werden auch schon einmal mit beifälligen Pfiffen honoriert. Die Stimmung im Saal ist fröhlich, ausgelassen und dennoch aufmerksam.

Eine gelungene Premiere mit gut aufgelegten Schauspielern, die ihren verdienten Applaus und die Premierengabe des Vereins redlich verdient haben.
Darsteller: Nina Stegmann, Jörg Mahlein, Melanie Brendl, Elvira Sperber, Gertraud Röhrich, Denise Holzammer, Andrea Dawidczak, Silke Lippold, Natascha Rüffler, Vivien Stutz, Egemen Enez, Anja Hacker, Matthias Wild, Hans Dotzler, Linda Wirnitzer, Nicole Tithenthaler, Nico Stegmann.

Zweimal wird das Stück des Theatervereins Edelweiß im Badsaal noch gespielt: am Samstag, 13. Januar, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 14. Januar, um 15 Uhr.

N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn