Schöner die Glocken…

Neues Geläut feierte Einzug in Schönberger Kirche

Die größte der Glocken, die Friedensglocke, wird unter den Augen der Schönberger vorsichtig abgeladen. | Foto: Jahn2017/11/Schonberg-Glocken-einholen-die-grosste-Glocke-wird-im-Kirchhof.jpg

SCHÖNBERG – Ein großer Tag für Schönberg und ein emotionaler Moment für die Gemeinde der evangelischen Jakobuskirche: Es schien, als hätte sich ganz Schönberg auf den Weg gemacht, um die neuen Glocken zu begrüßen, die mit einem Festzug, begleitet von Regionalbischöfin Hann von Weyhern, eingeholt und nach einer Andacht im Kirchgarten zum ersten Mal angeschlagen wurden. Beim Glockenmarkt am 1. Advent soll dann das 6er-Geläut vom Kirchturm erklingen.

Nicht mal das sehr kalte, windige Wetter konnte den Freudentag schmälern: Alle waren gekommen, um den Festzug zu begleiten. Die Dorfbewohner entlang der Wegstrecke und die Sängervereinigung Schönberg, die Freiwillige Feuerwehr Schönberg, die Kirwaboum Schönberg, der Dorfverein, der FSV Schönberg, der Förderverein Naturerlebnispfad Schönberger Forst und die Sportschützengesellschaft, die sich mit ihren Vereinsfahnen in den Festzug einreihten. Die Feuerwehr Schönberg sicherte den Umzug ab.

Mit Salutschüssen der Sportschützengesellschaft begann die Einholung der Glocken. Nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Großer Gott wir loben dich“ eskortierte ein Feuerwehrauto den Umzug von der Kohlstattstraße bis zum Dorfplatz. An der Spitze die Kinder vom Kinderhaus Krempoli, der Evangelische Gemeindeverein Schönberg und als herausragender Blickfang die mit Sonnenblumen und Tannengrün geschmückten Glocken, transportiert von drei Traktoren. Dahinter lief Pfarrerin Gabriele Geyer mit den Ehrengästen, dem CHORal total und dem Posaunenchor Schönberg. Die Anteilnahme an dem großen Ereignis bekundeten die umliegenden Kirchengemeinden mit dem Geläute ihrer Glocken.

Feierlicher Zug zur Kirche. Am Glockenmarkt am ersten Advent werden die neuen Glocken zum ersten Mal in voller Schönheit zu hören sein. | Foto: Jahn2017/11/Schonberg-Glocken-einholen-Fahrt-hinauf-zur-Jakobuskirche1.jpg

Für die Schönberger war es ein bewegender Augenblick und für manchen sogar ein „Gänsehaut-Erlebnis“ als die neuen Glocken im Kirchgarten eintrafen. Musikalisch vom Posaunenchor begleitet, wurden die Glocken vorsichtig von einem Gabelstapler abgeladen und an der Kirche auf einem Bock abgestellt.

Im Namen des ganzen Kirchenvorstands hieß Pfarrerin Gabriele Geyer die Festteilnehmer willkommen. Außer an Laufs ersten Bürgermeister Benedikt Bisping, dritten Bürgermeister Thomas Lang, den Vertretern des Stadtrats sowie MdB Marlene Mortler, den Glockensachverständigen Gerd Hennecke und Pfarrer i.R. Nickel ging ein besonderer Willkommensgruß an Regionalbischöfin Hann von Weyhern, der Schönberg spürbar am Herzen liegt.

MdB Marlene Mortler, Pfarrerin Hann von Weyhern und Pfarrerin Gabriele Geyer freuen sich.2017/11/Schonberg-MdB-Mortler-Regionalbischofin-u-Pfarrerin-Geyer-mi.jpg

Die Regionalbischöfin freute sich, ein Fest mitfeiern zu dürfen, „wie ich es in meiner zehnjährigen Amtszeit nicht erlebt habe“. Bereits beim Umzug habe sie sich wie in einem Heimatfilm versetzt gefühlt. „Heimat ist der Ort, in dem man lebt und in dem man sich wohlfühlt. Wo nicht nur die Glocken schlagen, sondern wo einem das Herz höher schlägt – und die neuen Glocken bezeugen, Gott ist in dieser Welt“. Anerkennende Worte fand die Regionalbischöfin für Schönbergs Pfarrerin: „Das jemand hier mit Herz und Verstand das Evangelium verkündet, ist einfach toll“.

Angesichts der frohen Nachricht, dass die Sanierung des alten Glockengeläuts und der Guss der neuen Glocken bestens gelungen ist, erinnerte Pfarrerin Gabriele Geyer an das Gedicht von Friedrich Schiller „Fest gemauert in der Erden, steht die Form aus Lehm gebrannt“. Das Glockenprojekt habe alle Generationen der Gemeinde in besonderer Weise zusammengeschweißt: Über 90 000 Euro wurden in den vergangenen drei Jahren gesammelt. Das Glockenfieber hatte alle erfasst, unzählige Spendenaktionen erfolgten. „Glocken haben etwas Verbindendes, sie rufen Menschen zusammen, auch über unseren Ort hinaus“, schwärmte Pfarrerin Gabriele Geyer.

Ein feierlicher Moment war für alle Kirchgartenbesucher der erste Schall der Glocken. Mit einem sanften Klöppelschlag brachte Regionalbischöfin Hann von Weyhern die Reformationsglocke – die als Zeichen die Luther-Rose und das aufgeschlagene Buch der Heiligen Schrift hat – zum Klingen. Norbert Weber schlug die Jakobusglocke an, mit ihr wird der Patron der Schlosskapelle und der später erbauten Jakobuskirche in den Kirchturm einziehen. Die über 600 kg schwere Friedensglocke durfte Pfarrerin Geyer anschlagen. Auf der prangt das aus drei Zimmermannsnägeln zusammengesetzte Nagelkreuz von Coventry, ein Symbol für Frieden und Völkerverständigung. Außerdem ist auf der Glocke das Versöhnungsgebet von Coventry abgedruckt.

Im Anschluss gab es die Gelegenheit, die Glocken aus nächster Nähe zu bewundern und mit Glockensecco oder Glockenschlüggla auf das große Ereignis anzustoßen.

N-Land G. Jahn
G. Jahn