Hannes Ringlstetter bei den Laufer Literaturtagen

Musiker, Autor und „Glubberer“

Die komplette Vorstellung über blieb Hannes Ringlstetter nahbar. Als Clubfan konnte er in Franken natürlich punkten. | Foto: Ahlfeld2018/11/literaturtage-ringlstetter-bertleinaula.jpg

LAUF — Hannes Ringlstetter, 48 Jahre alt, ist ein echter Allroundkünstler: Kabarettist, Musiker, Moderator, Schauspieler und eben auch Buchautor. Der aus dem TV-Format „Hubert und Staller“ bekannte Niederbayer hat im Rahmen der Laufer Literaturtage seinen biografischen Roman „Paris. New York. Alteiselfing. Auf Ochsentour durch die Provinz“ vorgestellt. Als Überraschungsgast hatte er seinen Regensburger Bandkollegen Edgar Feichtner dabei.

„Wir machen‘s uns launig und musikalisch wird’s auch“ – so beschreibt Ringlstetter selbst seinen Auftritt in Lauf. Der Kabarettist freut sich darüber, in der Nähe seines Lieblingsfußballvereins aufzutreten und punktet sofort beim Publikum, als er seine Liebe zum 1. FC Nürnberg verkündet. Die Laufer sind zahlreich an diesem Abend erschienen, die Aula der Bertleinschule platzt förmlich aus allen Nähten, sogar auf den Galerien der oberen Stockwerke stehen die Zuschauer.

Neben den gelesenen Szenen macht Ringlstetter zusammen mit Feichtner Musik, sie spielen Lieder aus ihrer „Schinderhannes“-Zeit, aber auch Songs von Ringlstetters neuem Album „Fürchtet euch nicht“. Gleich das allererste Musikstück kommt bei der Zuschauerschaft besonders gut an, denn es beginnt mit einer Strophe auf Fränkisch. Bei „Jetzt sitz‘ ich hier beim Ringlstetter“ spielt der Musiker ordentlich mit den Klischeevorstellungen vom Franken, dessen Enthusiasmus sich normalerweise in Grenzen hält. Vorurteile gegenüber dem Rheinländer, der mit seinem Hochdeutsch nervt, folgen in der zweiten Strophe.

Während des gesamten Abends parodiert der 48-Jährige sämtliche Dialekte, nahezu bei jeder Story einen anderen. Die Menge kann sich kaum mehr halten vor Lachen, als er einen österreichischen Heavy-Metal-Rocker nachmacht und ins Publikum brüllt: „Born to be wild“. Auch eine tschechische Ärztin und eine ulkige Coburger Wirtin imitiert Ringlstetter in der Bertleinaula mit Perfektion.

Auch als er die Geschichte mit dem Titel „Drei Kinder, drei Flöten“ liest, ist das Publikum vor Begeisterung aus dem Häuschen. Seine Leidensgeschichte, die ihn mit dem Instrument verbindet, können viele nachvollziehen. Sie erinnern sich sicher noch gut daran, der gesamten Verwandtschaft ein Stück auf dem Blasinstrument vorspielen oder das selbige von einem anderen Familienmitglied ertragen zu müssen.

Nahbarer Kabarettist

Die komplette Vorstellung über bleibt der Kabarettist nahbar. Mit alltäglichen Themen wie Familie oder Leben in der Provinz können sich die Zuschauer identifizieren. Er reagiert direkt auf sie, indem er mit ihnen schäkert, auf Zwischenrufe antwortet und sie zum Mitmachen animiert.

Zwischendurch werden die Formulierungen derber, was die Franken überhaupt nicht stört, sondern sehr amüsiert. Als Ringlstetter seinen Zustand während einer geschäftlichen Kreuzfahrt mit deftigen Ausdrücken beschreibt, stört sich niemand daran. Im Gegenteil, seine Wortwahl lässt ihn sympathisch wirken.

Aber auch einer der schönsten Auftritte, wie Ringlstetter die Lesung betitelt, müssen einmal enden. Das gemeinsame Abschiedslied von Hannes Ringlstetter und Edgar Feichtner gibt diese Auffassung passend wieder, denn es heißt: „A Ruah“.

N-Land Julia Ahlfeld
Julia Ahlfeld