Modelle zur Integration Behinderter an Regelschulen

NÜRNBERGER LAND – Das Thema Inklusion, also dass künftig Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam in der Regelschule unterrichtet werden, gewinnt im Nürnberger Land an Bedeutung. In der aktuellen Übergangsphase gibt es drei Modelle im Landkreis, informierte das Schulamt im traditionellen Pressegespräch vor Schuljahresbeginn.

Die Grundschule Lauf-Heuchling ist mit Start des Schuljahres eine „Schule mit dem Schulprofil Inklusion“. Hier werden auch Kinder mit Einschränkungen in Regelklassen unterrichtet. Dazu ist eine Lehrkraft der Lebenshilfe in Schönberg mit 13 Stunden an die Grundschule Heuchling abgeordnet. Weitere zehn Lehrerstunden einer Grundschullehrkraft stehen zusätzlich zur besonderen Förderung zur Verfügung. Die Heuchlinger ist eine von 41 bayerischen Schulen (sechs in Mittelfranken) mit diesem Profil.

An der Grundschule Lauf II (Bertleinschule) wird eine Kooperationsklasse eingerichtet. Es handelt sich um eine Regelklasse, in der bis zu fünf Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit anderen Kindern unterrichtet werden. Die Klasse wird durch den „mobilen sonderpädagogischen Dienst“ (MSD) des Förderzentrums Lauf unterstützt.

In Diepersdorf wird die im vergangenen Schuljahr eingerichtete Partnerklasse (früher „Außen-klasse“) fortgeführt. Eine Klasse der Lebenshilfe Schönberg wird an der Grundschule unterrichtet und arbeitet eng mit einer Regelklasse zusammen.

Das Schulamt Nürnberger Land unterstützt mit Beratung und Fortbildung. Es stößt bei der Inklusion durchaus auf Interesse der Lehrkräfte. „Bei einem Informationsabend im März waren von 38 Schulen 16 vertreten“, berichtete Schulrat Gerald Klenk. „Die Schulleitungen wissen, dass das ein Zukunftsthema ist.“

Ab Oktober gibt es einen Arbeitskreis hierzu. Außerdem beteiligt man sich am EU-Projekt „Comenius-Regio“ aus dem Programm „Lebenslanges Lernen“. Mit Regio-Partnerschaften fördert die Europäische Union die europäische Zusammenarbeit im schulischen Bereich auf der Ebene von Regionen und Gemeinden. Dabei können regionale Netzwerke von Schulbehörden, Verwaltungen, Einrichtungen der Lehreraus- und Fortbildung, Schulen und weiteren Institutionen Partnerschaften mit entsprechenden Einrichtungen in anderen europäischen Regionen eingehen. Der Schulamtsbezirk Nürnberger Land plant eine Regio-Partnerschaft mit dem Bezirk Reutte (Tirol) mit dem inhaltlichen Schwerpunkt „Umsetzung der Behindertenrechtskonvention – inklusive Schule“. In Österreich gibt es keine Förderschulen mehr. Daher ist man im Nürnberger Land daran interessiert, wie dort behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Erste Kontakte zur Antragstellung sind bereits geknüpft. Das Projekt soll offiziell im Sommer 2012 starten.

Die Eltern von Kinder mit Handicap sind beim Thema Inklusion eher zweigeteilt, weiß Klenk. „Die einen sehen ihren Nachwuchs in Förderschulen gut aufgenommen und nutzen die dortigen zusätzlichen Einrichtungen. Andere wollen ihr Kind unbedingt in einer Regelklasse integriert sehen.“

Grundsätzlich sei es immer eine individuelle Entscheidung, abhängig von der jeweiligen Behinderung. Der Sachaufwandsträger (zumeist Kommunen oder Landkreis) muss bereit sein, eventuell erforderliche bauliche Veränderungen zu finanzieren, zum Beispiel den Einbau eines Treppenlifts. „Eine weitere Einschränkung ist, dass andere Kinder in ihrer Entwicklung nicht gehemmt werden dürfen“, informierte der Schulrat.

Wirtschaftsschule neu

Ab Dienstag wird die neue staatliche Wirtschaftsschule in Lauf den Unterrichtsbetrieb aufnehmen. In den Räumen der Kunigundenschule werden Lehrkräfte der dortigen Mittelschule und der staatlichen Berufsschule Nürnberger Land mit dem Modellversuch beginnen und die erste 8. Klasse unterrichten. Hier haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, in drei Jahren zum mittleren Schulabschluss der Wirtschaftsschule zu kommen. Die Wirtschaftsschule, die sukzessive aufgebaut wird, steht für Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Landkreis zur Verfügung. Der erfolgreiche Abschluss an dieser Schule bietet eine von den Unternehmen anerkannte, gute Grundlage für einen Berufseinstieg gerade im kaufmännisch-verwaltenden Bereich. Neu ist auch das Projekt „Musikalische Grundschule“, das in Altdorf, Winkelhaid und Diepersdorf praktiziert wird. Es soll die musikalische Grundbildung der Kinder stärken. Dabei kooperieren die teilnehmenden Schulen mit der Hochschule.

Die sinkenden Schülerzahlen sind dagegen ein Trend, der schon seit mehreren Jahren läuft. Für 2011/12 vermeldet das Schulamt 8438 Schüler, das sind 2,99 Prozent weniger. Bei den Abc-Schützen ist ein Rückgang um 8,49 Prozent zu verzeichnen. „Wir sind noch nicht an der Talsohle angekommen“, ist Schulamtsdirektor Hans Joachim Jenchen überzeugt.

Weiteren Zulauf erfährt dagegen die private Montessori-Schule in Lauf, an deren Grundschule es jahrgangskombinierte Klassen gibt, die von drei Lehrkräften betreut werden. Jede Lerngruppe umfasst Schüler der Jahrgänge 1 bis 4. Erstaunt ist er über die hohen Schülerzahlen in den Mittelschulen. Bei den M-Klassen gibt es ein Plus von 16,38 Prozent. 597 Schüler werden in M7 bis M10 unterrichtet, das sind 8,84 Prozent mehr als 2010/11. Weiter ausgebaut wird das Ganztagsangebot an Grund- und Hauptschulen im Landkreis. Ein Thema vor allem im nördlichen Nürnberger Land sind jahrgangskombinierte Klassen in der Grundschule: aktuell 20 Mal in acht kleineren Orten. „Nur so kann dort die wohnortnahe Schule erhalten werden“, stellte Jenchen fest.

Die Bezeichnung Hauptschule gibt es in ganz Mittelfranken nicht mehr. Alle angestrebten Schulverbünde wurden realisiert, im südlichen Landkreis sind es der Schulverbund Altdorf-Feucht-Schwarzenbruck-Winkelhaid mit den Mittelschulen in Altdorf und Feucht sowie über Landkreis- und Bezirksgrenzen hinweg schon seit 2010/11 der Schulverbund Burgthann-Postbauer-Heng-Pyrbaum mit den Mittelschulen in Burgthann und Postbauer-Heng.

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