Kirchweih Hersbruck

Manfred Pfann wird erneut zum Michelmühl-Bürgermeister gewählt

„Vize“ Norbert Winkler, Robert Ilg, Michelmühl-Bürgermeister Manfred Pfann, dritter Bürgermeister Horst Auer, Sonja Weid, Hans Arnold, Horst Wolf, Katharina Amann und Heidi Zeschky (v. links) vor der Michelmühle. | Foto: A. Pitsch2018/10/IMG_3888.jpg

HERSBRUCK – Es ist ein kühler Oktobermorgen. Die Sonne lacht schon vom Himmel – ein perfekter Kirwatag. Die Straßen im Scheunenviertel liegen ruhig da, doch betritt man die Michelmühl-Gaststätte, hört man zünftige Musik aus dem kleinen Gastzimmer. Es ist Zeit für die Wahl des Michelmühl-Bürgermeisters.

Sie sind schon ein eigenes Völkchen, die Michelmühler. Einige Jungs verlassen die Gaststätte gerade wieder. Fremde, ist unter den Gästen zu hören. Und für die ist heute im kleinen Gastraum mit den vier Tischen kein Platz. Denn der platzt morgens um zehn Uhr schon aus allen Nähten: Die drei Musiker füllen den Raum zwischen Tischen und Theke; man muss sich an ihnen vorbeidrücken, um überhaupt hineinzukommen.

„Könnt ihr a wenig lauter spiel’n? Ich hab‘ mei‘ Hörgerät vergessen!“, tönt es aus einem Eck, als der Sänger gerade einen Witz erzählt. Die Stimmung unter den überwiegend älteren Herrschaften ist gut. Die meisten haben sich mit Lederhose, Hemden und Michelmühlplakette um den Hals herausgeputzt. In den Pausen wird geplaudert, gelacht und am Bierchen genippt. Doch wo sind die Bürgermeister? Während Stadtoberhaupt Robert Ilg schon parat sitzt, wird auf die Michelmühler noch gewartet. „Es ist etwas zäh heute.“ Der Abend war wohl etwas länger …

Da kommt Manfred Pfann in die Stube gestürmt: „Guten Morgen, Herr Bürgermeister“, schallt es ihm entgegen. Wie es denn mit Briefwahl sei, wird Ilg, der Wahlvorsitzende, scherzhaft gefragt: „Das geht nicht, es gilt nach wie vor Anwesenheitspflicht“, antwortet Ilg mit gespieltem Ernst. Derweil wird am Nebentisch das vermisste Hörgerät abgeliefert. Die daheim vergessenen Tabletten hat die Frau auch gleich dabei. Sie setzt sich zu den anderen Damen, die sich vor die Theke gruppiert haben und fleißig schunkeln.

Langsam nimmt der Frühschoppen Fahrt auf. Die ersten wippen mit, klatschen im Takt auf dem Tisch mit, der ein oder andere Gurzer erfüllt den Raum mit der dunklen Holzdecke, den altmodischen Lampen und den weißen Wänden mit alten Fotografien. Einige Brotzeiten schweben über die Köpfe der Gäste hinweg zu den Hungrigen, der Zapfhahn kommt nicht zur Ruhe. Bei den Damen im Eck knallen die Sektkorken. Und das pünktlich zur Begrüßung durch die amtierenden Bürgermeister. Die verteilen erst einmal Taler für die Neulinge im Kreis der Scheunenviertelbürger, bevor die Musiker wieder aufspielen.

Inzwischen wird besprochen, wie die Wahl ablaufen soll: Wer hilft mit? Wer lässt sich überhaupt aufstellen? „Ich kann das auch wieder mit meiner undemokratischen Art lösen: Du, du und du – das dauert zwei Minuten“, witzelt Ilg. Eile hat hier aber keiner. Pfann lässt die Glocke läuten, sie scheppert laut – für alle, die Kopfweh haben, muss es im Schädel schmerzhaft dröhnen. Stille kehrt ein.

Es wird offiziell: Pfann übergibt die Amtskette an Ilg und erklärt seinen Rücktritt; er, der laut Ilg, an der Kirwa und an der Tradition hängt.  Warum es die Wahl überhaupt gibt, das weiß heute keiner mehr. „Ist halt scho‘ immer so“, ist bei den Gästen zu hören. Vielleicht wollten die Michelmühler damals ihren Zusammenhalt betonen und sich von der Stadt abgrenzen, mutmaßt Ilg. Dann ist er ganz Ohr für die Vorschläge: „Pfann“, schreit einer, Norbert Winkler ein anderer. Aber Letzterer lehnt ab: „Pfann ist das Herz der Michelmühlkirwa, da trete ich nicht an.“ Jetzt geht es schnell: Die Wahlzettel sind unnötig, alle wollen, dass er weitermacht. Applaus brandet auf.

Als „Vize“ kann sich die brabbelnde Menge Ines Wolf, Horst Auer und Norbert Winkler vorstellen. „Etz gibt’s a echte Wahl“, feixt Ilg. Zettelchen und Stifte machen unter allen Anwesenden die Runde – auch draußen im Gang und Wirtsgarten. Während der Wahlvorstand um Ilg, Heidi Zeschky und Sonja Weid auszählt, macht die Musik den Pausenfüller. Jubel schwappt durch den Raum, als Oberkirwabou Hans Arnold auftaucht. Dann verkündet Ilg das Ergebnis: Von 71 Leuten haben 35 Winkler auf den Zettel gekritzelt. Der Schorsch gratuliert gleich und erklärt, er trinke immer nur Bacchus-Schorle.

Vorschläge prasseln auch beim dritten Bürgermeister auf Ilg ein: Letztlich bleiben Wolfgang Wein, Wolf und Auer übrig. Letzterer sammelt 36 Stimmen von 76 und nimmt die Wahl an. Die Pflicht ist vorbei. Das „legendäre“, so sagen viele, Knöchle-Essen kann beginnen. Schließlich braucht es für den Rest des Tages eine gute Unterlage, denn so ein Frühschoppen kann lange dauern …

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch