Kantorin Heidi Brettschneider

Lieber Orgel als Schule

Schon an ihrem neuen Arbeitsplatz: Heidi Brettschneider an der Orgel der Stadtkirche. | Foto: Ute Scharrer2018/05/Heidi-Brettschneider-2.jpg

HERSBRUCK – „Üben war mir nie eine Qual“, bekennt sich Heidi Brettschneider zu ihrer ungewöhnlich frühen und starken Bindung an die Musik. Wenn die Kirchenmusikerin am Sonntag, 6. Mai, um 15 Uhr in der Stadtkirche als Dekanatskantorin eingeführt wird, dürfen sich Hersbruck und Umland auf eine vielseitig interessierte und ausgebildete Nachfolgerin von Kirchenmusikdirektor Karl Schmidt freuen.

„Wenn ich vor den Abiprüfungen im Unterricht gefehlt habe, wussten meine Lehrer schon, wo ich stecke: Orgel üben!“, lacht Heidi Brettschneider, geboren 1972, die an ihrem allerersten Arbeitstag als Kantorin von der 8-Uhr-Morgenandacht zum Gespräch mit der HZ in die Stadtkirche geeilt ist. Damals, zeitgleich zu den Vorbereitungen aufs Abi, standen für sie die Aufnahmeprüfungen für die Kirchenmusikhochschulen in Bayreuth, Herford und am Konservatorium Nürnberg an – und der Plan D als Beruhigungspille für ihren ob des brotlosen künstlerischen Berufs etwas skeptischen Vater: eine Hebammenausbildung.

Heidi Brettschneider schaffte das Abitur und die drei Aufnahmeprüfungen und entschied sich für Nürnberg, wo die Bandbreite der studierenden Musiker größer war. Der Vater ist heute stolz auf seine musikalische Tochter.

Damals lag das zarte Keimen in ihren musikalischen Beruf hinein bereits zehn Jahre in der Vergangenheit. Verwandte hatten ein durch ein neueres Instrument ersetztes Klavier in Heidis Elternhaus abgesetzt und der damals Achtjährigen dauerte die Wartezeit auf den ersehnten Klavierunterricht viel zu lange. Vom Blockflötenspiel kannte sie das Notenspektrum des Violinschlüssels, ihre Schwester hatte ein Übungsheft „Der junge Pianist“ besorgt und so tüftelte Heidi Brettschneider den Bassschlüssel und das zweihändige Spielen schon mal durch Versuch und Irrtum aus, bis es zur ersten formalen Klavierstunde kam.

Kaum ein paar Jahre später gab es in ihrem Heimatort Brunn bei Emskirchen im Kreis Neustadt/ Aisch Bedarf für eine Organistin: Bisher hatte ein Landwirt für Orgeltöne im Gottesdienst gesorgt, an einem heruntergekommenen Instrument und in einer düsteren Kirche. Das konnte die 13-Jährige nicht reizen. Das mitreißende Orgelspiel bei der Orgelweihe des kurz darauf renovierten Instruments und des runderneuerten Gotteshauses dann aber sehr wohl.

Mit 14 Jahren bestimmte für Brettschneider das Spiel im sonntäglichen Gottesdienst bereits den Wochenrhythmus und die Bettgehzeit am Samstagabend. Ihr Freundeskreis wusste damals schon, dass „die Heidi“ die Erste war, die vom gemeinsamen Ausgehen nach Hause aufbrach und die an Heilig Abend nicht mit der Familie im Kirchenschiff, sondern oben auf dem Orgelbänkchen saß.

Die Zielstrebigkeit und die Freude am Instrument hat sie sich erhalten: Nach dem sehr fordernden Studium in Nürnberg und Freiburg mit den fünf Hauptfächern Orgelliteratur, Orgelimprovisation, Chorleitung, Orchesterleitung und Liturgik absolvierte sie 1998/99 ihr Jahrespraktikum bei Eckart Grasser in Nürnberg-Mögeldorf.

Weit hat sich Heidi Brettschneider bisher von dort nicht fortbewegt, lockte doch für die erste eigene Stelle in der Auferstehungskirche Nürnberg-Zerzabelshof eine nagelneue „Heintz-Orgel“, wie sie lebhaft berichtet. Und ihr Mann, der bei Bühler-Motor in der Nürnberger Südstadt arbeitet, hatte einen ebenso kurzen Arbeitsweg wie sie. Für die geliebten Berg- und Fahrradtouren und vereinzelte Fernreisen lassen sie das Frankenland dann aber doch hinter sich.

In „Zabo“ gründete Brettschneider 1999 den Gospelchor der „Good News Gospelsinger“, der sie nun nach nahezu 20 gemeinsamen und erfolgreichen Jahren ziehen lassen musste – nach Hersbruck.

Hier hat sie sich herbeworben, weil die Gegend so schön ist und weil auf einmal alles zusammenpasste. Das müssen auch die Prüfer so gesehen haben, die sich von ihrem Introitus-Singen, dem Orgelspiel, den Test-Chorproben und dem Vorstellungsgespräch überzeugen ließen und sie unter einigen Mitbewerbern auswählten. Schließlich muss Brettschneider neben der Dreiviertelstelle in der Stadtkirchengemeinde in der restlichen Viertelstelle auch noch Dekanatsbelange unterbringen, wie etwa die Ausbildung von Organisten.

Fixpunkte werden für sie die Morgenandachten, die Chorproben mit Selnecker-Kantorei und Gospelchor, Beerdigungen und natürlich die Gottesdienste sein. Zu ihren Wünschen zählt auch ein Kinderchor, den sie gerne, wie an ihren vorherigen Arbeitsplätzen, mit schauspielerischen Elementen anreichern will: ob biblische Geschichte oder weltliches Musical, breit gefächerte Stilrichtungen sind für sie in der Erwachsenen- und der Kinderarbeit wichtig.

So ungern wie die Good News Gospelsingers Nürnberg sie laut ihrer Webseite ziehen lassen nach einer „langen, hervorragenden, spannenden und erfüllten Zeit mit ihr“, so sehr dürfen sich die Hersbrucker auf ihre neue Kantorin freuen.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer