THW-Chef Marcus Sperber

„Lieber machen als nur labern“

Ehrenamt aus tiefster Überzeugung: Im blauen Anorak fühlt sich Marcus Sperber wohl. | Foto: privat2019/01/IMG_0011.jpg

HERSBRUCK/LAUF – Er ist Firmenchef, führt den THW-Ortsverband und er ist Familienvater. Was treibt den Hersbrucker Marcus Sperber an, sich in diesem hohen Maß einzusetzen? Ein Gespräch mit dem 44-Jährigen über seinen Dienst für die Allgemeinheit, den er durchaus als vorbildlich betrachtet.

Wirklich ausgeruht sieht er nicht aus. Eher wie jemand, der verdammt viel um die Ohren hat. Das überrascht nicht: Immerhin ist Marcus Sperber Chef der „elasto form GmbH“, einer Firma mit insgesamt 500 Mitarbeitern, die europaweit 200 Millionen Werbeartikel pro Jahr vertreibt, und zudem Ortsbeauftragter des THW in Lauf, einer staatlichen Hilfsorganisation mit 150 Mitgliedern und gut 80 einsatzbereiten Aktiven. Letzteres kostet ihn noch einmal 600 Stunden Freizeit im Jahr, zusätzlich zum Fulltime-Job mit Vollverantwortung.

Zusätzlich zu den Bürozeiten, den Strategiesitzungen und Kundenterminen, Einkaufsplanung und Mitarbeitergesprächen in seiner Firma macht er ganz Ähnliches für das Hilfswerk, sinnvollerweise von seinem Chefsessel in Sulzbach-Rosenberg aus. „So ist es am effektivsten.“ Immerhin ist er ja berufsbedingt ohnehin viel unterwegs, alleine zwischen dem Firmensitz in der Oberpfalz und den Stützpunkten in Thüringen und Tschechien. Nicht zu vergessen die internationalen Messen.

Das ist hoher Einsatz und Sperber erweckt nicht den Eindruck, dass er es anders will. Zum einen ist er so geprägt, zum anderen will er „einfach machen können“. Schon in seinen Anfängen beim THW vor 25 Jahren habe er es nicht gemocht, wenn jemand etwas kritisierte und dann sofort wieder in die zweite Reihe abtauchte nach dem Motto: Ich weiß es besser, aber sollen das mal die anderen erledigen. „Nato ist ein No-Go“, sagt er etwas kryptisch in Insidervokabular und erklärt, auf die Rätselmiene seines Zuhörers reagierend: „Nato ist die Abkürzung für No Action, Talking Only“. Anders gesagt: „Lieber 100 Mal machen und ein Mal entschuldigen als nur labern oder dauernd Fragen stellen.“

Wie kommt er nach eigener Einschätzung damit an als Chef? „Ich verlange schon etwas, aber ich möchte auch, dass sich alle wohl fühlen.“ Sein Verhältnis zu Kollegen in der Geschäftsführung oder in der THW-Spitze sei gut. Das zeige sich alleine darin, dass die Zusammenarbeit eng und meist langjährig sei.

Wichtig sind ihm drei Tugenden: Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Vertraulichkeit. Danach bewertet er seine Mitstreiter. Diese Ausrichtung hat er als zwischenmenschlich klärend erfahren, angefangen in Jugendjahren, als er in die florierende Firma seines Vaters hineinwuchs. Er beklagt sich kein bisschen, wenn er erzählt, dass er eigentlich gar keine Wahl hatte und familienbedingt schon jung in den Dienst für eine größeren Sache geriet.

Sein Vater Gerhard habe ihn mit 16 gefragt — da war er noch Kollegstufenschüler am Paul-Pfinzing-Gymnasium — was er denn in den bevorstehenden Osterferien plane. Elastoform, in einer Hersbrucker Garage gegründet, expandierte gerade. „Nichts? Dann fliegst du mit mir nach Hongkong!“ Nicht viel älter vertrat Marcus Sperber zum ersten Mal alleine die Firma, gemeinsam mit einer Mitarbeiterin, bei einer Messe in Paris. Wenn er sich daran erinnert, ist ihm heute noch immer anzumerken, dass das damals viel und groß war, aber auch, dass er stolz ist, diese und viele weitere Herausforderungen gemeistert zu haben. Wie? „Nato“ jedenfalls war nicht drin, er gab einfach Vollgas und immer sein Bestes.

Das ging so weiter. Er studierte BWL und nach seinem Abschluss rückte er unerwartet schnell in die Elastoform-Geschäftsleitung auf. Er musste, weil damals zwei Mitarbeiter ungeplant die Firma verließen. „Das war eine Riesenaufgabe“, erinnert er sich, „du musst gleich voll mit rein“. Das Ehrenamt beim THW lief die ganze Zeit parallel: Grundausbildung, Truppführer, stellvertretender Ortsbeauftragter, Chef. „Nato“? Keine Chance.

Seit 2013 gehört ihm zusammen mit seinem Bruder Frank Elastoform. Beides, Hilfswerk und Firma, ist für ihn schon auch ein Stück Selbstverwirklichung. „Ich bin einfach ein Typ, der gerne mit antreibt und Gas gibt“, sagt er über sich selbst, und das kann er jeweils auch.

Seit einiger Zeit muss für seine Sache werben. Denn seit dem Wegfall der Wehr- und Dienstpflicht und auch wegen der aktuellen Vollbeschäftigung in der Wirtschaft fehlt dem THW Nachwuchs und Personal. Dabei sei es eine sinnvolle und verantwortungsvolle Tätigkeit, die einem in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung weiterhelfen könne und die in der aktuellen Weltlage immer wichtiger werde. Man lerne mit Technik umzugehen, könne sich mit voller Kraft einbringen und erlebe eine gute Kameradschaft.

Sperber selbst sind gerade die Freundschaften, die er beim THW gewann, kostbar. Wenn er von Freizeiten und Zusammenkünften erzählt, spricht er wie von einer großen Familie. Für ihn ist klar: Die Gesellschaft braucht das THW und das THW die Gesellschaft. Jeder Bürger sollte etwas zum Gemeinwohl beitragen, ist er überzeugt. Zum Beispiel beim THW. „Nato“? Geht halt nicht!

Gelegenheiten zum Schnuppern beim THW in Lauf bestehen am 12. Januar um 9 Uhr (Jugend, ab zehn Jahren) und am 17. Januar um 19 Uhr (für die Grundausbildung).

N-Land Michael Scholz
Michael Scholz