Raiba-Weihnachten

Nähmaschinen-Führerschein im Selbstversuch

„Nähen ist eine Leidenschaft“

Eine echt Bernina, produziert in den 60er Jahren. | Foto: Engelhardt2017/10/Leinburg-Naehkurs-4.jpg

LEINBURG – Die VHS Schwarzachtal bietet verschiedene Kurse zum Erlernen des kreativen Handwerks Nähen an, sei es für echte Anfänger oder für interessierte Fortgeschrittene. Jana Ackermann, leidenschaftliche Näherin und Mutter, leitet einen Anfänger-Nähkurs, an dem unsere Boten-Mitarbeiterin Luca Engelhardt teilnahm, um sich erstmals an die Nadel zu wagen. 

„Das Nähen ist ein wahnsinnig tolles, kreatives Handwerk.“ Mit diesen Worten leitet Jana Ackermann den Kurs ein. In diesem soll alles Grundsätzliche über das Arbeiten mit der Nähmaschine vermittelt werden, er findet in einer familiären und entspannten Atmosphäre in den neuen Räumen des Gemeindezentrums in Leinburg statt. Jeder der Teilnehmer hat seine eigene Nähmaschine vor sich stehen, mir wurde ein klassisches Bernina-Modell zur Verfügung gestellt. Zu Beginn erklärt Ackermann, wie das Gerät überhaupt funktioniert und was die vielen Knöpfe und Rädchen bedeuten – zum Glück, denn ich hatte noch nie zuvor eine Nähmaschine vor mir stehen. Dann erklärt die erfahrene Näherin Schritt für Schritt, wie man Ober- und Unterfaden einfädelt und wie man Stichlänge und Stichbreite einstellt.

Viel Geduld

Um zu üben bekommt jeder von uns ein Stück Stoff, auf welchem wir erst mal einen geraden Stich und dann einen Zickzackstich ausprobieren sollen. Dies ist nicht so leicht wie gedacht – oft verfängt sich der Faden oder der Stoff wird zu stark gezogen und faltet sich dadurch. Mit viel Geduld geht Ackermann von Teilnehmer zu Teilnehmer, beantwortet Fragen, hilft jedem der Hilfe benötigt und verteilt Ratschläge. Mir erklärt sie, auf was man bei dem alten Modell besonders achten muss, da es bei dem Gebrauch einige Unterschiede zu den neueren Modellen gibt. Es ist beispielsweise kein Display vorhanden, der die Stichlänge und -breite anzeigt, wie das heutzutage meist der Fall ist.

Die Nähkurse sind vor allem in den letzten Jahren immer beliebter geworden. | Foto: Engelhardt2017/10/Leinburg-Naehkurs-2.jpg

Seit drei Jahren gibt die zweifache Mutter Kurse, in ihrem Laden „Gartenstrasse eins“ in Happurg befindet sich ein kleines Nähatelier mit vier Nähplätzen und einem Schneidetisch. Neben den Kursen verkauft sie selbstdesignte und selbstgenähte Kinderklamotten, auch die wichtigsten Basics fürs Nähen wie beispielsweise Nadeln und Stoffe findet man in dem Laden.

Ökologische Stoffe

Besonderen Wert legt Ackermann darauf, dass ihre Klamotten aus ökologischen Stoffen bestehen. „Wenn ich einen Stoff kaufe, ist mir wichtig, dass ich ein gutes Gewissen haben kann, weil er in Achtung vor Mensch und Umwelt hergestellt wurde“, schreibt Ackermann auf ihrer Webseite. Dennoch sind ihre designten Klamotten nicht schlicht gehalten, wie das bei ökologischen Klamotten oft der Fall ist, sondern sehr detailreich und mit einer gewissen Art von Charme. „Meine eigenen Kinder haben sehr viel von mir an, sie sind meine beste Werbung“ sagt sie lachend.

Die gelernte Lehrerin näht bereits seit sie zehn Jahre alt ist. Während ihrem Lehramtstudium hatte sie eine längere Pause vom Nähen, hat aber nie ganz aufgehört. Vor ein paar Jahren dann hat sie ihre richtige Leidenschaft wieder entdeckt und ihren Beruf an den Nagel gehängt – um ihrer wahren Berufung nachzugehen. „Das Nähen lässt einen nicht los. Das ist eine Leidenschaft fürs Leben.“

Gespür für gute Materialien

Als ich sie frage, was für sie das Schönste am Nähen ist, so antwortet sie mir ohne zu Zögern: „Kreativität.“ Die Näherin fasziniert, dass man aus alten Stoffen, aus Nichts, etwas ganz Tolles und komplett Neues machen kann. Indem sie verschiedene Stoffe zusammen näht und immer wieder ein Stück anfügt, sind ihr keine Grenzen gesetzt. Ihren Kursteilnehmern mit auf den Weg geben will sie neben dieser Kunst des Designens vor allem das nötige Gespür für gute Materialien. Oma‘s alte Stoffe, Garne und Nähmaschinen sollen immer eine super Qualität haben, während man das ganze neue Zeug auf den Schrotthaufen schmeißen könne. „Heutzutage muss alles immer billig, leicht und schnell produziert sein. Aber es rentiert sich einfach, das ein bisschen teurere Nadelset zu kaufen – dafür hält es dann zehn Jahre.“

Jana Ackermann näht aus Leidenschaft – und gibt ihr Wissen gerne weiter. | Foto: Engelhardt2017/10/Leinburg-Naehkurs-1.jpg

Die zu einem gewissen Anteil jüngeren Interessenten des Nähkurses zeigen, dass das Nähen schon lange wieder in Mode und nicht nur was für Ältere ist. Auch Kurse für Jugendliche oder zum Nähen von Dirndln bietet die VHS an, was den Bezug zur Moderne deutlich macht. Vor ungefähr fünf Jahren gab es einen gewissen „Nähboom“, der laut Ackermann zusammen mit dem Do-it-Yourself-Trend einherging. „Die Leute wollen viel nähen, sie wollen viel selber machen“, das hat die Näherin anhand der steigenden Nachfrage an ihren Kursen zu spüren bekommen.

Ein echtes Erfolgserlebnis

Als wir genug an unseren Stoffteilen geübt haben, dürfen wir uns endlich an unsere erste selbstgenähte Tasche wagen. Dazu nimmt sich jeder zwei Stoffteile und schneidet sich die richtige Größe zurecht. Nachdem ich meine Stoffe gebügelt und mit Nadeln festgesteckt habe, nähe ich dann los. Im Hinterkopf behalte ich dabei das soeben Gelernte über das Nähen und worauf ich besonders achten muss. Nach einiger Zeit hält schließlich jeder von uns seine fertige Tasche in der Hand – ein echtes Erfolgserlebnis, bedenkt man, dass ich einige Male an meinem Können gezweifelt und aus Versehen meine Nadel zerbrochen habe. Und selbst wenn sich meine Tasche sofort nach Fertigstellung an einer Ecke bereits wieder aufgelöst hat – mein Interesse fürs Nähen wurde durch den Kurs auf jeden Fall geweckt. Und es ist ja bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Luca Engelhardt

N-Land Der Bote
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