Werk 3 in Diepersdorf eröffnet

Bolta wächst weiter

Das Werk 3 steht am Rand des Diepersdorfer Gewerbegebiets.
Das Werk 3 steht am Rand des Diepersdorfer Gewerbegebiets. | Foto: Braun2017/06/eroffnung-bolta-werk3-aussen-nah-tib.jpg

DIEPERSDORF — Die Bolta-Werke in Diepersdorf haben ihre neue Technologiefabrik eröffnet. Das Werk 3 ist eine weitere Konsequenz des rasanten Wachstums des Automobilzulieferers in den vergangenen Jahren. Und damit soll noch lange nicht Schluss sein.

Nicht einmal zehn Monate ist es her, dass Geschäftsführer Christian Falk zusammen mit Ehrengästen den Spaten in den sandigen Boden im Diepersdorfer Industriegebiet rammte und damit den Startschuss für den Bau der 2500 Quadratmeter großen Halle am Rande des Lorenzer Reichswald gab. Nun durfte Falk zusammen mit Landrat Armin Kroder, Leinburgs Bürgermeister Joachim Lang und Jörg Maisel, dem Juniorchef des gleichnamigen Bauunternehmens, das Band zum Eingang der Halle durchschneiden.

Rund acht Millionen Euro hat Bolta in das neue Werk investiert. 35 000 Tonnen Erdreich wurden dafür bewegt, 10 000 Tonnen Mineralbeton und Schotter sowie 5500 Tonnen Stahlbeton verbaut, wie Maisel berichtete. Seit gut einem Monat bereits fertigen dort 100 Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb Kühlerschutzgitter für die drei großen Kunden des Diepersdorfer Unternehmens: die Automobilhersteller Audi, Mercedes und Volkswagen. 4500 solcher Gitter werden in Diepersdorf täglich ausgeliefert – weltweit sind es in dem Konzern, der seit 1985 zur britischen Purico-Gruppe gehört, sogar 6100.

Geschäftsführer Christian Falk (rechts im Vordergrund) erklärt zusammen mit einem Mitarbeiter, wie die einzelnen Teile der Kühlerschutzgitter veredelt und miteinander verbunden werden.
Geschäftsführer Christian Falk (rechts im Vordergrund) erklärt zusammen mit einem Mitarbeiter, wie die einzelnen Teile der Kühlerschutzgitter veredelt und miteinander verbunden werden. | Foto: Braun2017/06/eroffnung-bolta-werk3-fuhrung-falk-mitarbeiter-kuhlergrill-tib.jpg

Doch zunächst durchläuft jedes Teil die Qualitätskontrolle, die im Erdgeschoss des neuen Gebäudes untergebracht ist. Jedes Kunststoffgitter, jeder Mercedes-Stern wird von den geschulten Augen der Mitarbeiter mehrfach unter die Lupe genommen, bevor er an den Kunden geht. Auch die Montage findet hier statt. So werden die Kunststoffteile zusammengeführt, die zuvor in den benachbarten Werken 1 und 2 gegossen und galvanisiert, also beschichtet, wurden. Bürgermeister Lang und Landrat Kroder durften beim Rundgang selbst Hand anlegen und dabei feststellen, dass die Maschinen nicht den kleinsten Fehler beim Einlegen der Schutzgitter verzeihen.

Messungen auf den Mikrometer genau

Besonders genau nimmt es das sogenannte Koordinatenmessgerät: Bis auf 47 Mikrometer (μm) – das entspricht einem halben menschlichen Haar – prüft dieses, ob alle Bauteile auch den Vorgaben entsprechen. Dafür benötigt die ausladende Maschine einen eigenen Raum, der auf exakt 21 Grad temperiert, mit 1000 Lux ausgeleuchtet und durch ein besonders festes Fundament vor Schwingungen geschützt ist.

Keine Fotos dürfen von den drei neuen Heißprägemaschinen gemacht werden, die zwischen 100 000 und 270 000 Euro gekostet haben. Was hier gefertigt wird, ist streng geheim: unter anderem der „Diamantgrill“ für die Premium-Fahrzeuge von Mercedes und das Kühlerschutzgitter für den neuen CSL. „Wir wissen schon immer lange vorher, wie die neuen Modelle aussehen werden“, erklärt Falk. Schließlich arbeiten die Diepersdorfer eng mit den Designern der Automobilhersteller zusammen, um den Fahrzeugen ein neues Gesicht zu geben.

Aus diesem Grund wurde im ersten Stock der Halle ein eigener Bereich für Innovationen und Pilotprojekte eingerichtet, den nur ein eingeschränkter Personenkreis betreten darf. Die Eröffnungsgäste gehörten jedenfalls nicht dazu.

Weltweit 3200 Mitarbeiter

Doch auch so haben sie einen interessanten Einblick in ein Unternehmen erhalten, das nicht nur seine Produktpalette enorm erweitert hat. Aus den 400 Mitarbeitern, die hier noch vor zehn Jahren beschäftigt waren, sind inzwischen 1400 allein in Diepersdorf geworden. Dazu kommen 1800 weitere an den Standorten in Gottmadingen, Gütersloh, Puebla (Mexiko) und in Tuscaloosa im US-Bundesstaat Alabama. Ein weiteres Werk in Ungarn ist in Planung. Zu den Angestellten gehören auch 61 Auszubildende in zwölf verschiedenen Berufsfeldern – vom Mechatroniker über den Chemielaboranten bis zum Fachinformatiker.

Auch die Entwicklung des Umsatzes kann sich sehen lassen. Er stieg von 70 Millionen Euro im Jahr 2007 auf 272 Millionen Euro 2016. Und weil die Verträge eine mittelfristige Planung möglich machten, so Falk, rechne die GmbH bis 2020 mit einer Steigerung auf eine halbe Milliarde Euro.

Bekenntnis zu Diepersdorf

Dafür habe man in den vergangenen Jahren aber auch alleine in Die­persdorf 36 Millionen Euro investiert, so der Geschäftsführer weiter. Dies sei nicht nur ein klares Bekenntnis zum Stammsitz, sondern auch eine wichtige Investition in die Zukunft in einer umkämpften Branche, die permanent Innovationen fordere.
Das hörten auch Landrat Kroder und Bürgermeister Lang gerne. Das Unternehmen hat sich ihnen zufolge längst zu einem der größten Arbeitgeber im Landkreis – rund 400 Mitarbeiter wohnen direkt im Gemeindegebiet Leinburg – und zu einem guten Steuerzahler gemausert. Die Politik und die Verwaltungen, das betonten beide, seien stets darum bemüht, Lösungen für die Erweiterungswünsche der Bolta zu finden, „natürlich immer im Rahmen des rechtlich Möglichen“, betonte Lang.

Und die Baufahrzeuge werden bald schon wieder anrücken: Noch in diesem Jahr soll der Spatenstich für das neue Bürogebäude in der Reichswaldstraße, direkt gegenüber dem Verwaltungsgebäude, erfolgen.

N-Land Tina Braun
Tina Braun