Betrieb läuft weiter – aber nur bei guten Umsätzen

Wie lange hält der EWS-Markt noch durch?

Neuer Mieter gesucht: Noch ist offen, wer den Markt an der Hersbrucker Straße in Lauf übernimmt. Nach PZ-Informationen laufen Gespräche mit zwei Einzelhandelsketten.
Neuer Mieter gesucht: Noch ist offen, wer den Markt an der Hersbrucker Straße in Lauf übernimmt. Nach PZ-Informationen laufen Gespräche mit zwei Einzelhandelsketten. | Foto: PZ-Archiv/Sichelstiel2017/11/ews-markt-lauf-insolvenz-hersbrucker-strasse-hochformat.jpg

LAUF — Angestellte wie Kunden des insolventen Laufer EWS-Markts bleiben im Ungewissen: Der Betrieb läuft weiter – aber nur so lange, wie der Umsatz stimmt. Rote Zahlen darf das Unternehmen nicht mehr schreiben, sonst gehen die Lichter aus. Der Eigentümer der Immobilie an der Hersbrucker Straße sucht derweil nach einem neuen Betreiber. Nach PZ-Informationen sind zwei Einzelhandelskonzerne im Gespräch.

Das Amtsgericht Nürnberg hat am 1. November das Insolvenzverfahren für den EWS-Markt eröffnet, nachdem das Unternehmen Ende August – die Pegnitz Zeitung berichtete – einen entsprechenden Antrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt hatte. „Der Betrieb wird im Augenblick weitergeführt“, sagt Hubert Ampferl, der vom Gericht bestellte Insolvenzverwalter.

„Entscheidend ist, dass uns die Kunden die Treue halten“

Er legt sich aber nicht darauf fest, wie lange es den Vollsortimenter mit über 50.000 Artikeln in den Regalen noch geben wird. „Entscheidend ist jetzt, dass uns die Kunden die Treue halten“, sagt der Rechtsanwalt der Nürnberger Kanzlei Dr. Beck & Partner. Ampferl: „Als Treuhänder der Gläubiger kann ich die Geschäfte nur kostendeckend führen.“ Neue Schulden darf er nicht machen, „es kommt also darauf an, dass wir einen gewissen Umsatz erzielen“.

Das in Lauf kursierende Gerücht, dass nach dem Weihnachtsgeschäft definitiv Schluss sei mit dem EWS-Markt, trifft demnach nicht zu. Ein Funken Wahrheit steckt trotzdem in ihm: Januar und Februar sind im Lebensmitteleinzelhandel die umsatzschwächsten Monate, wie Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen. In diesem Zeitraum könnte es also zumindest eng werden für die Laufer Institution.

Ein Lob für die Mitarbeiter

Für die Belegschaft bedeutet diese Situation, dass die Ungewissheit andauert. Von 127 Mitarbeitern zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags sind nach Angaben Ampferls noch etwa 100 übrig, „einige haben uns verlassen und werden uns noch verlassen“. Es handle sich dabei aber nicht um Kündigungen, stattdessen seien Aufhebungsverträge unterzeichnet worden. Der Insolvenzverwalter spricht der EWS-Mannschaft ein dickes Lob aus: Sie sei „fleißig und zuverlässig“, gar „eine große Familie“. Die Gehälter würden derzeit ohne Einschränkungen gezahlt.

Mit dem EWS-Markt an der Hersbrucker Straße startete im Januar 1996 Ernst Werner Schmidt neu durch. Er hatte aus einem kleinen Nürnberger Milchladen in den Siebzigern die Kaufmarkt-Kette aufgebaut, diese 1988 aber an die AVA AG aus Bielefeld verkauft, die Vorgängerin der heutigen Marktkauf-Holding.
Schmidt, der 2010 starb, griff in der Pegnitzstadt seine Nürnberger Erfolgsrezepte wieder auf – dazu gehörte ein Bistro, eine „Gläserne Metzgerei“ sowie eine eigene Bäckerei. „Billig, aber gute Qualität“, so umschreibt der Insolvenzverwalter das Geschäftsprinzip.

3600 Quadratmeter Verkaufsfläche

Zeitweise hatte das Unternehmen 170 Mitarbeiter. Diese Zahl weist zumindest ein Bericht der Industrie- und Handelskammer aus dem Jahr 2006 aus. Die Verkaufsfläche betrug zuletzt 3600 Quadratmeter.

Doch wer Qualität einkauft, aber günstige Preise macht, erzielt nur geringe Margen. Hinzu kommt, dass der Wettbewerb hart ist. Georg Münch, einer der beiden EWS-Geschäftsführer, verwies im August dieses Jahres im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung auf die gewachsene Konkurrenz. Er zählte seit 1996 über 30 Neueröffnungen von Lebensmittelgeschäften in einem Umkreis von 15 Kilometern. „Die Macht der Großen ist größer geworden“, so der Geschäftsführer. Heute äußert sich Münch nicht mehr, er sei „nicht befugt dazu“, sagt er am Telefon.

Sechsstelliges Minus

Laut Jahresabschluss fehlten dem EWS-Markt bereits im Geschäftsjahr 2015 rund 714 000 Euro zu einer schwarzen Null. Damals verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 5,9 Prozent. Für 2017 rechneten die beiden Geschäftsführer mit einem voraussichtlichen Defizit von 600 000 Euro. Mit dem Eigentümer des Gebäudes, einem Erben von Ernst Werner Schmidt, einigten sie sich auf „eine Aussetzung der Mietzahlungen für das Jahr 2017“. Die EWS Warenhandelsgesellschaft mbH selbst besaß zum Zeitpunkt des Abschlusses keine Immobilien, der mit Abstand größte Teil des ausgewiesenen Vermögens sind die Warenvorräte.

Der Gebäudeeigentümer, sagt Insolvenzverwalter Ampferl, „unternimmt seit Jahren alles in seiner Macht Stehende, die Gesellschaft zu stützen“. Der EWS-Erbe ist nun auch bei der Suche nach einem neuen Betreiber gefragt. Nach PZ-Informationen laufen Verhandlungen mit zwei großen Einzelhandelsketten. Krux dürfte der Investitionsbedarf in die Immobilie mit ihrem großen Parkhaus sein.
Ampferl bestätigt auf Anfrage nur, dass es „mehrere Interessenten“ gebe, noch habe keiner den Zuschlag. Ein neuer Betreiber würde die Geschäfte und eventuell den Warenbestand übernehmen. Offen ist, wie viele Mitarbeiter er braucht.

Die Zukunft der beiden ebenfalls zum Unternehmen gehörenden Getränkemärkte ist hingegen bereits geklärt. Die Filiale in Röthenbach wurde geschlossen, die in Lauf übernimmt die Fränky-Kette.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel