Wie sicher sind die Hochhäuser in Lauf und Röthenbach?

Wenn die Drehleiter nicht mehr weiterhilft

Hochhaus Lauf Drehleiter Feuerwehr
Die Feuerwehr Lauf führt am Hochhaus in der Christof-Treu-Straße vor, wie weit die Drehleiter reicht. | Foto: Feuerwehr2017/06/hochhaus-lauf-drehleiter.jpg

LAUF/RÖTHENBACH— 24 Stockwerke hat der Grenfell Tower in London, der bei einem verheerenden Feuer zerstört wurde. Die Hochhäuser in Lauf und Röthenbach sind mit 13 Stockwerken zwar niedriger, doch wie sicher sind sie? Feuerwehrleute sind sich einig: Eine Katastrophe wie in London ist in Deutschland kaum vorstellbar. Brennt es jedoch in den Gebäuden in der Christof-Treu-Straße in Lauf oder in der Röthenbacher Tannenstraße und der Friedrich-Wittmann-Straße, gelten besondere Einsatzregeln.

„Wenn es im Laufer Hochhaus brennt, rücken wir mit doppeltem Kräfteeinsatz aus. Das heißt, es kommen zwei Löschzüge. Das sind dann 40 statt sonst 20 Feuerwehrleute“, sagt Daniel Bösch, der stellvertretende Laufer Kommandant. Denn Hochhausbrände sind für die Feuerwehr eine kräftezehrende Angelegenheit. Im Ernstfall muss das für den Löscheinsatz benötigte Material nämlich erst einmal nach oben transportiert werden. Bei Neubauten ist hierfür ein spezieller Feuerwehraufzug vorgesehen. Doch gerade in älteren Hochhäusern gibt es einen solchen Aufzug oft nicht. Das Hochhaus in der Christof-Treu-Straße etwa ist Baujahr 1961, hier trifft das zu.

„Wir errichten das sogenannte Depot zwei Stockwerke unter dem Brandherd“, sagt Bösch, der nicht nur ehrenamtlich in Lauf Feuer löscht, sondern hauptberuflich auch in Erlangen, wo zumeist kleinere Hochhausbrände etwa einmal im Jahr vorkommen. Während der erste Trupp vorrückt, erklärt er, schaffen weitere Einheiten das notwendige Material ins Depot. Das bedeutet viel Treppensteigen. Und es kostet Zeit.

Doch dass sich ein Feuer so wie im Londoner Grenfell Tower rasch über das gesamte Gebäude ausbreitet, brauchen die Röthenbacher und Laufer Hochhausbewohner ohnehin nicht fürchten. Zumindest versichern das die Fachleute. Im deutschen Baurecht sind Brandmeldeanlagen ebenso vorgeschrieben wie fest installierte Steigleitungen und nicht brennbare Fassadenverkleidungen.

Treppenhaus muss frei sein

Hinzu kommt ein festgelegter Feuerwiderstand für einzelne Wohnungen. „Bei modernen Bauten sind das zwei Stunden“, sagt Bösch. In der Theorie sollen Flammen erst nach dieser Zeitspanne auf andere Bereiche übergreifen. So bleibt genug Zeit für die Evakuierung über einen Treppenraum, „in dem man sicher ist“, so Bösch. Dafür sorgen unter anderem rauchdichte Türen. „Zu 99,9 Prozent ist das Treppenhaus rauchfrei“, sagt auch Böschs Röthenbacher Kollege Martin Knorr, der dortige Feuerwehrkommandant. Darum sei es wichtig, dass die Treppenhäuser immer frei seien. Darauf unter anderem achte man bei Begehungen, die „alle zwei bis drei Jahre“ stattfinden.

Als Fluchtweg sind die Treppenräume auch deshalb wichtig, weil übliche Drehleitern nur eine Höhe von 23 Metern erreichen. Ein Hochhaus ist per Definition ein Gebäude, in dem eine Rettung per Drehleiter nicht mehr in jedem Stockwerk möglich ist. „Gefordert ist, dass wir es ins siebte Stockwerk schaffen“, heißt es von den Laufer und Röthenbacher Feuerwehren. Im Idealfall sei zwar auch noch der zwölfte Stock in Reichweite, aber dafür dürfe kein parkendes Auto die Zufahrt und den Aufstellort der Drehleiter blockieren. Also eher unwahrscheinlich.

„Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass so ein Ereignis in Europa passieren kann“, sagt Bösch angesichts der Bilder des vollständig ausgebrannten Londoner Hochhauses. „Im Extremfall eine Ausbreitung auf ein Stockwerk, ja, aber auf das ganze Gebäude?“ Für die Mannschaft sei ein solcher Brand, bei dem es noch dazu so viele Tote gab, aufwühlend.

Der stellvertretende Laufer Kommandant schaut ohnehin mit anderen Augen auf die Fernsehberichte. Er traf im Januar dieses Jahres kurz mit Danny Cotton, der Londoner Feuerwehrchefin, zusammen. Sie sprach bei der diesjährigen Verleihung des Conrad-Dietrich-Magirus-Preises in Ulm, wo Bösch von der Reise der Vorjahressieger – sechs Feuerwehren aus dem Nürnberger Land – nach New York berichtete. Cotton, sagt er, habe sich von der Mannschaftsebene zur Feuerwehrchefin hochgearbeitet. „Sie weiß, wie es ist, wenn man in ein brennendes Haus geht.“

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel