Sommerkabarett der Spitzenklasse

„Rampensau“ Lizzy Aumeier und ihr Shootingstar, Vorras Bürgermeister Volker Herzog, als inniges Paar. Foto: S. Fuchs2011/06/5_2_3_2_20110608_AUMEIER.jpg

VORRA — Im Rahmen des Festwochenendes anlässlich der 1000-Jahr-Feier bekamen die Festzeltbesucher am Samstagabend Sommerkabarett vom Feinsten geboten. Die aus Funk und Fernsehen allen bestens bekannten Kabarettisten Lizzy Aumeier, Bernd Regenauer, Andrea Lipka und natürlich Klaus Karl-Kraus hatten bei ihrem gemeinsamen Auftritt in Vorra ein echtes Heimspiel.

„Club-Fan“ Klaus Karl-Kraus, der den Abend moderierte, gewann von der ersten Minute an „sein Publikum“ für sich, nachdem er es für den großartigen und donnernden Begrüßungsapplaus lobte (den er allerdings zweimal einfordern musste!). Und dann hatte er extra ein Vorra-Lied mitgebracht, das er Zeile für Zeile vorsingend mit dem „überdimensionierten Fischerchor“ einübte. Text: „Vorra – Du wirst 1000 Jahr; Vorra – des iss wunderbar“.

Für pure Begeisterung und kaum endende Lachsalven sorgte die in Schnaittach beheimatete Kabarettistin Andrea Lipka mit Auszügen aus vier (!) ihrer derzeit laufenden Programme, optisch erkennbar am raschen Kleiderwechsel. Da schilderte sie etwa die unterschiedlichen Gesprächsgewohnheiten von Mann und Frau. Wenn ersterer seine täglichen 2000 Worte bereits im Büro nahezu verbraucht habe, reiche es am Abend nur noch zu „Hol a Bier“. Bei den Einkaufsproblemen eines Ehepaars („Mein Mo krieg i net ins Gschäft nei, obwohl a a Husn bräucht“) schöpfte sie aus der Fülle des Alltags, was die die anwesende Damenwelt voll bestätigte. Dafür ginge der Mann öfters in einen Baumarkt („Was ist wohl erotisches an Spreizdübeln?“). Und letztlich zweifelte sie, dass Eva aus einer Rippe Adams entstand, eher schon aus dem Gehirn, „weil bei ihm nichts mehr übrig blieb“!

Bernd Regenauer philosophierte u. a. über das Thema Freundlichkeit, ein absoluter „Kraftakt“ für einen echten Franken. Zu den Überhand nehmenden Schönheitsoperationen hatte er den Vorschlag parat, das Fettabsaugen ohne Umweg über den Menschen doch bitteschön schon bei der Sau vorzunehmen. Und auch die Post bekam „ihr Fett“ weg, denn der Satz „ich gebe einen Brief auf“, habe mittlerweile eine neue Bedeutung bekommen. Da mussten so manche Zuhörer erst mal ernsthaft nachdenken, bevor sie applaudierend zustimmten. Klaus Karl-Kraus (Motto: „Das ganze Leben ist ein Kraus“) ließ sich zwischendurch über die „Altersteilzeitsklaven“ im Ehealltag aus, denen man noch am Rollator einen Rasenmäher anmoniere.

Im zweiten Teil des Abends kündigte KK in liebevollsten Tönen eine „echte Rampensau“ an, nämlich Lizzy Aumeier aus der benachbarten Oberpfalz. Die ging zunächst recht humorvoll und selbstironisch auf ihren Autounfall ein, der zwar vom Ehemann verschuldet, aber ihr in die Schuhe geschoben worden sei. So müsse sie neben dem Führerschein auch einen Depperles-Test machen. Schwierige Frage: Wann ist das Wenden auf der Autobahn erlaubt? Natürlich an der Grenze zur (geliebten) Oberpfalz. Mit ihrer „hohen Kunst des Blödelns“ und den spontanen Dialogen mit dem Publikum sorgte sie, einen Gag an den anderen reihend, für eine Bombenstimmung im Zelt.

Absoluter Shootingstar des Abends aber war Bürgermeister Volker Herzog, der, von Lizzy Aumeier auf die Bühne gebeten, mit der (über-)gewichtigen Kabarettistin eine gekonnte Liebeserklärung hinlegte, wofür das ungleiche Paar tosenden Beifall bekam. Schon eingangs hatte der Gemeindechef Bernd Regenauer kurzzeitig sprachlos gemacht, als er ihm einen Strafbefehl aus dem Jahre 1975 präsentierte. Letzterer stand damals in Verdacht, als Jugendlicher die Rifflerfelsen mit roter Farbe beschmiert zu haben. Das Verfahren wurde aber seitens der Staatsanwaltschaft eingestellt, weil der spätere Erfinder der „Metzgerei Boggnsagg“ zu dieser Zeit im Artelshöfer Naturfreundehaus übernachtet hatte.

Eingangs hatte Bürgermeister Herzog Andrea Deyerler für die Organisation des Abends ebenso gedankt, wie Theatermaler Matthias Meier und der Videogruppe des Paul-Pfinzing-Gymnasiums, die für Beleuchtung, Technik und Aufzeichnung verantwortlich waren. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von den „Pegnitzer Boum“ und er endete erst, nachdem nach lauten Zugabe-Rufen jeder Akteur noch einen Witz bzw. ein Gedicht zum Besten gab. Und die Meinung der überaus zufriedenen Besucher: „Das Beste, was Franken und die Jubelgemeinde aufbieten konnten!“

N-Land Siegfried Fuchs
Siegfried Fuchs