Montessori-Kinderhaus feiert Geburtstag

Seit 25 Jahren ein „Dorf im Dorf“

Pädagogische Leiterin Monika Meinhardt, geschäftsführende Leiterin Verena Loibl und Vorstandsmitglied Volker Böschen vor der „Weltenschaukel“ im Garten des Montessori-Kinderhauses in Simonshofen.
Pädagogische Leiterin Monika Meinhardt, geschäftsführende Leiterin Verena Loibl und Vorstandsmitglied Volker Böschen vor der „Weltenschaukel“ im Garten des Montessori-Kinderhauses in Simonshofen. | Foto: Buchner-Freiberger2017/05/25-jahre-monte-kinderhaus-meinhard-loibl-boschen.jpg

LAUF — Es ist ein „Dorf im Dorf“ mit Platz für rund 70 kleine „Bewohner“: Das Montessori-Kinderhaus im Laufer Ortsteil Simonshofen feiert am Samstag sein 25-jähriges Bestehen.

Alles fing 1991 an, als eine Gruppe von Eltern eine Alternative zu städtischen oder kirchlichen Kindergärten suchte. In Simonshofen fanden sie ein altes, denkmalgeschütztes Bauernhaus, das im Besitz der Familie Maiß war, und beschlossen, darin einen Kindergarten einzurichten, der auf den Grundsätzen von Maria Montessori fußen sollte. In Eigenregie wurde renoviert, sodass schon im März 1992 die erste Gruppe einziehen konnte, die zweite folgte ein halbes Jahr später. „Im Dorf gab es durchaus Vorbehalte“, blickt Verena Loibl zurück, heute geschäftsführende Leiterin des Kinderhauses. „Es wurde zum Beispiel gefragt, ob es stimme, dass die Kinder hier alles dürfen“, erzählt sie schmunzelnd.

Knapp 70 Kinder

Dem Zustrom tat das keinen Abbruch. Immer wieder wurde angebaut, zuletzt entstand 2013 ein komplett neues Haus mit Räumen für die Krippengruppe sowie für Verwaltung und Personal. Auf vier Gebäude verteilt sich das Kinderhaus inzwischen, das idyllisch zwischen Pferdekoppeln liegt. Alles ist ein bisschen verwinkelter als in neu gebauten Kindergärten, aber gerade deshalb gemütlich. Überall gibt es kleine Ecken, in die sich Kinder zurückziehen können. Auch eine Werkstatt gehört zum Ensemble. Knapp 70 Mädchen und Jungen in vier Gruppen besuchen das Kinderhaus, das 20 Mitarbeiter hat. Die Zahl der Interessenten übersteigt die der Plätze.

Geführt wird es bis heute als Elterninitiative, das heißt, ein Verein übernimmt die Trägerschaft. Dieser zählt aktuell 85 Mitglieder, viele von ihnen haben schon lange keine kleinen Kinder mehr. In der Mitgliederversammlung werden wichtige Entscheidungen getroffen. Außerdem bringt jede Familie pro Jahr mindestens 20 Arbeitsstunden ein. „Wir stecken unser  Geld lieber ins Personal als in Handwerkerstunden“, erklärt Verena Loibl. Der Vorstand des Trägervereins arbeitet eng mit der pädagogischen Leitung zusammen, als drittes Gremium gibt es den Elternbeirat.

„Hilf mir, es selbst zu tun“

„Hilf mir, es selbst zu tun“, ist der Grundsatz der Montessori-Pädagogik. Was das konkret bedeutet, erläutert die pädagogische Leiterin Monika Meinhardt: „Bei uns werden die Kinder stark in den Alltag eingebunden, dürfen beim Kochen helfen, Fenster putzen oder Blumen schneiden.“ Und es eben immer wieder versuchen, wenn etwas nicht klappt. Bewusst setze man – entgegen dem Trend – auf feste Gruppen. „Das gibt den Kindern die Sicherheit, Freiheit genießen zu können. Zu viele Möglichkeiten überfordern sie häufig“, sagt Monika Meinhardt.

„Allerdings endet die Freiheit dort, wo die Freiheit eines anderen beginnt“, ergänzt Verena Loibl. Basis sei ein sehr hoher Personalschlüssel, auch behinderte und entwicklungsverzögerte Kinder werden betreut.

„Für uns war das Kinderhaus ein Grund, nach Simonshofen zu ziehen“, erzählt Volker Böschen, Vorstandsmitglied und Vater einer Tochter. Ihn beeindrucken das Herzblut der Mitarbeiter und das Engagement der Eltern.

Das 25-jährige Bestehen wird am kommenden Samstag von 14 bis 18 Uhr gefeiert. Besucher können einen Blick in die Gruppenräume werfen, es gibt eine Einführung in Montessori-Materialien, eine Kunstversteigerung, Gesang, Leckeres aus dem Pizzaofen und vieles mehr.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger