Verstümmelte Linde auf dem Heuchlinger Berg

Rücksichtsloser Baumschnitt

Von der schönen Form der Berglinde auf dem Heuchlinger Berg ist nichts mehr geblieben. | Foto: Fischer2017/02/baum-linde-totale-2.jpg

HEUCHLING  — Entsetzen bei Spaziergängern, Ärger bei der Stadt Lauf und vollkommenes Unverständnis beim Laufer Baum- und Naturschutzspezialisten Dieter Wölfel: Auf dem Heuchlinger Berg wurden nicht nur Hecken und Sträucher am Wegrand rücksichtslos und unprofessionell abrasiert, einer fast 30 Jahre alten freistehenden Berglinde wurden die unteren armdicken Äste regelrecht abgerissen. Noch ist nicht klar, wer der Auftraggeber der Aktion war und wer die Maßnahme ganz offensichtlich mit einem Großgerät an einem Traktor durchführte.

Regelrecht gerupft schaut der landschaftsprägende Baum an einer Weggabelung nun aus. Von seiner schönen typischen und gleichmäßigen Form ist nichts geblieben. An den Wegseiten wurden Äste mit Gewalt eingekürzt, ganz offensichtlich in der Absicht, den Luftraum über dem Weg für große Maschinen frei zu machen. Dabei ist der Arbeiter weder zimperlich noch kompetent vorgegangen, analysiert ein verärgerter Dieter Wölfel, der bei der Stadt für die Baum- und Landschaftspflege zuständig ist.

„Das hat überhaupt nichts mehr mit Bestandspflege zu tun, das ist absolut hirnlos, wie hier vorgegangen wurde“, reagiert ein sonst eher zurückhaltender Wölfel mit deutlichen Worten. „Ich bin richtig erschrocken als ich das gesehen habe, diese Art der Baumverstümmlung ist einfach nicht mehr tolerierbar“. Die Linde hätte überhaupt nicht angefasst werden dürfen, weil sie allein durch ihren schönen Wuchs schon ein bestimmender Landschaftsteil geworden sei.

Wenn aber Äste abgeschnitten werden, so Wölfel, dann wenigstens stammnah mit einem sauberen Schnitt. Und nicht wie im Heuchlinger Fall, wo das Holz mit einer Schere abgequetscht wurde. Die Aststümpfe rissen dabei auf und wo die Gewalt der Schere nicht ausreichte, wurde der gesamte Ast einfach vom Stamm gerissen.

Radikal und vollkommen unsachgemäß wurden die unteren dicken Äste der Linde regelrecht abgerissen. | Foto: Fischer2017/02/baum-linde-detail-2.jpg

Die Folgen dieser Verstümmelung, so Wölfel, müssen jetzt mit aufwendigen Nacharbeiten in Grenzen gehalten werden, wobei die Form des Baums aber nicht mehr hergestellt werden kann. Aber nicht nur den „Schnitt“ des Baumes kritisiert Wölfel. Auch das Freischneiden zahlreicher Wege rund um den Heuchlinger Berg zeuge nicht von Professionalität. Statt wie heute üblich die Sträucher auf Stock zu schneiden (dicht über dem Boden) und so einen tiefen Austrieb zu fördern, wurden die Sträucher in über einem Meter Höhe abgefräst.

Die unsauberen Schnittstellen seien Eintrittsflächen für Pilze und der Neuaustrieb führe zu einem instabilen Bestand. Auch dass Äste am Weg stehender Bäume radikal eingekürzt wurden und dass das Schnittgut zum Teil einfach wieder in das Gebüsch zurückgeschoben wurde, missfällt dem Fachmann.

Noch ist nicht bekannt, wer konkret den Auftrag des Baumschnitts gegeben hat und wer ihn dann ausführte. Die Stadt jedenfalls, selbst mit Grundstücken Anlieger der Wege,  „erteilte weder einen Auftrag noch war sie von der Maßnahme informiert“, so Rainer Kurzendörfer vom Liegenschaftsamt der Stadt. Im Rathaus versuche man jetzt den Verursacher ausfindig zu machen und den Verantwortlichen zu ermitteln. Mit dem Ziel, durch Nachbesserungen und Nachschnitte den angerichteten Schaden wenigsten in Teilen wieder gut zu machen.

Radikal und viel zu hoch, statt überlegt und bodentief wurden auch Hecken und Sträucher am Wegrand mit einem Großgerät regelrecht abrasiert. | Foto: Fischer2017/02/baumfrevel-heuchling-hecke-fi-e1487694744126.jpg
N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer