Betrieb der Familie Mortler erweitert

Pesika baut in Dehnberg

Am westlichen Ortsrand von Dehnberg (gegenüber des Hof-Theater-Parkplatzes) haben vor Kurzem die Arbeiten für die Produktionsstätte der Pesika GmbH begonnen. | Foto: Buchner-Freiberger2019/01/neubau-mortler-pesika-dehnberg2.jpg

DEHNBERG (bu) — Die Firma Pesika Körnergut GmbH der Familie Mortler baut am westlichen Ortsrand von Dehnberg, genau gegenüber des Hof-Theater-Parkplatzes, eine neue Produktionsstätte. Mit der Erweiterung will sich das Unternehmen, das sich einst einen Namen mit Popcorn als ökologisches Verpackungsmaterials einen Namen gemacht hatte, einerseits ein Stück weit neu ausrichten und andererseits gestiegenen Produktionsanforderungen Rechnung tragen.

Pesika verarbeitet derzeit als Dienstleister für Kunden Getreide weiter, veredelt es zum Beispiel oder „poppt“ es auf. Der Schwerpunkt liegt inzwischen nicht mehr bei der Verpackung, sondern auf glutenfreien Produkten im Lebensmittelbereich. Spezialgebiete sind unter anderem Bio-Amaranth-Popps, Quinoa-Crunchy, Buchweizen geröstet oder Röst-Chia. Das Unternehmen besteht seit 1991, geschäftsführender Gesellschafter ist Jörg Mortler, Sohn der Bundestagsabgeordneten Marlene Mortler. Angegliedert ist der landwirtschaftliche Betrieb Mortler, der vor rund einem Jahr auf Bio-Landbau umgestellt wurde, sich derzeit aber noch in der dreijährigen Übergangsphase befindet.

Künftig möchte man versuchen, stärker in die Direktvermarktung zu gehen und nicht nur als Dienstleister zu agieren, sondern auch eigene (Bio-)Produkte anzubieten, wie Jörg Mortler gegenüber der PZ erklärt. Dazu soll der Zukauf von Getreide zurückgefahren werden, stattdessen will er versuchen, Sorten wie Amaranth oder Quinoa vor Ort anzubauen und so „die Wertschöpfung mehr in der Firma und in der Landwirtschaft zu belassen“.

Diese Neuausrichtung funktioniere allerdings in den bisherigen Gebäuden in Dehnberg nicht, auch weil die Auflagen immer höher werden. So müssen zum Beispiel bei der Aufbereitung des Getreides „Beikräuter“ herausgefiltert werden, um einen Reinheitsgrad von fast 100 Prozent zu erreichen. Außerdem müssen pilzbelastete Körner entfernt werden. „Mit normalen Reinigungsverfahren geht das nicht mehr“, sagt Jörg Mortler. Deshalb komme zum Beispiel die Farb­auslesetechnik zum Einsatz, bei der Fremdkörner über Druckluft ausgeschossen werden.

So soll das dreiteilige Gebäude nach der Fertigstellung aussehen. | Foto: Planbild: Architekturbüro Gömmel&Wieland2019/01/mortler-pesika-neubau-planbild.jpg

 

Zu einem Neubau gab es für Jörg Mortler daher keine Alternative. Am westlichen Ortsrand, angrenzend an den alteingesessenen Betrieb, direkt an der Straße von Ziegelhütte kommend, haben vor Kurzem die Bauarbeiten für ein dreiteiliges Gebäude begonnen. Dieses wird unter anderem eine „Waschhalle“, ein Lager, Bereiche für Aufbereitung und Produktion, ein kleines Labor sowie Büro- und Besprechungsräume beherbergen. Sogenannte Schmutzschleusen sorgen für die notwendige Abtrennung der einzelnen Bereiche. An zwei Lkw-Rampen erfolgt die Anlieferung und Abholung des Getreides. „Der Verkehr rückt damit ein Stück aus dem Dorf heraus“, betont Jörg Mortler.
Optisch soll der Neubau einen „modernen landwirtschaftlichen Charakter“ haben. Er erfülle den KfW-70-Energiestandard, was laut Mortler für Produktionsgebäude die Ausnahme ist.

Der Laufer Stadtrat hatte für das Vorhaben einstimmig den Flächennutzungsplan geändert und ein „eingeschränktes Gewerbegebiet Dehnberg West“ auf den Weg gebracht. Überlegungen, an anderer Stelle in Lauf zu bauen, hatte die Familie Mortler schnell ad acta gelegt. „Erstens gibt es in Lauf so gut wie keine Flächen und außerdem hätte das bedeutet, dass wir unsere Produkte zwischen zwei Standorten hin und her schaffen müssen“, erklärt der Pesika-Geschäftsführer.

Er ist sich durchaus bewusst, dass die Großbaustelle im ländlichen Dehnberg, die zu Beginn in den letzten Wochen mit massiven Erdbewegungen verbunden war, beim ein oder anderen für kritische Nachfragen sorgt. Doch der abgetragene Humus werde zum Ende der Bauphase wieder aufgebracht. Geplant ist außerdem das Anlegen eines kleinen „Versuchsgartens“ und einer Baumreihe. Es habe viele Gespräche mit der Stadt gegeben, wie der Neubau landschaftsverträglich gestaltet werden könne.

Jörg Mortler räumt allerdings auch ein, dass man beispielsweise nicht alle Wünsche des Bund Naturschutzes, die im Rahmen der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange geäußert wurden, umsetzen kann. Eine Begrünung unmittelbar am Gebäude sei zum Beispiel einfach deshalb nicht machbar, da dadurch das Risiko bestehe, dass Insekten in den Betrieb gelangen. „Das wäre in der Lebensmittelproduktion eine Katastrophe.“ Je nach Wetterlage hofft der Unternehmer, dass zumindest ein Teil des Neubaus noch im Sommer dieses Jahres fertig wird.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger