Anlaufschwierigkeiten in Lauf

Neuer Bustakt noch mit Problemen

Überzeugt vom neuen Konzept: Die Vertreter von VGN, Landratsamt und Stadt. Vorne in der Mitte Bürgermeister Benedikt Bisping und Landrat Armin Kroder, links und rechts die Schmetterling-Geschäftsführer Daniela und Elmar Singer. | Foto: Fischer2017/12/stadtbusse-lauf-neu-schmetterling-ehrengaste.jpg

LAUF — Mit zum Teil massiven Anlaufschwierigkeiten starteten gestern die Laufer Stadtbusse in ein neues Takt- und Linienzeitalter. Vor allem in den ersten Vormittagsstunden, als neben den Pendlern auch die Schüler unterwegs waren, herrschten am zentralen Bushalt am Marktplatz zeitweise chaotische Verhältnisse. Mit deutlichen Verspätungen einzelner Busse, wie Fahrer selbst einräumen mussten und wie viele kritische Kommentare im Internet zeigten. Am Marktplatz selbst irrten auch am Nachmittag noch immer Fahrgäste zwischen den Haltestellen hin und her und beklagten sich über mangelnde Informationen vor Ort.

Viel weniger dramatisch sahen die Verantwortlichen bei der Stadt, im Landratsamt, beim VGN – Lauf ist Teil des Verbundes – und beim neuen Linienbetreiber „Schmetterling“ gestern Vormittag die Situation, als das neue Laufer Bus-Konzept nach dem ersten Ansturm offiziell von Bürgermeister Benedikt Bisping und Landrat Armin Kroder in Betrieb genommen wurde.

Natürlich gebe es bei einer derart großen Veränderung immer einzelne Schwierigkeiten, so VGN-Linienplaner Jonas Hüsam, diese würden sich aber schnell und mit ein wenig Routine der Fahrgäste von allein lösen. Allerdings werden in den nächsten Tagen alle Probleme ganz genau betrachtet und wenn nötig Abläufe nachjustiert, versprachen sowohl Markus Birle von ÖPNV im Landratsamt und Michael Meye von Nahverkehrsreferat der Stadt als auch der Geschäftsführer der neuen Betreibergesellschaft, Elmar Singer. Sie alle zeigten sich gestern trotz der kritischen Stimmen mit dem neuen Gesamtkonzept sehr zufrieden.

Ein Konzept, das einstimmig von Laufer Stadtrat so beschlossen wurde und das „noch bessere und schnellere Verbindung durch die Stadt und zu den Ortstteilen“ bringen soll. Gemäß dem neuen Slogan: „SchnelldurchLauf“. So gibt es jetzt auf der sogenannten Stammlinie 353 zwischen Heuchling, Krankenhaus rechts, S-Bahnhof links und Landratsamt – mit Zwischenstopp am Marktplatz – einen sehr ambitionierten 20-Minuten-Takt. „Einmalig für eine Stadt in der Größe Laufs“, wie VGN-Vertreter Hüsam und Schmetterling-Geschäftsführer Singer anerkennend sagen.

Die anderen beiden öffentlichen Stadtbus-Linien, 351 von Rudolfshof über den Bahnhof rechts und den Marktplatz bis zum S-Bahnhof und 352 von der Kunigundensiedlung über den Marktplatz in die Stammarbeitersiedlung nach Wetzendorf, diese beiden Strecken werden im Halb-Stunden-Takt bedient.

Kein Rendezvous am Marktplatz

Und weil die Busse jetzt viel öfter fahren als bisher (im Jahr rund 30 000 Streckenkilometer mehr) sollte der Verzicht auf das klassische Bus-Rendezvous am Marktplatz kein großes Problem sein, so die Idee der Planer. Während sich bisher alle Busse immer am Marktplatz trafen, dort fünf Minuten verweilten und so ein sofortiges Umsteigen möglich war, treffen sich jetzt die Stadtbusse nicht mehr im Zentrum. Maximal zwei Busse werden gleichzeitig am Unteren Marktplatz stehen und dies auch nur kurz zum Ein- und oder Aussteigen.

Für einige Fahrgäste werde dies natürlich zu längeren Wartezeiten führen, gibt der zuständige Referent im Laufer Rathaus, Roland Schriefer, zu. Das Gesamtkonzept mit dem kürzeren Takt bringe dafür aber für viel mehr Kunden nur Vorteile, ist Schriefer überzeugt. Vor allem, weil sich der 20-Minuten-Takt genau der S-Bahn anpasse und der 30-Minuten-Takt auf die Zugabfahrten in Lauf rechts ausgerichtet sei.

VGN-Logo und Landkreis-Grün: Die neuen Laufer Stadtbusse. | Foto: Fischer2017/12/stadtbusse-lauf-neu-mit-schmetterling.jpg

So gesehen stellen die neuen Busfarben mit dem Landkreis-Grün und der neue Betreiber Schmetterling-Reisen für die Fahrgäste noch die geringsten Veränderungen dar. Und weil der Vertrag mit Schmetterling-Reisen neun Jahre lang läuft, werden sich die Laufer daran wohl auch gewöhnen können.
Geschäftsführer Elmar Singer jedenfalls verspricht einen reibungslosen Laufer Stadtverkehr. Und er sollte sich auskennen. Schließlich fährt er mit über 100 Bussen schon in mehreren Städten und beschäftigt insgesamt 220 Fahrer.

Der Busunternehmer aus Obertrubach hat die Ausschreibung des Landratsamtes gewonnen und eigens für Lauf insgesamt sieben neue Busse angeschafft. Sechs für den laufenden Betrieb, einen als Ersatzfahrzeug. „Und alle ausgestattet mit dem modernsten Dieselmotor nach Euro-6-C-Norm. Die sind sauberer als jeder Diesel-Pkw“, schwärmt Singer. Jeder Bus bietet 58 Personen (darunter 24 Sitzplätze) Platz. Insgesamt vier Fahrer hat Schmetterling vom Vorgänger Meidenbauer übernommen. Dabei hätten alle Laufer Fahrer einen Vertrag („ich bezahle nach Tarif“) erhalten, „wenn sie nur gewollt hätten“.

Elektrobusse habe man zwar schon getestet, „die wichtigsten Hersteller MAN und Mercedes haben sie aber noch nicht im Angebot“, so Singer. Außerdem fehle dafür derzeit noch die Ladeinfrastruktur. Das werde sich aber in den nächsten Jahren schnell ändern, sodass dann der klare Wunsch von Bürgermeister Bisping und Landrat Kroder nach sauberen Fahrzeugen bestimmt erfüllt werden könne.

600 .000 Fahrgäste im Jahr

Rund eine Million Euro lässt sich die Stadt ihren öffentlichen Nahverkehr (Stadtbusse, Sammeltaxi – das jetzt „Rufbus“ heißt – und Nightliner) kosten. 1,8 Millionen Euro bezahlt der Landkreis für sein Linien im ganzen Nürnberger Land. Das sei zwar noch eine freiwillige Leistung, so Bisping, allerdings sehe er den öffentlichen Nahverkehr als Pflichtaufgabe, auch über Lauf hinaus, an. Rund 600 .000 Fahrgäste befördern die Busse in Lauf im Jahr, etwa 2000 jeden Tag. „Wir peilen jetzt die Million an“, so Bisping.

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer