Bernd Händel im PZ-Kulturraum

Multitalent in Aktion

Bernd Händel als Peterlesbou im PZ-Kulturraum. | Foto: Dorn2017/12/Handel-Kulturraum-Peterlesbou.jpg

LAUF — Bernd Händel hat ein Buch über sein Leben geschrieben, über sein Aufwachsen mit den „Peterlesboum“, seine Jugendstreiche und sein Leben als Komödiant und Stimmenimitator – und seine Karriere im fränkischen Fasching bis hin zum Sitzungspräsidenten bei der „Fastnacht in Franken“. Im Rahmenprogramm zur Lesung im PZ-Kulturraum zeigt er seine Vielseitigkeit und demonstriert, dass der Rückspiegel durchaus Wege in die Zukunft weisen kann.

Bernd Händel hat keine Mühe, den Draht zu seinem Publikum zu finden. Der Draht ist wahrscheinlich schon mit der Entscheidung, die Lesung zu besuchen, gespannt worden. Oder noch früher. Und so kann Händel, ein echter „Nermbercher Peterlesbou“, seine Talente frei ausleben und tief in die Komödiantenkiste greifen.

Die Zuhörer sind, das ist schnell klar, fast alle vom Fach; sie gehen mit, lachen frei heraus bei den reichlich zündenden Gags und sind diszipliniert und aufmerksam, wenn Händel sich, aus seinem Buch „Faschingskind“ lesend, von der Kindheit zur Gegenwart vorarbeitet.

Die überwiegend amüsanten Erinnerungen an seine Nürnberger Lausbuben- und Jugendzeit sind stark geprägt von den „Peterlesboum“ (sein Vater Willi war einer von ihnen) und von Herbert Hisel, dem weit über Franken hinaus bekannten Nürnberger Komödianten der 1960er Jahre. Folgerichtig garniert der Autor diese Kapitel auch mit Reminiszenzen an dieses Dreiergespann des trockenen fränkischen Humors.

Das Rezept, gängige Schlagertexte mundartlich und schräg zu karikieren, sorgt auch heute noch für Kichern und Lachen, und manche Anwesende kennen sogar noch die Parodie der „Peterlesboum“. Als Händel dann Herbert Hisels Melone aufsetzt und mit seiner Stimme spricht, steht „as Herbertla“ leibhaftig und hochaktuell auf der Bühne.

Der Wechsel zwischen Comedy und Lesung funktioniert perfekt; Händel liest hochdeutsch, lässt die Zuhörer teilhaben an seiner Entwicklung, schildert ernste und komische Situationen, seine Zweifel und seine Glücksmomente – und streut unvermittelt, weil es eben passt, wienerische und bayerische Einsprengsel hinein; kurzfristig scheint Hans Moser da vorne zu sitzen, und schon im Aufstehen wechselt der eben noch Lesende in die Stimme des Stadionsprechers beim „Glubb“, der den Ex-Präsidenten Roth sowie Beckenbauer, Louis van Gaal und Jogi Löw interviewt, alle auf Anhieb erkennbar und so aktuell wie witzig.

Genialer Imitator

Händel spielt mit den Stimmen, mit Worten und Situationen, mit dem Publikum und mit der Gitarre. Er parodiert aktuelle Texte im Stil der „Peterlesboum“ und dazu auch gleich die Stimme der Originalinterpreten.

Natürlich kommt auch seine Lieblingsfigur zu Wort, der Mafiosi Silvester Capone, in dessen Auftritt er Prominente von Brandt bis Strauss einfließen lässt.
Dieser Fächer aus Rückschau, Nabelschau und Vorschau, aus Lesung, Musikcomedy und Parodie kommt bestens an; auch wenn Händel sich bei seinen Gags öfter auf Höhe der Gürtellinie bewegt, die Leute mögen es, sie feixen, lachen, schmunzeln, haben Spaß – und nur das ist an dem Abend wichtig.

Norbert aus Röthenbach kommentiert den Auftritt lächelnd mit „ich kenne die Peterlesboum und den Hisel aus meiner Jugend, die waren alle schon in Röthenbach, und den Händel ken ne ich auch von Auftritten und aus dem Fernsehen, das war und ist halt guter fränkischer Humor“.

Zwei Zugaben muss der so Gelobte geben, was bezeugt, dass das gesamte Auditorium sich dieser Meinung anschließt.

 

N-Land Reinhard Dorn
Reinhard Dorn