Mit dem Rad durch die Industriegeschichte

Auf 26 Tafeln entlang des 80 Kilometer langen Radweges wird die Industriekultur zwischen Nürnberg und Simmelsdorf erläutert. Hier die aufwendige Emailtafel vor dem Laufer Industriebetrieb Döbrich&Heckel2012/04/41881_radwegindustriedoebrich1_New_1334931064.jpg

LAUF — Die ersten Emailschilder stehen schon, insgesamt 26 sowie noch einmal so viele Logotafeln sollen es bis zum 6. Mai noch werden: Gemeinsam mit der Gewerbeschau „Laufwerk“, die an diesem Tag in und um das Laufer Industriemuseum stattfindet, fällt der Startschuss für den neuen Themenradweg Industriegeschichte, der künftig mehr Tagesausflügler in die Region um Lauf locken soll.

Mit den Pfunden wuchern, das ist die Idee hinter dem Radweg, der von den Gemeinden Röthenbach, Rü­ckersdorf, Leinburg, Lauf, Ottensoos, Neunkirchen, Schnaittach und Simmelsdorf initiiert wurde und auch gemeinsam getragen wird. „Wir haben eine reiche Industriegeschichte im Nürnberger Land, die wollen wir auch bekannt machen“, fasst Schnaittachs Bürgermeister Georg Brandmüller, der seitens der Gemeinden die organisatorische Federführung des Projektes hatte, zusammen.

Zielgruppe seien Familien und Tagesausflügler aus Nürnberg und dem Landkreis, „die wollen wir locken, die Geschichte und die schöne Natur zu erkunden“. Für das Gemeindeoberhaupt von Schnaittach, das sich seit Jahren um eine stärkere Präsenz seines Ortes bemüht, ist der Themenradweg aber nur ein Mosaikstein und der Anfang für eine noch stärkere Zusammenarbeit im Bereich des Tourismus, „wenn wir vorankommen wollen, geht das nur im Verbund“, ist sich Brandmüller sicher.

Doch gut Ding braucht gut Weil und so sind seit dem ersten Treffen aller Projektbeteiligten fast zwei Jahre ins Land gegangen. Die Mitarbeiter des Entwicklungsbüros für den ländlichen Raum regiopol, die die Route entwarfen, waren in dieser Zeit immer wieder fleißig auf ihren Drahteseln unterwegs, suchten Themen und Objekte aus und sprachen sich mit den Grundbesitzern und den Gemeinden ab. Begleitet durch den Radwegebeauftragten des Landratsamts und eine Magisterarbeit, die die industrielle Entwicklung im Nürnberger Land zum Thema hat, wurden die einzelnen Stationen festgelegt und die Inhalte der Tafeln wissenschaftlich fundiert erarbeitet.

Auf 80 Kilometern des bestehenden Radwegenetzes schildert der Radweg nun bekannte und weniger bekannte Industriedenkmäler, Museen und Unternehmen zwischen Nürnberg und Simmelsdorf aus. Startpunkt ist am historischen Industriegut Hammer in Nürnberg. Dem bekannten Radwegenetz folgend führt der Pfad über Rückersdorf, Röthenbach, Lauf, Leinburg, Ottensoos, Schnaittach bis nach Simmelsdorf.

Im Zentrum des Radweges steht das Laufer Industriemuseum, das den Radlern Zusammenhänge zwischen den Branchen und zwischen Land zur Stadt aufzeigen und die regionale Industriegeschichte um Lauf herum lebendig machen soll. Doch auch die Mühlen in Simmelsdorf und Lauf sind Teil des Industrieradweges, ebenso wie das Stadtmuseum Conradtyhaus in Röthenbach und die Heimatmuseen in Rückersdorf und Schnaittach. Auch dem Steckerlaswald und dem Flachsanbau am Moritzberg sind Tafeln gewidmet, ebenso wie der Ostbahn (Bahnstrecke links) und dem Kulturbahnhof in Ottensoos.

Und auch die Gegenwart ist präsent und damit die Verbindung zu heutigen Wirtschaftskraft des Standortes Nürnberger Land. Ob Diehl in Röthenbach, Emuge und CeramTec in Lauf oder die Wolfshöher Tonwerke – die Thementafeln geben Radlern und Tagesausflüglern informativ, aber kurzweilig Auskunft über die Unternehmen am jeweiligen Standort.

Dabei sind die 60 x 100 Zentimeter großen Schilder auch noch echte Hingucker: Sie wurden stilecht aus Email gegossen, einem Werkstoff, der wie kaum ein anderer für die Schaffenskraft der industriellen Ära steht und sich bewusst von der restlichen Beschilderung entlang der Radwege absetzt. Das hat seinen Preis: rund 1000 Euro kostet jede der Tafeln, die in einem aufwändigen Digitaldruck mit Fotos und Texten versehen wurden. „Wir wollten die Verbindung zum Industriezeitalter schaffen und gleichzeitig eine anspruchsvolle moderne Optik bieten“, sagt Dagmar Kiener vom Planungsbüro regiopol.

Direkt am Radweg weisen zusätzlich kleinereSchilder mit einem extra für den Radweg konzipierten Logo auf die nahe gelegenen Sehenswürdigkeiten hin. Das schlichte, aber markanten Schild, das den Weg vom Holzrad zum modernen Fahrrad symbolisiert, ist auf einen Blick auch im Vorbeifahren zu erkennen und wurde extra für den Radweg entworfen.

Bei aller Liebe zum historischen Detail nutzen die Planer auch moderne Technik: So ist die gesamte Route des Radweges als GPS-Track im Internet abrufbar. Und natürlich kann die Strecke, die immer wieder an Bahnhöfen vorbeiführt, auch in Rundtouren oder Teilabschnitten befahren werden, versichern die Planer.

Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping, Landrat Armin Kroder und die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden werden den Radweg am Sonntag, den 6. Mai anlässlich der Messe Laufwerk, die am Zentrum des Radweges, dem Industriemuseum stattfindet, offiziell eröffnen und sich dazu auch auf die Drahtesel schwingen.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger