St. Otto plant Projekt in Lauf/rechts

Mietwohnungen und Demenz-WG

Blick von der Beethovenstraße Richtung Erbsenbodenstraße (Hausdächer im Hintergrund) über das Kirchengrundstück. Rechts vorne, Richtung THW, würde die Demenz-Wohngemeinschaft entstehen. | Foto: Fischer2017/03/wohnungen-st-otto-lauf-rechts-neu.jpg

LAUF — Auf ihrem eigenen Grundstück in Lauf/rechts will die katholische Kirche, die Kirchenstiftung St. Otto, in den nächsten Jahren rund 60 Mietwohnungen sowie eine Demenz-Wohngemeinschaft errichten. Der Laufer Bauausschuss brachte einstimmig einen entsprechenden Bebauungsplan vor allem für mehrere dreigeschossige Wohnblocks auf der rund 10 000 Quadratmeter großen Fläche am Erbsenboden weiter auf den Weg. Um die Bebauung hatte es zwar nach Anliegereinwendungen im Vorfeld lange Diskussionen gegeben, grundsätzlich waren sich die Räte aber am Ende quer durch die Fraktionen einig, dass in Lauf dringend neue Wohnungen – insbesondere Mietwohnungen – gebraucht werden.

Die Zustimmung für den aktuellen Entwurf wurde den Räten auch durch zahlreiche Änderungen der Pläne, wie geringere Gebäudehöhen oder größere Abstandsflächen, erleichtert. Pläne, die im Laufe von fast eineinhalb Jahren durch den Projektentwickler der katholischen Kirchenstifung in Lauf, Johannes Bräutigam, in enger Abstimmung mit dem Bauamt der Stadt entstanden. Besonders auf diese gute Zusammenarbeit und die vielen Nachbesserungen im Sinne einer von der Stadt ja unbedingt gewünschten Bebauung hatte Bauamtschefin Annette Nürnberger immer wieder hingewiesen, als  einzelne Räte immer noch weitere Veränderungen ins Gespräch brachten.

Dabei wurde auch eine der Hauptsorgen der Anwohner und Kritiker deutlich. Bei der Fläche, die von der Erbsenbodenstraße im Osten, der Beethovenstraße im Westen, dem THW im Süden und der Telemannstraße im Norden eingegrenzt wird, handelt es sich um die Kuppe eines flachen Hügels. Dreigeschossige Mehrfamilienenhäuser auf diesem hochgelegen Areal erschienen vielen Nachbarn, aber auch Stadträten aus städtebaulichen und optischen Gründen für zu mächtig. Auch weil das Gelände, zumindest von drei Seiten, vor allem von den Einfamilienhäusern des Erbsenbodengebietes und des sogenannten Musikerviertels eingerahmt wird. Dies jedenfalls sei der falsche Ort für einen Geschosswohnungsbau, hieß bei mehreren Treffen mit Anwohnern, unter anderem auch bei einem Ortstermin.

Entsprechende Stellungnahmen, insgesamt 27, gingen dann in Zusammenhang mit der öffentlichen Auslegung bei der Stadt ein. Das Bestreben der Stadt und der Kirchenstiftung war es deshalb, durch mehrere Modifizierungen der Pläne möglichst viele Kritikpunkte zumindest zu entschärfen, wie Nürnberger im Bauausschuss erläuterte. „Weil dies meiner Meinung nach und unter Abwägung verschiedener Interessen sehr gut gelungen ist, kann ich die Zustimmung nur dringend empfehlen“. So seien jetzt Baugrenzen wesentlich konkreter festgelegt worden als ursprünglich gedacht. Danach wurden die ursprünglich bis zu 55 Meter langen Gebäuderiegel in mehrere Einzelbaukörper gegliedert, teilweise wurde von drei auf zwei Geschosse reduziert und das Gelände um einen Meter abgetragen, um die absolute Gesamthöhe zu verringern.

So sieht der aktuellste Entwurf für das Baugebiet aus, mit den in Rot eingezeichneten möglichen Häusern.2017/03/Erbsenboden-Plan-Entwurf-mit-Schnitt.jpg

Nach erneuten Diskussionen mit Bürgern und Stadträten modifiziert Johannes Bräutigam die Entwurfspläne nochmals. Die an der Beethovenstraße geplanten sechs Doppelhaushälfen werden danach nur noch zweigeschossig mit flachen Satteldach ausgeführt. Sämtliche Mehrfamilienhäuser im Baugebiet erhalten nun zur Reduzierung der Gebäudehöhe Flachdächer statt Walmdächer. Und schließlich wird die Kuppe am obersten Gebäude noch weiter abgetragen, sodass der Fußboden am nördlich Hauseingang hier nun fast zwei Meter unter dem aktuellen Geländeniveau liegt. Mit dem Ergebnis, so Bräutigam, dass das dreigeschossige Gebäude absolut betrachtet nun nur einen Meter höher ist als das im Norden liegende Einfamilienhaus. Bauamtsleiterin Nürnberger ergänzte, dass sie jetzt diese Nordostecke als sehr unproblematisch einschätze, weil hier jetzt auch die Gebäudeabstände weit über den gesetzlichen Vorgaben liegen.

Die Einfahrten zu den oberirdischen Stellplätzen und zu den beiden Tiefgaragen unter dem Gelände finden sich jetzt in der Erbsenbodenstraße und in der Beethovenstraße, sodass die schmalere Telemannstraße wie gewünscht von zusätzlichem Verkehr entlastet wird. Und last but not least wird in Richtung THW-Gelände auf der städtischen Grünfläche eine Lärmschutzwand errichtet, obwohl rechnerisch die Lärmgrenzwerte nicht überschritten werden.

Hier an der südwestlichen Ecke des kirchlichen Gebietes wird wohl auch das erste Gebäude errichtet: Die Demenz-Wohngemeinschaft mit zwölf Plätzen, wie Bauingenieur Bräutigam, der auch Mitglied im Verwaltungsrat der katholischen Kirche ist, und der katholische Pfarrer Stephan Alexander erläutern. In dem Gebäude können oder sollen in benachbarten Wohnungen in Form einer WG auch Angehörige der Demenzkranken einziehen, um die Familie so zusammenzuhalten und unabhängig davon, dass eine 24-Stunden-Versorgung der Kranken auf jeden Fall gewährleistet sein soll. Wenn das Bebauungsplanverfahren jetzt zügig vorankomme, könnte schon in einem Jahr mit dem Bau begonnen werden, so Bräutigam.

Dieses Sozialprojekt sei 2013 in der Kirchenstiftung sozusagen die Keimzelle für die Entwicklung des ganzen Gebietes gewesen. Nachdem sich die ursprünglichen Pläne schon vor zehn Jahre zerschlagen hatten, die Fläche der Stadt Lauf zum Ersatzbau des Glockengießeraltenheims zur Verfügung zu stellen. Weil dies nur in Erbpacht möglich gewesen wäre, habe sich die Stadt für das jetzige Grundstück des Herman-Kessler-Stifs an der Beethovenstraße entschieden.

Schon in den Jahren nach dem Krieg war die Kirchenstiftung St. Otto (sie ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts Eigentümerin aller kirchlichen Liegenschaften) zum ein Hektar großen Grundstück an der Erbsenbodenstraße gekommen. In den 60er Jahren dann gab es Pläne, hier eine Filialkirche und ein Gemeindezentrum oder einen Kindergarten zu errichten. Überlegungen, die zwar noch in den Bebauungsplan „Am Steinbruch“ Mitte der 90er Jahre Eingang fanden, deren Realisierung aber mit dem Kindergarten an der Daschstraße beendet waren. Im Gegenzug entstanden dann die ersten Pläne fürs „Wohnen im Alter“.

Weil die Stiftung grundsätzlich zum Erhalt ihres Kapitals verpflichtet ist, werden auf der Fläche nach Bedarf und Finanzmitteln der Stiftung vor allem Mietwohnungen entstehen. Ohne Sozialbindung aber, weil man die Hoheit über die Belegung, etwa für ein Mehrgenerationenhaus, für Alten- oder Familienwohnungen, behalten will. Um Gewinnmaximierung gehe es überhaupt nicht, betont der katholische Geistliche, dem Gebot der Wirtschaftlichkeit sei man aber immer verpflichtet, wofür die Dreigeschossigkeit eben eine Grundbedingung sei. „Natürlich werden städtebauliche und gesellschaftliche Belange berücksichtigt. Wir wollen hier eine gesunde Mischung an Wohnformen ermöglichen und keine Konflikte programmieren“, so Pfarrer Alexander.

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer